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Zwanzig Jahre neue deutsche Rechtschreibung 
Gut gemeintes Chaos?

1. August 2018

Heu­te vor genau 20 Jah­ren, am 1. August 2018, war der offi­zi­el­le Beginn der Recht­schreib­re­form. Ob nun ß und ss, Groß- und Klein­schrei­bung, Getrennt- und Aus­ein­an­der­schrei­bung oder die Schrei­bung von Fremd­wör­tern oder – angeb­lich – sys­tem­wid­rig geschrie­be­nen Wör­tern. Wir wur­de damit alle trak­tiert und genervt, waren dann und wann viel­leicht sogar der Ver­zweif­lung nahe. Gebracht hat das alles nichts, denn die Recht­schreib­re­form hat vor allem eins erreicht: Das tota­le Recht­schreib­cha­os. Und ganz neben­bei ver­ge­wal­tigt sie seit­dem das Sprach­ge­fühl all der­je­ni­gen, für die die deut­sche Spra­che eine intui­ti­ve Ange­le­gen­heit ist. Fei­ne sprach­li­che Nuan­cen wur­den ent­we­der besei­tigt, wenigs­tens aber ent­stellt.

Per­sön­lich habe ich an der alten Recht­schrei­bung fest­ge­hal­ten. Ich wur­de dann aber irgend­wann aus beruf­li­chen Grün­den gezwun­gen, mich auf die Reform ein­zu­las­sen. Für eini­ge Zeit bin ich daher kom­plett gewech­selt. Inzwi­schen schrei­be ich aber „bilin­gu­al“ in der Regel in alter und – wenn es gar nicht anders geht – auch in neu­er Recht­schrei­bung. Im Lek­to­rat befas­se ich mich der­zeit aus­schließ­lich mit der neu­en – lei­der. Ins­ge­heim inter­pre­tie­re ich dabei aber die Regeln in der Regel so, daß die sprach­li­chen Fein­hei­ten erhal­ten blei­ben. Den Blog habe ich seit eini­ger Zeit wie­der gänz­lich zur alten Rechts­schrei­bung zurück­ge­führt. Ich wer­de nie­mals über Schiff­fahrt oder Bett­tü­cher schrei­ben, wenn über­haupt, dann über Schif­fahrt und Bet­tü­cher.

Bemer­kens­wert ist, daß die FAZ schon 1. August 2000 zur alten Recht­schrei­bung zurück­ge­kehrt ist. Zum 1. Janu­ar 2007 wur­de dann aber erneut die Kehrt­wen­de voll­zo­gen. Heu­te titelt Hei­ke Schmoll in der FAZ zurück­bli­ckend: „20 Jah­re Recht­schreibanar­chieEin Unglück der Sprach­ge­schich­te“. Die Reform sei von Anfang an zum Schei­tern ver­ur­teilt gewe­sen und habe zum mehr Feh­lern geführt, als besei­tigt wor­den sind. 


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