Kunst | Zeitgeschehen

Gegenkultur: Kunst als Protest erreicht die Mitte der Gesellschaft 
Bürger protestieren mit Kunstaktion gegen Überfremdung

17. April 2018

„Kunst ist frei“ – Unter die­sem Mot­to haben Dresd­ner Bür­ger des Ver­eins „Pro Mit­spra­che e. V.“ in Eigen­in­itia­ti­ve und ohne jede staat­li­che För­de­rung oder Unter­stüt­zung mit einer ganz beson­de­ren Kunst­ak­ti­on für viel Auf­merk­sam­keit gesorgt. In Anleh­nung an die grie­chi­sche Legen­de vom „Tro­ja­ni­schen Pferd“ schu­fen sie ein fünf Meter hohes Plas­tik­pferd. Es stand nicht vor den Mau­ern des anti­ken Tro­jas, son­dern schein­bar banal von letz­tem Frei­tag bis Mon­tag vor dem Dresd­ner Kul­tur­pa­last. Als „Sinn­bild für Leicht­gläu­big­keit und die Ver­weh­rung von demo­kra­ti­scher Mit­be­stim­mung“.

Das Trojanische Pferd
Das „Tro­ja­ni­sche Pferd“ vor dem Kul­tur­pa­last in Dres­den. Ein Stück bür­ger­li­che Pro­test­kul­tur aus der Mit­te der Gesell­schaft.

Der Kon­trast hät­te kaum grö­ßer sein kön­nen: Vor der Kulis­se des frisch mit Mil­lio­nen an öffent­li­chen Mit­teln zum Kon­zert­saal umge­bau­ten Relikts real­so­zia­lis­ti­scher Archi­tek­tur waren Men­schen aus der Mit­te der Gesell­schaft gezwun­gen, ihr Kunst­ob­jekt selbst zu bewa­chen – Tag und Nacht. Sie taten das mit gro­ßer Hin­ga­be, weil sie es für ihre Sache taten. Sie haben das Tro­ja­ni­sche Pferd nach Dres­den geholt, um mit die­ser Meta­pher auf das Ver­sa­gen der Poli­tik in der Asyl- und Flücht­lings­fra­ge auf­merk­sam zu machen.

Die Nai­vi­tät der Tro­ja­ner mag kaum gerin­ger aus­ge­fal­len sein, als die Nai­vi­tät des poli­ti­schen Main­streams unse­rer Zeit. Nur haben wir es heu­te noch in unse­rer Macht, die Ent­wick­lung zum Guten wen­den zu kön­nen. Die Tro­ja­ner gin­gen nach der Legen­de zu Grun­de. Die Gräu­el­ta­ten der Erobe­rer und Zer­stö­rer Tro­jas müs­sen so schlimm gewe­sen sein, daß sie sogar bei die­sen Gewis­sens­bis­se her­vor­rie­fen.

Die „Bus­se von Alep­po“, ein umstrit­te­nes Kunst­pro­jekt, das Anfang 2017 auf dem Dresd­ner Neu­markt zu sehen war, wur­de im Gegen­satz zum „Tro­ja­ni­schen Pferd“ eben­falls reich­lich mit Steu­er­gel­dern bedacht. Die­se Art poli­ti­scher Par­tei­nah­me haben die Initia­to­ren des „Pfer­des“ ver­ständ­li­cher­wei­se eben­falls kri­ti­siert. „Kunst ist frei“ – aber man­che ist eben ganz beson­ders frei, weil sie – ohne daß wir dar­auf auch nur den gerings­ten Ein­fluß haben – mit unse­ren Steu­er­mit­teln sub­ven­tio­niert wird. Sofern sie sich inner­halb des Mei­nungs­kor­ri­dors bewegt.

Des­halb konn­te das „Tro­ja­ni­sche Pferd“ auch nur für fünf Tage aus­ge­stellt wer­den. Mehr konn­ten die Bürt­ger trotz eige­ner Urlaubs­ta­ge und Spen­den nicht leis­ten. Aber der Erfolg spricht den­noch für sich: Unzäh­li­ge Ein­woh­ner und Besu­cher der Stadt haben das „Tro­ja­ni­sche  Pferd“ gese­hen, Denk­an­stö­ße mit­ge­nom­men oder führ­ten Gesprä­che mit den Initia­to­ren. Hin­zu kommt das gro­ße Medi­en­echo, das die Akti­on bun­des­weit bekannt mach­te.

Die Initia­to­ren der Akti­on.

Das Pferd und sei­ne Schöp­fer wer­den wei­ter machen. Das Kunst­ob­jekt soll noch an ande­ren Orten zu sehen sein und es sol­len neue Pro­jek­te fol­gen. Wir sind alle zum Mit­ma­chen ein­ge­la­den.

Mehr zum Thema:

Ähn­li­che Bei­trä­ge: