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200 Jahre Murks mit Marx 
Was der Begründer der Kommunismus wirklich schrieb

5. Mai 2018

„How do you tell a Com­mu­nist? Well, it’s someo­ne who reads Marx and Lenin. And how do you tell an anti-Com­mu­nist? It’s someo­ne who under­stands Marx and Lenin.“ (Ronald Rea­gan, zit. n. Christ­scha)

Wenn ich mir etwas von den frü­hes­tens Erin­ne­run­gen dar­an behal­ten habe, was wir damals in der Schu­le über Karl Marx gelernt haben, so war das der Name sei­ner Frau wie auch sei­ner (ältes­ten) Toch­ter (Jen­ny) und die bedau­er­li­chen, ärm­li­chen Lebens­um­stän­de in denen die Fami­lie in Lon­don mehr dahin vege­tie­ren als leben muß­te sowie die Hil­fe des gar zu groß­her­zi­gen Freun­des Fried­rich Engels. Aus heu­ti­ger Per­spek­ti­ve sind das die letz­ten Über­res­te real­so­zia­lis­ti­sche Geschichts­klit­te­rung, die uns einst in der DDR von Kin­des­bei­nen an zu „sozia­lis­ti­schen Per­sön­lich­kei­ten“ for­men soll­te. Kind­ge­recht ver­packt u.a. im Roman „Mohr und die Raben von Lon­don“ von Vil­mos und Ilse Korn. Schul­li­te­ra­tur der Sechs­ten Klas­se, 1969 unter der Regie von Hel­mut Dzi­u­ba von der DEFA ver­filmt.

Gut 25 Jah­re nach der „Wen­de“ ist fest­zu­stel­len, daß die­se Kon­di­tio­nie­rung bei den meis­ten mei­ner Gene­ra­ti­on mehr und bei weni­gen lei­der weni­ger ver­sagt hat. Aber die­ser bär­ti­ge Mann aus Trier hat trotz­dem Gene­ra­tio­nen nach ihm geprägt, die letzt­lich in sei­nem Namen auch viel Schre­cken und Leid erfah­ren muß­ten. Wla­di­mir Iljitsch Lenin, Josef Sta­lin, Mao Tse-tung, Fidel Cas­tro, Pol Pot, Wal­ter Ulb­richt, Erich Hon­ecker und die auch die RAF mor­de­ten in sei­nem Namen, unter­drü­cken, fol­ter­ten und sperr­ten ein, ver­wehr­ten Unzäh­li­gen die Chan­ce auf ein frei­es, selbst­be­stimm­tes Leben. Die „sozia­lis­ti­sche“ Schre­ckens­herr­schaft kos­tet mehr als 100 Mil­lio­nen Men­schen das Leben. In Wor­ten: Ein­hun­dert Mil­lio­nen. In Zah­len: 100.000.000.

Damit ist – abge­se­hen viel­leicht von Nord­ko­rea – vor­läu­fig zwar erst mal Schluß, aber Karl Marx ist 200 Jah­re nach sei­ner Geburt und 135 Jah­re nach sei­nem Tod nach wie vor immer noch mit­ten unter uns. Er glänz neu­er­dings sogar wie­der unter einem befremd­li­chen Hei­li­gen­schein: „Über­all wird das Lob­lied auf Karl Marx gesun­gen, Kri­tik bleibt aber aus“. Den Vor­sit­zen­der der Uni­on der Opfer­ver­bän­de Kom­mu­nis­ti­scher Gewalt­herr­schaft Die­ter Dom­brow­ski fin­det es beschä­mend, daß mit Zustim­mung des Trie­rer Stadt­ra­tes in Marx‘ Geburts­stadt eine Monu­men­tal­sta­tue errich­tet wur­de – ein Geschenk Chi­nas.



Welch hef­ti­ger Schlag ins Gesicht der Opfer muß es gewe­sen sein, als erst ges­tern EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Jean-Clau­de Juncker Karl Marx von der Ver­ant­wor­tung für die Ver­bre­chen des Kom­mu­nis­mus frei­ge­spro­chen hat? Doch damit hat er Unrecht.

Nicht sei­ne Mus­ter­schü­ler haben Marx‘ Leh­re zur Basis einer ver­bre­che­ri­schen Ideo­lo­gie gemacht, schon in den Schrif­ten des Phi­lo­so­phen selbst trieft es nur so von Tota­li­ta­ris­mus, Ras­sis­mus und Unter­drü­ckungs­phan­ta­si­en: Kom­mu­nis­mus ist nur tota­li­tär und auto­ri­tär denk­bar. Er kennt kei­ne frei­en, selbst­be­stimm­ten und eigen­ver­ant­wort­li­chen Indi­vi­du­en. Auch „glei­cher Arbeits­zwang für alle“ ist letzt­lich nichts ande­res als Zwangs­ar­beit.

Nach Marx war es die „his­to­ri­sche Mis­si­on der Arbei­ter­klas­se“, daß der „Klas­sen­kampf“ zwi­schen „Lum­pen­pro­le­ta­ri­at“ und „Bour­geoi­sie“  in der „Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats“ über eine „klas­sen­lo­sen Gesell­schaft“ mün­den soll­te. 1852 schrieb Marx in einem Brief an Joseph Wey­de­mey­er:

„Was ich neu tat, war 1. nach­zu­wei­sen, dass die Exis­tenz der Klas­sen bloß an bestimm­te his­to­ri­sche Ent­wick­lungs­pha­sen der Pro­duk­ti­on gebun­den ist; 2. dass der Klas­sen­kampf not­wen­dig zur Dik­ta­tur des Pro­le­ta­ri­ats führt; 3. dass die­se Dik­ta­tur selbst nur den Über­gang zur Auf­he­bung aller Klas­sen und zur klas­sen­lo­sen Gesell­schaft bil­det.“ (MEW 28, S. 507f.)

So hat man es auch mir in der Schu­le ein­zu­trich­tern ver­sucht. Nur daß das ohne Rück­sicht auf Ver­lus­te erfol­gen soll­te, hat man damals weg­ge­las­sen. Wie soll­ten sich jun­gen Men­schen auch mit den Geknech­te­ten die­ser Welt soli­da­ri­sie­ren, wenn es am Ende doch nur um eine neu­er­li­che Knecht­schaft – frei­lich unter ent­ge­gen­ge­setz­ten Vor­zei­chen – ging?


- Anzei­ge -

Nun ver­hält es sich aber mit den „Klas­sen“ in his­to­ri­scher Betrach­tung nicht so, wie Marx und das weis­ma­chen will. Er ist uns sogar eine eige­ne Defi­ni­ti­on des Begriffs „Klas­se“ oder gar eine sys­te­ma­ti­schen Behand­lung schul­dig geblie­ben, obwohl sich gro­ße Tei­le sei­nes Wer­kes mit ihnen befas­sen und der „Klas­sen­kampf“ mit allem was dar­aus folgt, Kern der Marx’schen Leh­re ist. Im „Mani­fest der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei“ von 1848 heißt es zwar:

„Die Geschich­te aller bis­he­ri­gen Gesell­schaft ist die Geschich­te von Klas­sen­kämp­fen.“ (MEW 4, S. 462)

Doch in Wahr­heit läßt sich die mensch­li­che Geschich­te mit ihren viel­schich­ti­gen eth­ni­schen, reli­giö­sen und natio­nal­staat­li­chen Span­nungs­ver­hält­nis­sen nicht auf den „Klas­sen­kampf“ redu­zie­ren. Der Ver­such, allein in die Aneig­ner und die Erzeu­gern des Mehr­werts zu unter­schei­den, bil­det die Lebens­wirk­lich­keit nicht ab.  Bei­de Rol­len sind nicht streng von­ein­an­der zu tren­nen. Sobald ein Lohn­ar­bei­ter einen Unter­mie­ter bei sich auf­nimmt oder ein Neben­ge­wer­be (=Pri­vat­ei­gen­tum an Pro­duk­ti­ons­mit­teln) betreibt, ver­eint er bei­de Rol­len in sei­ner Per­son. Außer­dem zeigt z.B. die Geschich­te der alten BRD bis in die 70er Jah­re des 20. Jahr­hun­derts, daß durch die sozia­le Markt­wirt­schaft sowohl die nega­ti­ven Aus­wüch­se des Kapi­ta­lis­mus zurück­ge­drängt wer­den, als auch sehr gro­ße Tei­le des Vol­kes zu erheb­li­chem Wohl­stand gelan­gen kön­nen. Damals pro­fi­tier­ten vom unter­neh­me­ri­schen Erfolg auch die Arbei­ter und Ange­stell­ten. Unter­neh­mer kön­nen sozi­al ver­ant­wort­lich han­deln, wie auch jeder Ein­zel­ne – unab­hän­gig von sei­ner „Klas­se“ – zu aus­ge­spro­chen ego­is­ti­scher und unso­zia­ler Raff­gier in der Lage sein kann. Auch wenn Marx‘ die Welt und den Men­schen allein auf einen Mate­ria­lis­mus zurück­füh­ren will, so greift das eben­falls zu kurz. Kon­sum und Besitz sind stets nur eine Ersatz­be­frie­di­gung. Sinn­stif­tend wirkt allein die ide­el­le Ebe­ne: das Meta­phy­si­sche, letzt­lich das Reli­giö­se im wei­tes­ten Sin­ne, die Tran­szen­denz.

Auch der Mensch Karl Marx will nicht so zu sei­nem ideo­lo­gi­schen Hei­li­gen­schein pas­sen: Marx‘ Leben war von stän­di­gem Geld­pro­ble­men geprägt, die er auf Kos­ten von Freun­den und Fami­lie zu lösen ver­such­te. Der Vater der kom­mu­nis­ti­schen Heils­leh­re schlug sich – so Wolf­ram Wei­mer – „als aggres­si­ver Schma­rot­zer auf Kos­ten von Fami­lie und Freun­den undank­bar durchs Leben“ und mach­te selbst vor dem letz­ten Geld sei­ner ver­wit­we­ten Mut­ter nicht halt. Er konn­te nicht abwar­ten, daß Ver­wand­te früh genug star­ben, um an deren Erbe zu kom­men. Die schwe­re Erkran­kung sei­nes Onkels kom­men­tie­re er mit den Wor­ten: „Stirbt der Hund jetzt, bin ich aus der Pat­sche her­aus.“ (zit. n. Wei­mer) Um den Sohn, den er mit dem Dienst- und Kin­der­mäd­chen Hele­na Demuth gezeugt hat­te, küm­mer­te sich Marx nicht. Die Mut­ter muß­te ihn zu Pfle­ge­el­tern geben. Das Kind durf­te sei­ne Mut­ter nur sel­ten besu­chen und dann nur durch die Hin­ter­tür in der Küche.


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Mit Fami­lie hat­te es Marx bekannt­lich nicht so, jeden­falls nach­dem, was im „Kom­mu­nis­ti­schen Mani­fest“ zu lesen ist:

„Auf­he­bung der Fami­lie! Selbst die Radi­kals­ten erei­fern sich über die­se schänd­li­che Absicht der Kom­mu­nis­ten. Wor­auf beruht die gegen­wär­ti­ge, die bür­ger­li­che Fami­lie? Auf dem Kapi­tal, auf dem Pri­va­ter­werb. […] Aber, sagt ihr, wir heben die trau­tes­ten Ver­hält­nis­se auf, indem wir an die Stel­le der häus­li­chen Erzie­hung die gesell­schaft­li­che set­zen. […] Und ist nicht auch eure Erzie­hung durch die Gesell­schaft bestimmt? Durch die gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se, inner­halb derer ihr erzieht, durch die direk­te­re oder indi­rek­te­re Ein­mi­schung der Gesell­schaft, ver­mit­telst der Schu­le usw.? Die Kom­mu­nis­ten erfin­den nicht die Ein­wir­kung der Gesell­schaft auf die Erzie­hung; sie ver­än­dern nur ihren Cha­rak­ter, sie ent­rei­ßen die Erzie­hung dem Ein­fluß der herr­schen­den Klas­se.“ (MEW 4, 459–493)

Im Zeit­al­ter von staat­lich pro­pa­gier­ten Dop­pel­ver­dien­er­fa­mi­li­en, Fremd­be­treu­ung und Ganz­tags­schu­len hin­ter­läßt das zwei­fel­los einen bit­te­ren Nach­ge­schmack. Der Kampf um die Hoheit über die Kin­der­bet­ten hat längst begon­nen. Wird der Kom­mu­nis­mus (oder was auch immer) schon ein­ge­führt ohne daß wir es mer­ken? Und wie ver­hält es sich mit Marx‘ und dem lei­der all­zu laschen Umgang mit dem impor­tier­ten Anti­se­mi­tis­mus unse­rer Tage?

Karl Marx‘ Vor­fah­ren waren sowohl müt­ter­li­cher – wie väter­li­cher­seits bedeu­ten­de Rab­bi­ner­fa­mi­li­en, sein Onkel Rab­bi­ner in der Hei­mat­stadt Trier. Um den Anwalts­be­ruf auch wei­ter aus­üben zu kön­nen, nach­dem das Napo­leo­ni­sche Trier an Preu­ßen gefal­len war, ließ sich die Fami­lie tau­fen. Am 26. August 1824 wur­den Karl und sechs wei­te­re Geschwis­ter Pro­tes­tan­ten. Die Fami­li­en­ge­schich­te hielt ihn nicht davon ab 1843 die anti­se­mi­ti­sche Hetz­schrift „Zur Juden­fra­ge“ zu ver­fas­sen, in der er das Juden­tum als unso­zi­al, eigen­nüt­zig, men­schen­ver­ach­tend und geld­gie­rig dif­fa­mier­te. Den „jüdi­sche Nig­ger [Fer­di­nand] Lasalle“, der Vater der deut­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie, cha­rak­te­ri­sier­te Marx mit fol­gen­den Wor­ten:

„Es ist mir jetzt völ­lig klar, dass er, wie auch sei­ner Kopf­bil­dung und sein Haar­wuchs beweist, von Negern abstammt, die sich dem Zug des Moses aus Ägyp­ten anschlos­sen. Nun, die­se Ver­bin­dung von Juden­tum und Ger­ma­nen­tum mit der neger­haf­ten Grund­sub­stanz müs­sen ein son­der­ba­res Pro­dukt her­vor­brin­gen. Die Zudring­lich­keit des Bur­schen ist auch nig­ger­haft.“ (zit. n. Wei­mer)

Selbst sein eige­ner Schwei­ger­sohn mach­te Marx zum Ziel sei­ner ras­sis­ti­schen Ent­glei­sun­gen. Auf­grund des­sen schwarz­afri­ka­ni­scher Vor­fah­ren beti­tel­te er ihn als „Abkömm­ling eines Goril­las“. (zit. n. Schu­pe­li­us) Carl Schurz, 1848er-Revo­lu­tio­när auf der der Flucht nach Ame­ri­ka, hielt sei­ne Ein­drü­cke von Marx für die Nach­welt fest: „Nie habe ich einen Men­schen gese­hen von so ver­let­zen­der, uner­träg­li­cher Arro­ganz des Auf­tre­tens.“ (zit. n. Bon­horst) Damit bringt er die Sache wohl auf den Punkt. Vom Jubeln hält das heu­te nie­man­den mehr ab.

Jene uner­träg­li­che Arro­ganz wohnt auch der Marx’schen inne. Mit dem „Kapi­tal“ schuf er viel­leicht „die“ Anlei­tung zur Errich­tung von Dik­ta­tu­ren. Im Gegen­satz zu Hit­ler war Marx durch­aus ein bril­lan­ter Den­ker. Wir kön­nen also froh sein, daß von den geplan­ten sechs Bän­den nur einer ganz und zwei fast fer­tig gewor­den sind. Bereits vor dem „Kapi­tal“ war klar, wo die ideo­lo­gi­sche Rei­se hin­ge­hen soll­te. So heißt es in „Die deut­sche Ideo­lo­gie“ (1846):

„Der Kom­mu­nis­mus ist für uns nicht ein Zustand, der her­ge­stellt wer­den soll, ein Ide­al, wonach die Wirk­lich­keit sich zu rich­ten haben [wird]. Wir nen­nen Kom­mu­nis­mus die wirk­li­che Bewe­gung, wel­che den jet­zi­gen Zustand auf­hebt.“ ( MEW 3, S. 35)

Was nun die Anpas­sung der Wirk­lich­keit an die Ideo­lo­gie angeht, so ist den offe­nen und ver­kapp­ten Mar­xis­ten aller Zei­ten eines gemein: sie wol­len das „dum­me Volk“ zu sei­nem Glück zwin­gen, not­falls mit Gewalt. Was das Vol­kes „Glück“ aber sein soll, haben sie natür­lich selbst schon fest­ge­legt. Das ist dann „alter­na­tiv­los“. Was nicht sein darf, das gibt es nicht. Für die gute und gerech­te Sache muß eben ver­tuscht, rela­ti­viert, beschö­nigt und jeder auch zum Schwei­gen gebracht wer­den, der sich sei­ner Sin­nes­ein­drü­cke all­zu gewiß ist. Ohne Rück­sicht auf Grund­rech­te, Demo­kra­tie und Rechts­staat­lich­keit. Woher kommt uns das alles nur so schreck­lich bekannt vor?

Zum Schluß ein klei­nes Bon­mot am Ran­de: Der Besuch von Marx‘ Grab auf einem Pri­vat­fried­hof kos­tet Geld. Ob der Vater des Kom­mu­nis­mus wohl damit ein­ver­stan­den wäre? – Ich ver­mu­te nein, aber das Geld hät­te der trotz­dem genom­men. Etwa 6 bis 10 Euro je Besu­cher.

Quel­len und wei­ter­füh­ren­de Links:


Titel­bild: By Karl Marx – Маркс К., Энгельс Ф. Немецкая идеология /​/​ Собр. соч., изд. 2, т. 3. — М.: Политиздат, 1955. — C. 13 —689 с., Public Domain, Link

Letz­te Aktua­li­sie­rung: 21. Jun 2018 @ 15:58

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