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Ein Trauermarsch, der ein Stück Demokratie zu Grabe tragen mußte – Teil 1 
Mein Bericht, wie ich es selbst erlebt habe

1. September 2018

Ich bin gera­de zurück aus Chem­nitz. Dort fand heu­te der von den AfD-Lan­des­ver­bän­den Sach­sen, Thü­rin­gen und Bran­den­burg sowie PEGIDA ange­mel­de­te Trau­er­marsch für Dani­el Hil­lig und die zahl­rei­chen ande­ren Opfer von Migran­ten­ge­walt statt.

Es ist alles anders gelau­fen, als ich erwar­tet hat­te. Vor allem hät­te ich nicht gedacht, daß wir so ohne jede direk­te Gefähr­dung unse­rer per­sön­li­chen Sicher­heit davon kom­men wür­den. Wir waren – wenigs­tens im Geis­te – auf ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en vor­be­rei­tet. Doch der Rei­he nach.


- Anzei­ge -

Anfahrt lief pro­blem­los bis in Zen­trum­nä­he. Kurz nach­dem das Auto unauf­fäl­lig abge­stellt war, begeg­ne­te uns als ers­ter Vor­bo­te der Sicher­heits­maß­nah­men eine Rei­ter­staf­fel der Poli­zei. Das ist immer ein net­ter Anblick (vor allem wegen der muti­gen Pfer­de) und wur­de von mir dann gleich auch im – hier nicht ver­öf­fent­lich­ten – Bild fest­ge­hal­ten. Auf dem Weg zum Ver­samm­lungs­ort, der Stra­ße vor der AfD-Kreis­ge­schäfts­stel­le in Chem­nitz, war uns plötz­lich der Weg durch eine bereits grö­ße­re Ansamm­lung von Gegen­de­mons­tran­ten ver­sperrt. Gut bewacht von einer nicht uner­heb­li­chen Poli­zei­prä­senz.

Auf Nach­fra­ge wies uns die Poli­zei eine Aus­weich­rou­te und schon stan­den wir unmit­tel­bar am Tat­ort. Hier waren vor fast genau einer Woche Dani­el Hil­lig und sei­ne bei­den Beglei­ter nie­der­ge­sto­chen. An der Stel­le, an der das Blut der drei Män­ner den Boden ihrer Stadt tränk­te, erstreckt sich ein Meer aus Blu­men und Ker­zen. Mir fiel ein jün­ge­rer Mann auf, der auf dem Boden saß und laut wein­te. Eini­ge ande­re ver­such­ten ihn zu beru­hi­gen und sag­ten uns, daß er den Ermor­de­ten gut gekannt habe.

Wei­ter ging es vor­bei am „Nischl“ (salopp-säch­sisch für „Kopf“), dem über­di­men­sio­na­len stein­ge­haue­nen Kopf von Karl Marx. Wahr­zei­chen der Stadt aus der Zeit als sie noch – zwi­schen­zeit­lich – „Karl-Marx-Stadt“ hieß. Nun sahen wir schon die Teil­neh­mer des Trau­er­mar­sches. Hun­der­te. Tau­sen­de. Deutsch­land­fah­nen. Wei­ße Rosen. Erwar­tungs­voll.

Wir gin­gen durch die Mas­sen und ent­deck­ten nach und nach vie­le bekann­ter Gesich­ter. Gute Bekann­te. Mit­strei­ter aus dem nähe­ren Umfeld. Land­tags­ab­ge­ord­ne­te. Mar­tin Sell­ner mit Britt­a­ny. Kubit­schek.

Jetzt hieß es, daß sich die Demons­tra­ti­on von „Pro Chem­nitz“ dem AfD-Trau­er­marsch ange­schlos­sen hät­ten. Die Ord­ner wur­den zur Ein­satz­lei­tung der Poli­zei geru­fen. Das gro­ße War­ten begann. Eine gefühl­te Ewig­keit – ich habe nicht auf die Uhr geschaut – stan­den wir und war­te­ten, daß sich der Trau­er­zug end­lich in Bewe­gung setzt. Es erga­ben sich vie­le gute Gesprä­che, Infor­ma­tio­nen und Tele­fon­num­mern wur­den getauscht. Und ich weiß jetzt, daß die Fuß­ball­hoo­li­gans letz­ten Sonn­tag für Dani­el Hil­lig als einen ihrer Kum­pel zu Hun­der­ten auf die Stra­ße ström­ten. Wäre irgend­ein ande­rer dem Mes­ser­mör­der zum Opfer gefal­len, wäre alles anders gelau­fen. Viel­leicht wäre sogar „gar nichts“ gelau­fen.

Der Zug setz­te sich dann irgend­wann in Bewe­gung. Es ging sto­ckend vor­wärts. Neben und mit uns ganz nor­ma­le Men­schen aus allen sozia­len Schich­ten, Jun­ge und Alte, sogar Fami­li­en mit Kin­dern. Schwei­gen oder mir gesenk­ter Stim­men lei­se mit­ein­an­der spre­chend. Am Rand sahen wir Was­ser­wer­fer bereit ste­hen. War­um stan­den sie gera­de dort? -

Nach nicht mal einer Vier­tel­stun­de ging plötz­lich gar nichts mehr. Das Gerücht ver­brei­te­te sich, daß Was­ser­wer­fer gegen Gegen­de­mons­tran­ten ein­ge­setzt wür­den. Sprech­chö­re „Räu­men, Räu­men…“ erho­ben sich. Nach einer gefühl­ten Ewig­keit kamen plötz­lich die in den vor­de­ren Rei­hen gehen­de „Pro­mi­nenz“, Höcke, Urban, Kal­bitz, Bach­mann… zurück und ent­eil­ten raschen Schrit­tes (was mut­maß­lich mit der Tak­tik  der Per­so­nen­schüt­zern vom LKA zu tun hat­te). Es hieß, die Demons­tra­ti­on sein been­det. In kur­zer Zeit leer­te sich die Stra­ße. Wir stan­den noch eine Wei­le rat­los bei­sam­men. Ver­such­ten, in der Hoff­nung das Netz liegt wie­der an, mit dem Smart­pho­ne Infor­ma­tio­nen zu fin­den.

Die Poli­zei infor­mier­te jetzt offi­zi­ell, daß die Ver­samm­lung been­det sei und die Teil­neh­mern den Bereich ver­las­sen sol­len. Zunächst woll­ten wir zur AfD-Geschäfts­stel­le zurück. Da es immer noch hell war, beschlos­se­nen wir dann aber, und auf den Rück­weg zu machen. Die Stra­ßen war rasch leer. Ganz vorn schien es Unru­he zu geben.

Auf ver­schlun­ge­nen Pfa­den ver­lie­ßen wir die Innen­stadt. Mit und neben uns auch erkenn­bar Gegen­de­mons­tran­ten. Wir konn­ten sie auf­grund ihres Erschei­nungs­bil­des sofort zuord­nen. Sie uns nicht. Wir sind eben doch nur nor­ma­le Bür­ger aus der Mit­te der Gesell­schaft.


Ver­öf­fent­licht bei Ste­e­mit. Letz­te Aktua­li­sie­rung: 6. Sep 2018 @ 1:11

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