Frauen in Afghanistan
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[Reisen:] Geschlechterapartheid darf nicht hofiert werden 
Warum ich gegenwärtig nie in den Iran reisen würde

23. Juni 2018

„Es wäre schlimm und ver­ach­tens­wert, wenn die „Mit­te“ ein Sym­bol für den puren Sexis­mus, poli­ti­schen Islam und Geschlech­ter­apart­heid tole­rie­ren wür­de.“ (Zana Rama­da­ni, Inter­view mit „Der Stan­dard“)

Am Frei­tag bekam ich zufäl­lig eini­ge Fet­zen eines Gesprächs mit, in dem jemand dem ande­ren von einem herr­li­chen Urlaub im Iran vor­schwärm­te und der über­wäl­ti­gen­den Gast­freund­schaft in die­sem Land. Da die Spre­chen­de eine Frau war,dachte ich für einen kur­zen Moment dar­über nach, mich rotz­frech ein­zu­mi­schen und sie zu fra­gen, was für eine Art Kopf­tuch und Klei­dung man als Urlau­be­rin im Iran denn tra­gen müs­se und wie es denn so mit der Aus­übung der eige­nen, christ­li­chen Reli­gi­on (katho­li­sche „Sonn­tags­pflicht“) bestellt sei. Aspek­te, über die mich schon vor einer Rei­se in den Iran auf jeden Fall infor­miert hät­te.


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Daß Kopf­tü­cher für frei­heits­lie­ben­de und selbst­be­stimmt leben­den Frau­en kei­nen Spaß machen und ein­fach nur läs­tig sind, beschreibt Anni­ka in ihrem Rei­se-Blog „Sunsets&Summits“, denn sie war im Iran:

„Mir ging das Kopf­tuch ehr­lich gesagt schon ab Tag 2 ziem­lich auf die Ner­ven. Zum einen war es läs­tig weil man stän­dig dar­an her­um zupft weil man Angst hat es könn­te run­ter rut­schen, zum ande­ren war es für mich ein­fach das Gefühl, dass ich in mei­ner Frei­heit ein­ge­schränkt wer­de, nur weil ich eine Frau bin. Aber außer­halb des Hotel­zim­mers und in den Woh­nun­gen der Ira­ner hat man ein­fach kei­ne Wahl.“

Der Kopf­tuch­zwang, der angeb­lich bei Aus­län­de­rin­nen nicht ganz so streng aus­ge­legt wird, ist längst nicht die ein­zi­ge öffent­lich sicht­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en im Iran. In öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln gibt extra Abtei­le oder Wagen nur für Frau­en und zumin­dest für Allein­rei­sen­de ist die Geschlech­ter­tren­nung in öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln ver­bind­lich.

Aus zwei Grün­den wür­de ich also nie­mals in ein Land wie den Iran rei­sen: Ers­tens, weil ich mich als Frau nicht auch noch frei­wil­lig dis­kri­mi­nie­ren las­se und zwei­tens, weil ich durch mein Geld das dis­kri­mi­nie­ren­de Regime nicht auch noch unter­stüt­zen will. Ich hof­fe natür­lich, daß sich die ira­ni­sche Frau­en­rechts­be­we­gung „My Ste­alt­hy Free­dom آزادی یواشکی زنان در ایران“ (Face­book-Sei­te) durch­set­zen wird. Die haben näm­lich auch etwas gegen Kopf­tü­cher, ver­su­chen sie bei jeder Gele­gen­heit los zu wer­den und gehen dafür auch ins Gefäng­nis – ganz im Gegen­satz zur Mehr­heit der sog. Femi­nis­tin­nen in Deutsch­land. Die fin­den das näm­lich toll, weil es angeb­lich alle frei­wil­lig und mit Begeis­te­rung tra­gen!

Auch in vie­len isla­mi­schen Län­dern, in denen heu­te das Kopf­tuch regiert, sah es vor weni­gen Jahr­zehn­ten noch ganz anders aus:

Das änder­te sich erst mit dem Putsch der Mul­lahs im Jah­re 1979. Ver­glei­chen wir doch mal die­se Fotos mit denen von heu­te. Will da noch jemand behaup­ten, es gebe kei­ne Isla­mi­sie­rung? Ähn­li­che Fotos von jun­gen Frau­en in Mini­rö­cken und ohne Kopf­tü­cher kann man auch aus der jüngs­ten Geschich­te Afgha­ni­stans, Ägyp­tens, Indo­ne­si­ens, z.T. der Tür­kei und ande­ren Län­dern fin­den. Wenn wir nicht auf­pas­sen, könn­ten auch unse­re Kin­der eines Tages weh­mü­tig his­to­ri­sche Fotos aus Deutsch­land betrach­ten… Die Isla­mi­sie­rung hat längst begon­nen. Schlei­chend, aber man kann sie deut­lich erken­nen.

Titel­fo­to: 45156207.jpg (Aus­schnitt) by MOD/​MOD, OGL, Link


Ver­öf­fent­licht bei Ste­e­mit. Letz­te Aktua­li­sie­rung: 23. Jun 2018 @ 21:04

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