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Entscheidet der Migrationspakt die Wahl zum CDU-Parteivorsitzenden im Dezember? 
Jens Spahn hat sein Wahlkampfthema entdeckt

18. November 2018

Mer­kel ist fast weg, jeden­falls als Par­tei­vor­sit­zen­de. Am 7. und 8. Dezem­ber 2018 will die CDU auf einem Par­tei­tag in Ham­burg einen neu­en Vor­sit­zen­den wäh­len. Nach­dem Ange­la Mer­kel bereits Ende Okto­ber nach dem Deba­kel bei den Land­tags­wah­len in Bay­ern und Hes­sen erklär­te, nicht noch ein­mal für den Par­tei­vor­sitz zu kan­di­dier­ten, drän­gen sich der­zeit (Stand 14.11.) 12 Bewer­ber an die Par­tei­spit­ze. Als aus­sichts­reich gel­ten davon nur

  • CDU-Gene­ral­se­kre­tä­rin Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er, Mer­kel-Abklatsch aus dem Saar­land und Garan­tin für wei­te­re Jah­re der „Alter­na­tiv­lo­sig­keit“,
  • Ex-CDU-Funk­tio­när mit gera­de vor­über­ge­hen­der(?) Selbst­fin­dungs­epi­so­de als Lob­by­ist des Groß­ka­pi­tals und Ein­kom­mens­mil­lio­när Fried­rich Merz, ein nicht min­der gefähr­li­cher Glo­ba­list mit dem Label (alt-)„konservativ“ und
  • Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn, selbst­in­sze­nier­ter Par­tei-Kon­ser­va­ti­ver und mut­maß­lich der heim­lichs­te wie eif­rigs­te Bewun­de­rer des öster­rei­chi­schen Bun­des­kanz­lers Sebas­ti­an Kurz in der gesam­te Uni­on.

Irgend­wie schien es auf ein Ren­nen zwi­schen der Frau mit dem schreck­lich sper­ri­gen Namen und dem Erfin­der der Bier­de­ckel-Steu­er­erklä­rung hin­aus­zu­lau­fen, bei deut­li­chen Gelän­de­ge­win­nen für ers­te­re. Doch hat­ten die bei­den wohl die Rech­nung ohne Jens Spahn gemacht. Nach­dem er bereits das The­ma Zuwan­de­rung von der AfD sti­bitz­te (=„AfD wirkt“), springt er nun sogar der stär­ker wer­den­den Bewe­gung der Migra­ti­ons­pakt-Geg­ner bei. Er will über die Unter­zeich­nung des Pak­tes auf dem CDU-Par­tei­tag abstim­men las­sen und stellt dafür in Aus­sicht, den Todes­pakt erst spä­ter nach aus­führ­li­cher Dis­kus­si­on zu unter­zeich­nen.


- Anzei­ge -

Man muß wis­sen: Die­ser Par­tei­tag ist ein Dele­gier­ten­par­tei­tag. Bei den 1001 Dele­gier­ten han­delt es sich in der Regel um die „übli­chen Ver­däch­ti­gen“, also Man­dats­trä­ger aus Bun­des­tag und Land­ta­gen, Kreis­vor­stän­de und sonst lini­en­treue Mit­glie­der. Für die­se Per­so­nen muß die Not, etwas zu ver­än­dern, beson­ders groß sein. Sonst wer­den sie nichts wagen und nicht ein­mal öffent­lich den Kopf aus der Deckung neh­men. Für den Ein­zel­nen steht u.U. der Fort­gang der eige­nen poli­ti­schen Kar­rie­re auf dem Spiel. Man wird des­halb – bei aller Unzu­frie­den­heit mit der Par­tei­spit­ze – abwar­ten. Und zwar exakt solan­ge, bis sich der poli­ti­sche Wind so nach­hal­tig gedreht hat, daß man letzt­lich nur noch eine Anpas­sung nur an die neue Par­tei­li­nie vor­nimmt.

Es kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, daß sich Mer­kel bei einer Wahl von Merz oder Spahn nicht mehr all­zu lan­ge als Kanz­le­rin hal­ten kann. Wür­de sie dann die Ver­trau­ens­fra­ge stel­len oder sogar vor­zei­ti­ge Neu­wah­len zulas­sen? Das hängt wohl davon ab, wie schnell die AfD den neu­en Par­tei­chef der CDU ent­zau­bern kann und ob die rea­lis­ti­sche Chan­ce auf eine schwarz-grü­ne Mehr­heit gege­ben wäre.

Es gibt bereits eini­ge deut­li­che Signa­le, daß Spahns neu­er Kurs durch­aus auf Reso­nanz in der CDU stößt. Es stell­te sich nicht nur der JU-Bun­des­vor­sit­zen­de Paul Zie­mi­ak wie­der­holt hin­ter Spahn, auch der Migra­ti­ons­pakt scheint sich zum rich­ti­gen The­ma zum rich­ti­gen Zeit­punkt zu ent­wi­ckeln: Nach­dem schon der CDU-Kreis­ver­band Leip­zig gegen eine Unter­zeich­nung des Pak­tes votier­te, folg­te ihm nun mit Sach­sen-Anhalt ein ers­ter Lan­des­ver­band samt Minis­ter­prä­si­dent Rei­ner Haseloff.

Wäh­rend Fried­rich Merz jüngst den Grü­nen Honig ums Maul schmier­te („sehr bür­ger­lich, sehr offen, sehr libe­ral“) und gleich­zei­tig die AfD als „offen natio­nal­so­zia­lis­tisch“ beschimpf­te (Hin­ter­grund ist wohl vor allem Angst vor der wach­sen­den Bedeu­tung sozi­al­po­li­ti­scher The­men in der AfD), will Spahn zwar mit AfD-Wäh­lern dis­ku­tie­ren, schließt Koali­tio­nen aber eben­falls aus.

Soll­te Spahn also gewin­nen und CDU-Vor­sit­zen­der wer­den, wird nichts bes­ser, son­dern nur vie­les anders und wahr­schein­lich kom­pli­zier­ter: Ers­tens ist über­haupt nicht abseh­bar, ob und wel­che Taten sei­nen gro­ßen Wor­ten fol­gen wer­den und zwei­tens hat er sich erst jüngst als Ver­äch­ter der natio­na­len Sou­ve­rä­ni­tät Deutsch­lands ent­larvt: Zuguns­tens eines EU-Grenz­schut­zes soll die­se näm­lich ein wei­te­res Stück auf­ge­ge­ben wer­den. Und damit also auch das letz­te Stück­chen Kon­trol­le über die eige­nen Gren­zen?

AfD-Wäh­ler soll­ten des­halb bes­ser beim Ori­gi­nal blei­ben, denn dort haben sie die Garan­tie, daß – sobald es die poli­ti­schen Mehr­hei­ten zulas­sen – den Wor­ten auch kon­se­quen­te Taten fol­gen wer­den. Pro­ble­me las­sen sich nicht weg­la­bern. Fest steht: Ob Merz oder Spahn, Schwarz-Blau ist mit bei­den auch aus Sicht der AfD nicht zu machen. Und mit AKK an der Spit­ze dürf­te Mer­kel als Kanz­le­rin sowie­so bis zur regu­lä­ren Bun­des­tags­wahl 2021 wei­ter­ma­chen.


Ver­öf­fent­licht bei Ste­e­mit. Letz­te Aktua­li­sie­rung: 18. Nov 2018 @ 17:52

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