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Warum gibt es vier Adventssonntage? 
Der Straßburger Adventssteit

10. Dezember 2017

Vier Ker­zen am Advents­kranz – für jeden Advents­sonn­tag eine – ist für uns eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Aller­dings war das in der Ver­gan­gen­heit und ist es bis heu­te nicht über­all so. Die Län­ge der Advents­zeit rich­tet sich nach dem jeweils gebräuch­li­chen lit­ur­gi­schen Ritus (der katho­li­schen Kir­che).

Bereits in der Ent­ste­hungs­zeit des Advents im 5. Jahr­hun­dert gab es min­des­tens einen Sonn­tag mit Buße und Fas­ten zur Vor­be­rei­tung auf das Weih­nachts­fest.

Ande­re lit­ur­gi­sche Riten (der alt­gal­li­sche, moza­ra­bi­sche und ambro­sia­ni­sche) ken­nen eine län­ge­re Advents­zeit. Sie beginnt bereits nach St.Martin. Das ist der letz­te Tag, an dem nicht gefas­tet wer­den muss. Des­halb wird auch noch schnell eine Mar­tins­gans ver­speist. 😉

Der  römi­sche Ritus war ursprüng­lich jener, der in der Stadt Rom gebräuch­lich war. Noch bis ins vier­te Jahr­hun­dert war sei­ne Lit­ur­gie­spra­che grie­chisch, bevor sie durch Latein ersetzt wur­de. Auf Papst Gre­gor den Gro­ßen (540−604) geht die Fest­le­gung von vier Advents­sonn­ta­gen zurück.


- Anzei­ge -

Im Gegen­satz dazu sahen die ande­ren Riten der west­li­chen Kir­che eine deut­lich län­ge­re Advents­zeit mit sechs Advents­sonn­ta­gen vor. Der ers­te Advent war bereits der ers­te Sonn­tag nach St. Mar­tin (11. Novem­ber).

Durch die Auto­ri­tät des Paps­tes setz­te sich der römi­sche Ritus ab dem 8. Jahr­hun­dert all­mäh­lich durch: Pip­pin der Jün­ge­re und des­sen Sohn Karl der Gro­ße ord­ne­ten zu die­ser Zeit die Ein­füh­rung der römi­schen Ritus in ihrem Reich an. Er trat dort an die Stel­le des alt­gal­li­schen Ritus, wur­de aber stark von ihm beein­flusst.

Papst Gre­gor VII. bemüh­te sich gegen Ende des 11. Jahr­hun­derts um eine wei­te­re Ver­ein­heit­li­chung der Lit­ur­gie der latei­ni­schen (west­li­chen) Kir­che. Das führ­te in der Fol­ge zum fast voll­stän­di­gen Ver­schwin­den des Moza­ra­bi­schen Ritus. Die­ser war auf der Ibe­ri­schen Halb­in­sel bereits zu einer Zeit ent­stan­den, als Nord­afri­ka noch christ­lich war. Heu­te wird er nur noch an eini­gen weni­gen Orten in Spa­ni­en (so in der  Kathe­dra­le von Tole­do) prak­ti­ziert. Die­ser Ritus, der bereits für das 4. und 5. Jahr­hun­dert belegt ist, war im wesent­li­chen der Ritus der his­pa­ni­schen Chris­ten bis zum Erfolg der Recon­quis­ta.

Nach Ambro­si­us von Mai­land (329−397) ist der ambro­sia­ni­sche Ritus benannt. Er ist bereits vor Ambro­si­us ent­stan­den und besitzt deut­lich öst­li­che Ein­flüs­se. Heu­te noch ist er im Erz­bis­tum Mai­land und in eini­gen Gemein­den in der Schweiz gebräuch­lich.

Obwohl man sich über die Begren­zung auf vier Advents­sonn­ta­ge nun weit­ge­hend einig war, gab es lan­ge Zeit noch kei­ne Rege­lung, wann die­se zu fei­ern sind: Immer dann, wenn der Weih­nachts­tag (25.12.) auf einen Mon­tag fällt war unklar, ob der Hei­lig­abend zugleich der Vier­te Advent ist. Papst Gre­gor der Gro­ße hat­te die­sen Fall nicht gere­gelt.

Klar­heit wur­de erst nach 400 Jah­ren durch einen deut­schen Kai­ser geschaf­fen: Am 26. Novem­ber 1038 mach­te Kai­ser Kon­rad II. (990 bis 1039) auf sei­nem Weg von Bur­gund nach Gos­lar Halt in Straß­burg bei sei­nem Onkel Wil­helm, dem Bischof. Die­ser woll­te mit sei­nem Nef­fen den 1. Advent fei­ern. Aller­dings war der Kai­ser damit nicht ein­ver­stan­den.

Kai­ser Kon­rad II. fei­er­te den 1. Advent 1038 am 3. Dezem­ber im Klos­ter Lim­burg an der Haar­dt bei Bad Dürk­heim. Auf sein Betrei­ben hin ent­schied die dort ver­sam­mel­te Syn­ode, daß, der ers­te Advent immer zwi­schen dem 27. Novem­ber und dem 3. Dezem­ber zu fei­ern sei. Also konn­te auch der Hei­li­ge Abend zugleich der vier­te Advents­sonn­tag sein. Auch in die­sem Jahr wird Kon­rads Rege­lung wie­der zur Anwen­dung kom­men.

Das Kon­zil von Tri­ent bestä­tig­te Kon­rads Rege­lung, ließ aber auch abwei­chen­de regio­na­le Tra­di­tio­nen zu, die sich mitt­ler­wei­le erneut her­aus­ge­bil­det hat­ten. Erst 1570 wur­den die Rege­lun­gen durch Papst Pius V. end­gül­tig kodi­fi­ziert.


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Letz­te Aktua­li­sie­rung: 27. Aug 2018 @ 0:01

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