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Marilyn Manson zeigt Schwarz-Rot-Gold 
Nette Geste an die Fans ist genau genommen ein deutsches Politikum

14. Juni 2018

Letz­ten Diens­tag hat­te ich das beson­de­re Ver­gnü­gen ein Open-Air-Kon­zert von Mari­lyn Man­son erle­ben, übri­gens das ein­zi­ge Solo­kon­zert der sei­ner dies­jäh­ri­gen Tour in Deutsch­land. Auf­fäl­lig war vor allen, daß der Alp­traum aller Schwie­ger­müt­ter wie­der rich­tig zu bei Stim­me ist. Eine Kon­zert­kri­tik will ich nicht schrei­ben, stel­le nur fest, daß mich der Auf­tritt in Dres­den gefal­len hat, trotz der etwas knapp bemes­se­nen Kon­zert­dau­er und der gegen Ende ver­peil­ten Dra­ma­tur­gie.

Auf­ge­fal­len ist mir noch etwas ande­res: Minu­ten­lang lief Bri­an Hugh War­ner – so heißt „MM“ mit bür­ger­li­chem Namen – aus Los Ange­les mit einer schwarz-rot-gol­de­nen Deutsch­land­flag­ge über die Büh­ne, leg­te sie zwi­schen­durch gera­de­zu lie­be­voll ab, um sie dann noch­mal auf­zu­neh­men. Bei mir kam das als net­te Ges­te an die deut­schen Fans an, so, wie es wohl auch gemeint war. Beschwert hat sich nie­mand. Auch nicht – soweit ich weiß – die Kon­zert­kri­ti­ker.

Als ame­ri­ka­ni­scher Künst­ler kann man wohl pro­blem­los in Deutsch­land mit Natio­nal­sym­bo­len wie der Schwarz-rot-gol­de­nen Flag­ge umge­hen, ohne wenigs­tens ein Nase­rümp­fen zu ern­ten. Ich glau­be, daß man in den USA nicht mal auf solch abwe­gi­ge Gedan­ken käme. Statt des­sen erin­nert „The White Hou­se“ über Twit­ter an den heu­ti­gen „Flag Day“ (14. Juni):


Twitter "Flag Day"

Quel­le: Twit­ter


In Deutsch­land undenk­bar. Statt des­sen kön­nen nicht ver­ges­sen, daß bei der Sie­ges­fei­er der CDU nach der Bun­des­tags­wahl 2013 Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel auf der Büh­ne ihrem dama­li­ge CDU-Gene­ral­se­kre­tär Her­mann Grö­he sicht­lich ver­är­gert eine klei­ne Deutsch­land­fah­ne aus der Hand nahm und kopf­schüt­telnd von der Büh­ne warf. Nun kann ich mich ehr­lich gesagt weder Die Toten Hosen, Her­bert Grö­ne­mey­er, Die Ärz­te, Fet­tes Brot, Jen­ni­fer Ros­tock oder gar Hele­ne Fischer (die ich alle­samt ein­fach nur schreck­lich fin­de) mit einer Deutsch­land­flag­ge auf der Büh­ne vor­stel­len. 

Die Deut­schen sind also auch im Jah­re 2018 alles ande­re als ent­spannt, wenn es um ihre Natio­nal­far­ben geht. Man stel­le sich doch mal vor, irgend­wel­che Polit-Akti­vis­ten wür­den in den USA dazu auf­ru­fen, „Stars and Stri­pes“ her­un­ter­zu­rei­ßen. Genau dazu ruft aber ein links­ge­rich­te­ter Blog in Deutsch­land auch wäh­rend der dies­jäh­ri­gen Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft auf: Die Deutsch­land­fah­nen und -fähn­chen müs­sen weg! Eine dazu pas­sen­de Bro­schü­re mit dem Titel „Deutsch­land kni­cken“ kann der wil­li­ge „Akti­vist“ auch bei der „links­ju­gend [‚solid]“ bestel­len. Ist übri­gens Dieb­stahl und ggf. auch Sach­be­schä­di­gung.

Der­wei­len hat auf der ande­ren Sei­te des Glo­bus ein Fuß­ball­fan aus Ban­gla­desh sogar eine 5,5 Kilo­me­ter lan­ge Deutsch­land­fah­ne genäht. Im Aus­land sieht man Deutsch­land also deut­lich ent­spann­ter als in der eige­nen Selbst­wahr­neh­mung vie­ler Deut­scher. Ent­spannt euch und laßt unser Land end­lich wie­der nor­mal wer­den. Ich höre mir lie­ber erst ein­mal Mari­lyn Man­sons per­sön­li­chen Lieb­lings­song „Speed Of Pain“ (Link zur You­tube-Suche) an.


Ver­öf­fent­licht bei Ste­e­mit. Letz­te Aktua­li­sie­rung: 21. Jun 2018 @ 15:59