Deutschland | Zeitgeschehen

Politischer Bonus für linksextreme Bombenbastler in Thüringen? 
Linke Landesregierung in Erklärungsnot

23. März 2018

Was ist da eigent­lich in Thü­rin­gen los? Die Poli­zei fin­det kilo­wei­se Mate­ri­al zum Bom­ben­bas­teln und man bekommt den Ein­druck ver­mit­telt, daß die Her­stel­lung von Spreng­stoff nur eine klein­kri­mi­nel­les Hob­by in der lin­ken Sze­ne ist? Erst nach fünf Tagen wer­den die Ermitt­lun­gen – auf­grund von öffent­li­chem Druck – an das Lan­des­kri­mi­nal­amt über­ge­ben. Zuvor hat­te das LKA nur sei­ne Spreng­stoff­ex­per­ten zur Ver­fü­gung gestellt, aber nicht selbst ermit­telt. Hat das Innen­mi­nis­te­ri­um mög­li­cher­wei­se Ein­fluß auf die Ermitt­lun­gen (Staats­an­wäl­te sind wei­sungs­ge­bun­den) genom­men? War­um wur­de der Fall nicht ans BKA abge­ge­ben (Ter­ro­ris­mus­ver­dacht)? 


- Anzei­ge -

Im Land­tag muss­te Innen­mi­nis­ter Georg Mai­er mitt­ler­wei­le auf Betrei­ben von CDU und AfD nun Rede und Ant­wort ste­hen. Dabei plau­der­te der Minis­ter – zum Ärger der Poli­zei – ertaun­lich offen und aus­führ­lich über die poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen. Inter­es­sant ist vor allem sei­ne Zusam­men­fas­sung des Sach­ver­halts (Zitat aus dem vor­läu­fi­gen Sit­zungs­pro­to­koll vom 20. März 2018):

„Ein Zeu­gen­hin­weis vom Mon­tag, dem 5. März 2018, war Anlass, im Zusam­men­wir­ken mit der Staats­an­walt­schaft Gera ein Straf­ver­fah­ren wegen Vor­be­rei­tung eines Explo­si­ons­oder Strah­lungs­ver­bre­chens gemäß § 310 Straf­ge­setz­buch gegen zwei nament­lich bekann­te Per­so­nen ein­zu­lei­ten. Unver­züg­lich folg­ten wei­te­re Ermitt­lun­gen und Ver­neh­mun­gen sowie unver­züg­lich ein Infor­ma­ti­ons­aus­tausch mit dem Lan­des­kri­mi­nal­amt, in des­sen Ergeb­nis die Staats­an­walt­schaft Gera beim zustän­di­gen Amts­ge­richt meh­re­re Durch­su­chungs­be­schlüs­se erwirk­te. Unter Bil­dung einer soge­nann­ten Beson­de­ren Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on gemein­sam mit Beam­ten des Lan­des­kri­mi­nal­amts und der Bereit­schafts­po­li­zei wur­den dann am 13. März 2018 ins­ge­samt vier Objek­te in Rudol­stadt und in Uhl­städt-Kirch­ha­sel durch­sucht. Hier­bei wur­de eine Viel­zahl von Gegen­stän­den, die zur Her­stel­lung von Spreng­stoff geeig­net sind, auf­ge­fun­den und sicher­ge­stellt.

(…)

Die sicher­ge­stell­ten Spreng­stof­fe: Dar­un­ter befan­den sich 2,3 Gramm ETN, das ist ein Spreng­stoff, des­sen Spreng­kraft die Spreng­kraft von TNT deut­lich über­trifft. Inso­fern ist die gerin­ge Men­ge nicht uner­heb­lich. Es wur­den mehr als 75 Kilo­gramm Kunst­dün­ger gefun­den. Es wur­den gefun­den 2 Kilo­gramm Magne­si­um­pul­ver, 2 Kilo­gramm Schwe­fel­pul­ver, 2 Kilo­gramm Cal­ci­um­car­bit – jeweils cir­ca 2 Kilo­gramm –, 2 Kilo­gramm Magna­li­um­pul­ver, 2 Kilo­gramm Kali­um­ni­trat und noch 2 Kilo­gramm ande­rer che­mi­scher Sub­stan­zen. Es wur­den wei­ter­hin gefun­den eine Viel­zahl von Böl­lern unbe­kann­ter Her­kunft. Es wur­den vier Kar­tons mit einer Viel­zahl selbst­la­bo­rier­ter Böl­ler mit Zünd­schnur gefun­den. Es wur­de gefun­den ein Trol­ley mit Kom­po­nen­ten für die Her­stel­lung des hoch­ex­plo­si­ven Spreng­stoffs TATP, zum Bei­spiel Ace­ton, Was­ser­stoff­per­oxid, ver­schie­de­ne Säu­ren, Reagenz­glä­ser, Schutz­mas­ken und Trich­ter. Es wur­den acht Fla­schen But­ter­säu­re je 1 Liter gefun­den. Dar­über hin­aus wur­den ver­schie­de­ne elek­tro­ni­sche Daten­trä­ger gefun­den und sicher­ge­stellt. Der Voll­stän­dig­keit hal­ber will ich zugleich aus­füh­ren, dass dar­über hin­aus tat­säch­lich Can­na­bis in gerin­ger Men­ge sicher­ge­stellt sowie eine Auf­zucht­an­la­ge ohne Betäu­bungs­mit­tel zufäl­lig auf­ge­fun­den wur­de. Des Wei­te­ren wur­den eine Schreck­schuss­waf­fe mit Kar­tu­schen­mu­ni­ti­on sowie Pfeil­spit­zen für eine Arm­brust sicher­ge­stellt.

Der Tat­ver­dacht rich­tet sich gegen zwei deut­sche Tat­ver­däch­ti­ge im Alter von 25 und 31 Jah­ren. Eine zunächst erfolg­te vor­läu­fi­ge Fest­nah­me des 25-jäh­ri­gen Tat­ver­däch­ti­gen am 13. März 2018 wur­de wegen feh­len­der Haft­grün­de von der Staats­an­walt­schaft Gera am nächs­ten Tag auf­ge­ho­ben.“

Im Hin­blick auf die angeb­lich feh­len­den Haft­grün­de muss hier ergänzt wer­den, daß nach Pres­se­be­rich­ten einer der Beschul­dig­ten bereits zuvor wegen Gewalt-, Eigen­tums- und Dro­gen­de­lik­ten straf­recht­lich in Erschei­nung getre­ten war. Die Aus­wer­tung der Mobil­funk­da­ten ergab Anhalts­punk­te für wei­te­re Straf­ta­ten. Es wur­den dabei Sprach­nach­rich­ten sicher­ge­stellt, in denen die Erst­zeu­gin (die den Fall ins Rol­len brach­te) bedroht wird. Sie steht mitt­ler­wei­le unter Poli­zei­schutz.

Der Sach­ver­halt zeigt, daß es sich hier auf kei­nen Fall um eine Baga­tel­le oder ein paar fehl­ge­lei­te­te Expe­ri­men­te von Hob­by­bast­lern han­delt. Es ste­hen schwe­re Straf­ta­ten im Raum. Was wäre pas­siert, wenn die beherz­te Zeu­gin ihre Beob­ach­tun­gen nicht der Poli­zei mit­ge­teilt hät­te. Wäre der Spreng­stoff her­ge­stellt und irgend­wo zur Explo­si­on gebracht wor­den? Was hat­ten die Beschul­dig­ten damit vor? Was woll­ten sie mit den acht Fla­schen But­ter­säu­re anfan­gen?

Völ­lig offen gelas­sen wur­de bis­lang auch einen mög­li­cher poli­ti­schen Bezug: einer der Tat­ver­däch­ti­gen war Spre­cher des 2016 von der Lan­des­re­gie­rung mit einem Demo­kra­tie­preis aus­ge­zeich­ne­ten „Bünd­nis­ses für Zivil­cou­ra­ge und Men­schen­rech­te“. Doch wozu braucht der Pri­vat­mann Spreng­stoff und But­ter­säu­re??? Minis­ter Mai­er hat bestä­tigt, daß die Ver­däch­ti­gen der lin­ken Sze­ne ange­hö­ren. Im Inter­net sol­len Fotos kur­sie­ren, die ihn als Teil­neh­mer einer Anti­fa-Demo zei­gen. Ist eine lin­ke Lan­des­re­gie­rung über­haupt dar­an inter­es­siert, die poli­ti­schen Zusam­men­hän­ge auf­zu­klä­ren und die ent­spre­chen­den Kon­se­quen­zen zu zie­hen? Vor allem: Wird sie es trotz­dem tun?

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Letz­te Aktua­li­sie­rung: 21. Jun 2018 @ 16:13

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