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Zeitgeschehen

Wird muslimischer Antisemitismus gezielt verschleiert? 
Auch statistische Taschenspielertrick können das Problem nicht unter den Teppich kehren

2. März 2018

„Glau­be kei­ner Sta­tis­tik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ – Das ist kein dum­mer Spruch, son­dern lei­der oft Teil unse­rer Lebens­rea­li­tät. Die „BZ“ griff jetzt ein Pro­blem auf, dass mir selbst zwar schon län­ger bekannt ist, aber bis­lang von der brei­ten Öffent­lich­keit fern gehal­ten wur­de. In ihrer Schu­pe­li­us-Kolum­ne vom 1. März 2018 stell­te das Blatt die Fra­ge: „Ver­schlei­ert die Poli­zei­sta­tis­tik die Urhe­ber der Gewalt gegen Juden?

Gun­nar Schu­pe­li­us bezieht sich in sei­nem Text u.a. auf ein kürz­lich in der „NZZ“ ver­öf­fent­lich­tes Inter­view des His­to­ri­kers Micha­el Wolff­s­ohn mit dem viel­sa­gen­den Titel „Wir haben eine immer grös­ser wer­den­de mus­li­mi­sche Min­der­heit, die sich radi­ka­li­siert“. Wolff­s­ohn, selbst beken­nen­der kos­mo­po­li­ti­scher deutsch-jüdi­scher Patri­ot, muss sich ange­sichts der Real­tiätsfer­ne „unse­rer“ Poli­ti­ker als Rufer in der Wüs­te füh­len: Deut­lich und unmiß­ver­ständ­lich warnt er vor einem neu­en Anti­se­mi­tis­mus, der von einer wach­sen­den, sich zuneh­mend radi­ka­li­sie­ren­den mus­li­mi­schen Min­der­heit in Deutsch­land aus­ge­he. Zwar sehe er das jüdi­sche Leben in Deutsch­land noch nicht als gefähr­tet an, aber:

„Wir haben eine immer grös­ser wer­den­de mus­li­mi­sche Min­der­heit, die sich radi­ka­li­siert. Ich sehe noch kei­ne Gefahr, dass die Isla­mis­ten in Euro­pa die Macht über­neh­men. Was mir aber Sor­ge macht, sind die Sicher­heits­ap­pa­ra­te, sowohl in Frank­reich als auch in Deutsch­land. Die wer­den mit dem Pro­blem weder prä­ven­tiv noch reak­tiv fer­tig.“

Eine der Ursa­chen dafür macht Wolff­s­ohn in der Soli­da­ri­sie­rung von Tei­len der Mehr­heits­ge­sell­schaft – und zwar vor allem der Lin­ken – „mit anti­jü­di­schen und anti­zio­nis­ti­schen Extre­mis­ten aus Ara­bi­en“ aus.


Quel­le: Twit­ter


Die poli­ti­schen Macht­eli­ten, die Deutsch­land gegen­wär­tig noch regie­ren, ste­hen so weit links wie nie zuvor. Viel­leicht haben wir gera­de des­halb vor nicht all­zu lan­ger Zeit Isra­el-Flag­gen bren­nen gese­hen. Viel­leicht muss­te des­halb ein jüdi­scher Schü­ler selbst von „Schu­le ohne Ras­sis­mus“ in Ber­lin flüch­ten, weil er wegen sei­nes Glau­bens – 75 Pro­zent Migran­ten­an­teil – gemobbt wur­de. Viel­leicht gibt es auch des­halb Gegen­den in Deutsch­land, in denen das Tra­gen einer Kip­pa in der Öffent­lich­keit mitt­ler­wei­le lebens­ge­fähr­lich gewor­den ist.

Eine Situa­ti­on also, in der man von der Poli­tik erwar­ten kann, daß sie unver­züg­lich ein­greift. Bes­ser noch, daß sie durch­greift. „Unver­züg­lich“ bedeu­tet übri­gens soviel wie „ohne schuld­haf­tes Zögern“. Es wird gezö­gert, ja regel­recht ver­schleppt, und schuld­haft alle­mal, da man es bes­ser wis­sen muss. Trotz­dem erweckt der Blick in die Poli­zei­li­che Kri­mi­nal­sta­tis­tik (PKS) den Ein­druck, dass es das Pro­blem – sprich mus­li­mi­schen Anti­se­mi­tis­mus – kaum gibt. Anti­se­mi­tis­mus ist viel­mehr weit­ge­hend eine Erschei­nung des Rechts­ex­tre­mis­mus – will man der Sta­tis­tik glau­ben. Also müs­sen wir wohl jetzt noch mehr Steu­er­gel­der in (extrem) lin­ke Pro­jek­te ste­cken, damit sie den „Nazis“ end­lich den Gar­aus machen (las­sen)? Das wird uns das jeden­falls sug­ge­riert. Doch so ein­fach ist es nicht. Der Fisch stinkt nicht nur vom Kopf her, son­dern mitt­ler­wei­le in allen sei­nen Tei­len.


- Anzei­ge -

Gun­nar Schu­pe­li­us hat die PKS etwas genau­er unter die Lupe genom­men und fest­ge­stellt, daß dort Anti­se­mi­tis­mus prin­zi­pi­ell als rechts­ex­tre­mi­tisch ver­bucht wird, sofern nicht aus­drück­lich das Gegen­teil fest­ge­stellt wur­de:

„Wenn Unbe­kann­te juden­feind­li­che Paro­len sprü­hen oder einen jüdi­schen Bür­ger über­fal­len, dann wird ein rechts­ex­tre­mer Hin­ter­grund ver­mu­tet, obwohl genau­so gut auch Isla­mis­ten die Täter sein könn­ten. Im Som­mer 2014 notier­te die Poli­zei „Sieg Heil“-Rufe aus einer Demons­tra­ti­on radi­ka­ler Mus­li­me und unter­stell­te einen rechts­ex­tre­men Hin­ter­grund.“

Das führ­te dazu, daß im Jah­re 2017 gan­ze 90 Pro­zent der erfass­ten 1500 anti­se­mi­ti­schen Straf­ta­ten laut Sta­tis­tik durch „Rech­te“ began­gen wur­den. Hin­zu kommt, dass selbst vie­le ange­zeig­te anti­se­mi­ti­schen Straf­ta­ten als sol­che über­haupt nicht in der PKS auf­tau­chen. Straf­ta­ten wer­den dort immer unter dem Straf­tat­be­stand mit der höchs­ten Straf­an­dro­hung wie­der­ge­ge­ben. Das ist dann häu­fig die Kör­per­ver­let­zung und nicht die gerin­ger bestraf­te (anti­se­mi­ti­sche) Belei­di­gung.

Auch Wolff­s­ohn hält die Aus­sa­gen der PKS für „völ­lig ver­zerrt“. Er betont, daß man es hier mit einem Antis­e­mis­mus ganz ande­rer Qua­li­tät zu tun habe. Zwar geben es ihn nach wie vor von „rechts“, aber von der AfD oder Pegi­da sei­en kei­ne Gewalt­ta­ten an Juden ver­übt wor­den. All das wer­de durch die Sta­tis­tik ver­schlei­ert:

„Es ist eine Lüge. Wenn ich mich in mei­nem jüdi­schen Bekann­ten­kreis umhö­re, dann sagen alle das Glei­che: Gewalt gegen Juden geht aus­schliess­lich von Mus­li­men aus.“

Es stellt sich die Fra­ge, war­um selbst  Poli­ti­ker wie die umstrit­te­ne Ber­li­ner Staats­se­kre­tä­tin Saw­san Che­bli (SPD) auf die sta­tis­ti­schen Falsch­mel­dun­gen her­ein­fal­len. Sie hat­te näm­lich in der Sen­dung „Anne Will“ den längst offen­kun­di­gen Feh­ler mit Nach­druck als Wahr­heit ver­kün­det. Hof­fen wir, daß sie es ein­fach nicht bes­ser wuß­te, weil ihre Mit­ar­bei­ter schlecht gear­bei­tet haben.


Quel­le: Twit­ter


Sonst müss­te man fra­gen, war­um sich die Wirk­lich­keit ein­mal mehr den Wunsch­vor­stel­lun­gen von Poli­ti­kern zu beu­gen hat: Ist der neue Anti­se­mi­tis­mus etwa nur ein kal­ku­lier­ter Kol­la­te­ral­scha­den des größ­ten Men­schen-Expe­ri­ments der jün­ge­ren Geschich­te? Was wäre dann die nach­kriegs­deut­sche Erin­ne­rungs­kul­tur an den Holo­caust noch wert, wenn unterm Strich doch nichts dazu gelernt wur­de und mög­li­cher­wei­se die Gespens­ter der Ver­gan­gen­heit wie­der Ober­was­ser gewin­nen? Dies­mal frei­lich hät­ten sie den Koran unter den Arm geklemmt und außer Juden mög­li­cher­wei­se auch bald Chris­ten, Athe­is­ten, Homo­se­xu­el­le und Femi­nis­tin­nen auf ihrer Lis­te.

Quel­len und wei­te­re Infor­ma­tio­nen:

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