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Dynamik einer Ungeheuerlichkeit: Fand in Chemnitz tatsächliche eine Hetzjagd auf Ausländer statt? 
Wie das Bundeskanzleramt mit Antifa-Videos Politik macht

29. August 2018

Inter­net­auf­trit­te wie die Face­book-Sei­te und der Twit­ter­ac­count „Anti­fa­ze­cken­biss“ wären in einem demo­kra­ti­schen Rechts­staat eigent­lich bes­ten­falls ein gefun­de­nes Fres­sen für den Ver­fas­sungs­schutz. Doch in Mer­kel-Deutsch­land ist ja bekannt­lich alles anders. Ein dort ver­öf­fent­lich­tes Video (Link zu Face­book) der Links­ex­tre­mis­ten schaff­te es hier­zu­lan­de bis ins Kanz­ler­amt. Nicht als Beweis­mit­tel für irgend­wel­che extre­mis­ti­schen Akti­vi­tä­ten. Nein, für Kanz­le­rin Mer­kel und ihren Regie­rungs­spre­cher Sei­bert ist es die Quel­le, um über eini­ge unge­lieb­ten Tei­le des eige­nen Staats­volks öffent­lich her­zu­zu­zie­hen. Was ist gesche­hen?


Quel­le: Twit­ter


Das öster­rei­chi­sche Nach­rich­ten­por­tal „Wochenblick.at“ gehört zu den weni­gen Medi­en, die den offi­zi­el­len Nar­ra­tiv von der Hetz­jagd auf Aus­län­der in Chem­nitz am Ran­de der Pro­tes­te am ver­gan­ge­nen Sonn­tag nicht nur offen in Fra­ge gestellt, son­dern auch detail­liert wider­legt haben. Von Sei­ten der Main­stream­me­di­en hat bis­her ledig­lich der Chef­re­dak­teur der Chem­nit­zer „Frei­en Pres­se“ Tors­ten Kle­ditzsch der offi­zi­el­len Ver­si­on der Ereig­nis­se wider­spro­chen. In einem Inter­view mit  „Deutsch­land­ra­dio Kul­tur“ erklär­te er, daß er und sei­ne Redak­ti­ons­kol­le­gen am Sonn­tag kei­ne „Hetz­jag­den“ gese­hen haben.

„Für den Sonn­tag­nach­mit­tag, wo sehr schnell von Hetz­jag­den die Rede war, das haben wir hier nicht beob­ach­tet. Wir waren mit unse­ren Leu­ten drau­ßen. Es gab Angrif­fe aus der Demons­tra­ti­on, ein­zel­ne Angrif­fe auf Migran­ten, auf Poli­zis­ten und auf Lin­ke auch. Das waren aber sehr ver­ein­zel­te Fäl­le aus die­ser Demons­tra­ti­on her­aus und das hat­te mit einer Hetz­jagd im wört­li­chen Sin­ne nichts zu tun.“ (zit. nach Wochenblick.at)

Den Pres­se­infor­ma­tio­nen der Chem­nit­zer Poli­zei ist nichts ande­res zu ent­neh­men. Auch Lukas Stein­wand­ler von der „Jun­ge Frei­heit“ hat sich inten­siv auf die Suche nach Bewei­sen für die „Hetzjagd“-These gemacht und kei­ne fin­den kön­nen.

Auf der Grund­la­ge ver­schie­de­ner Berich­te läßt sich durch­aus rekon­stru­ie­ren, was am Sonn­tag wirk­lich gesche­hen ist. Der MDR beruft sich – neben den bereits genann­ten „anti­fa­schis­ti­schen Akti­vis­ten“ – auf einen nicht wei­ter benann­ten Zeu­gen. Der will gese­hen haben, daß Aus­län­der vor den ins Stadt­zen­trum vor­drin­gen­den Hoo­li­gans die Flucht ergrif­fen hät­ten. Dabei sei eine Per­son zu Boden gegan­gen und dar­auf­hin „geschla­gen und getre­ten“ wor­den. In einem Video des You­tubers Oli­ver Flesch kommt per Tele­fon eine Chem­nit­ze­rin zu Wort (ab ca. 1:05:00). Sie hat beob­ach­tet, daß ein Aus­län­der, der am Demons­tra­ti­ons­zug vor­bei kam, die Anwe­sen­den offen ver­höhnt und beschimpft habe. Dar­auf habe er „auf’s Maul“ bekom­men. Der Poli­zei lie­gen für die­se Ereig­nis­se ledig­lich zwei Straf­an­zei­gen wegen Kör­per­ver­let­zung und eine wegen Nöti­gung (zu Las­ten von Aus­län­dern) vor. Eine Hetz­jagd auf „Migran­ten“ sähe nach mei­ner Wahr­neh­mung anders aus.

Auch die Publi­zis­tin und Blog­ge­rin Vera Lengs­feld führt einen Augen­zeu­gen an, der von einer „Hetz­jagd“ nichts gese­hen hat und des­sen Bericht sich in die vor­he­ri­gen wider­spruchs­los ein­reiht:

„Die Aus­län­der, die am Sonn­tag sich die Demo nach dem Tod und den schwe­ren Ver­let­zun­gen der drei Deut­schen aus nächs­ter Nähe ange­se­hen haben, waren ent­we­der sehr mutig oder sehr dumm. Wenn man dann noch die Teil­neh­mer filmt und ihnen den lan­gen Mit­tel­fin­ger zeigt, darf sich nicht wun­dern, wenn sie dann schnell abhau­en müs­sen. Aber für die Sta­tis­tik: Am Sonn­tag fand sich kein ein­zi­ger Aus­län­der nach den bösen Hetz­jag­den im Kran­ken­haus ein. Offen­sicht­lich war es eine vega­ne Jagd.“


- Anzei­ge -

Das Anti­fa-Video, das als Beweis her­hal­ten muß, wider­spricht die­sen Dar­stel­lun­gen nicht ein­mal. Auf­grund sei­ner Kür­ze von nur weni­gen Sekun­den zeigt es nur einen win­zi­gen Zeit­raum der Gescheh­nis­se vom letz­ten Sonn­tag. Es bleibt offen, was vor­her und was nach­her geschah. Ein aus jedem Hand­lungs­zu­sam­men­hang geris­se­ner Fet­zen Wirk­lich­keit und ange­sichts der im Raum ste­hen­den, mas­si­ven Vor­wür­fe doch über­ra­schend harm­los.

Die über jeden Nazi-Ver­dacht erha­be­ne frü­he­re Bun­des­tags- und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te in Sach­sen für Bünd­nis 90/​Die Grü­nen, Ant­je Her­men­au, läßt uns via Twit­ter wis­sen, daß das Video sogar noch poli­tisch zurecht geschnit­ten wur­de. Vor der dar­ge­stell­ten Sze­ne hät­ten der Ange­grif­fe­ne „Scheiß Deut­sche“ geru­fen.


Quel­le: Twit­ter


Um das alles her­aus­zu­fin­den, reich­te eine Recher­che im Inter­net aus. Beson­de­re Mühe muß­te ich mir dabei auch nicht geben. Doch selbst das war ver­mut­lich den gro­ßen, gut bezahl­ten Main­stream­me­di­en zuviel. Passt näm­lich ins Kli­schee.


Quel­le: Twit­ter


Spie­gel Online kre­ierte unter Beru­fung auf den frei­en Jour­na­lis­ten Johan­nes Gru­nert den Nar­ra­tiv von der „Hetz­jagd auf Migran­ten“  in Chem­nitz. Die­ser hat­te gese­hen, daß die Demons­tran­ten durch die Poli­zei­ket­te gebro­chen und auf „jeden los­ge­stürmt“ sei­en, „der nicht Deutsch aus­sah“. Unter­mau­ert wird das wie­der­um mit einem nicht wei­ter benann­ten Video im Inter­net. Ein Blick auf den Twit­ter-Account von Gru­nert deu­tet dar­auf hin, daß er poli­tisch sehr, sehr weit links im Pro-Mas­sen­ein­wan­de­rung-Lager steht.

Ich will jetzt nicht alle die Gazet­ten hier auf­füh­ren, die das weit­ge­hend unre­flek­tiert über­nom­men haben. Eine ein­fa­che Suche im Inter­net lie­fert reich­lich Ergeb­nis­se. In der Ver­öf­fent­lich­ten Mei­nung gilt seit­dem als gesetzt, daß es in Chem­nitz eben so war und nicht anders. Selbst die NZZ aus der Schweiz und ande­re aus­län­di­sche Medi­en sind dar­auf her­ein­ge­fal­len. Da konn­te es dann frei­lich auch nicht anders sein, als daß am Tag dar­auf Neo­na­zis die Stadt Chem­nitz über­nah­men (Köl­ner Stadt-Anzei­ger) und gleich 5.000 Rechts­ex­tre­me auf ein­mal durch die Stadt mar­schier­ten („Süd­deut­sche“).


Quel­le: Twit­ter


Da muß­te man nun auch nicht mehr lan­ge war­ten, bis die Bun­des­re­gie­rung über das ihr wohl­feil prä­sen­tier­te Stöck­chen und auf den bereits ange­roll­ten Pro­pa­gan­da­zug auf­springt. Wie die ARD berich­te­te, pran­ger­te Regie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert die angeb­li­chen „Hetz­jag­den“ an:

„Sol­che Zusam­men­rot­tun­gen, Hetz­jag­den auf Men­schen ande­ren Aus­se­hens, ande­rer Her­kunft, oder der Ver­such, Hass auf den Stra­ßen zu ver­brei­ten, das neh­men wir nicht hin.“

Spä­tes­tens seit­dem prü­geln die Mer­kel-Gefolg­schaft und ihre Hof­be­richt­erstat­ter auf die ach so bösen Sach­sen ein: Wie konn­ten sie es wagen, für ihre eige­nen Belan­ge zu Tau­sen­den auf die Stra­ße zu gehen und die „alter­na­tiv­lo­se“ Regie­rungs­po­li­tik in Fra­ge  zu stel­len? Fakt ist, daß es am Ran­de der Demons­tra­ti­on vom letz­ten Sonn­tag, an der zahl­rei­che Hoo­li­gans und auch Per­so­nen aus dem rechts­ex­tre­men Spek­trum teil­ge­nom­men haben, wahr­schein­lich ein­zel­ne Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Aus­län­dern gege­ben hat. Aber Hetz­jag­den?


Quel­le: Twit­ter


Ver­öf­fent­licht bei Ste­e­mit. Letz­te Aktua­li­sie­rung: 30. Aug 2018 @ 2:48

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