Kloster Neuzelle
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Christliche Mönche=IS-Terroristen???
Zweifelhafte These zur Geschichte des Zisterzienserordens

14. Oktober 2017

Als ich das heu­te gele­sen habe, muss­te ich zwei­mal hin­schau­en, um mei­nen Augen zu trau­en: Die­se Mönchs­or­den las­sen sich mit dem IS ver­glei­chen“ titelt „Welt online“. Es geht dabei um den Zis­ter­zi­en­ser­or­den. Also jene grau­sa­me Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on des Mit­tel­al­ters, die mit ihren scheuß­li­chen Ver­bre­chen eine Blut­spur durch Euro­pa und die gesam­te Welt gezo­gen haben. Sie trenn­ten ihren Geg­nern mit Mes­sern die Köp­fe vom Rumpf oder stie­ßen sie von Kirch­tür­men und Burg­mau­ern in den Tod. Frau­en und Mäd­chen der Ungläu­bi­gen ver­scha­cher­ten sie wie Vieh als Sex­skla­vin­nen und ver­gin­gen ich an ihnen. Außer­dem führ­ten sie die Voll­ver­schleie­rung für Chris­tin­nen in Euro­pa ein. Davon berich­ten die von den Mön­chen ver­fass­ten Hand­schrif­ten (dem You­tube des Mit­tel­al­ters) bekannt­lich ausführlich.

Zur Zeit erin­nert eine Aus­stel­lung im Rhei­ni­schen Lan­des­mu­se­um in Bonn unter dem Titel „Kon­zern der wei­ßen Mön­che“ an die­se über­ra­gen­den Kul­tur­leis­tun­gen des Zis­ter­zi­en­ser­or­dens in Euro­pa seit sei­ner Grün­dung im 12. Jahrhundert.


- Anzei­ge -

Das ist Blöd­sinn? Ja, in der Tat. Das ist völ­li­ger Blöd­sinn und es fiel mir schwer, dass über­haupt nie­der zu schrei­ben. Die Aus­stel­lung gibt es tat­säch­lich. Sie ist Anlaß für ein Inter­view, das Andre­as Fasel für „Welt Online“ mit dem Theo­lo­gen, Ex-Zis­ter­zi­en­ser und pen­sio­nier­ten  Gym­na­si­al­leh­rer Her­mann J. Roth führte.

Fasel:Für heu­ti­ge Begrif­fe wür­de man … von fun­da­men­ta­lis­ti­schen Grup­pie­run­gen spre­chen, von denen sich man­che radi­ka­li­siert haben. Man denkt an Sala­fis­mus und den Isla­mi­schen Staat. Sind sol­che Ver­glei­che zulässig?

Roth: „Ich den­ke schon. Schau­en wir uns doch ein­mal den gesell­schaft­li­chen Hin­ter­grund die­ser Bewe­gung an. In Adels­krei­sen muss­ten sich die nach­wach­sen­den Söh­ne der Burg­her­ren ein Aus­kom­men suchen, da blieb meist nur das Kriegs­hand­werk oder das Klos­ter. Sehr vie­le die­ser Adels­söh­ne wuss­ten nichts mit sich anzu­fan­gen und schweif­ten maro­die­rend umher, sie raub­ten aus purer Lust, jeman­dem zu scha­den, oder sie ver­ge­wal­tig­ten Frau­en. Es gibt in die­ser Zeit zahl­rei­che Kla­gen über voll­kom­men unmo­ti­vier­te Über­fäl­le. Genau die­sen Leu­ten, heu­te wür­den wir viel­leicht von War­lords spre­chen, gab die neue reli­giö­se Bewe­gung einen Sinn. Bei uns, so die Bot­schaft, kannst du Sol­dat blei­ben, jetzt aber für höhe­re Zie­le. „Im Tod des Hei­den sucht der Christ sei­nen Ruhm“, so hat es dann Bern­hard von Clairvaux for­mu­liert, der Begrün­der der Zisterzienser.“

Es ist hier nicht der Ort über die Kreuz­zü­ge zu schrei­ben, die eine Reak­ti­on auf Über­fäl­le auf christ­li­che Jeru­sa­lem-Pil­ger, die Ver­wei­ge­rung des Zugangs zu den hei­li­gen Stät­ten des Chris­ten­tums und die Unter­drü­ckung der in Jeru­sa­lem ver­blie­be­nen Chris­ten waren. In die­sem Zusam­men­hang wur­den spä­ter krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen geführt und Men­schen getö­tet. Aber ein mit dem sog. „Kali­fat“ des IS nur annä­hernd ver­gleich­ba­res Ter­ror­re­gime haben selbst die fana­tischs­ten Kreuz­fah­rer zu kei­ner Zeit errich­tet. Außer­dem muss man auf jeden Fall berück­sich­ti­gen, dass zwi­schen den Kreuz­zü­gen und dem isla­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus . In die­ser Zeit hat sich das Chris­ten­tum ent­schei­dend wei­ter­ent­wi­ckelt und die Kir­che hat sich von mili­tä­ri­schen Ope­ra­tio­nen jeder Art deut­lich, nach­hal­tig und dau­er­haft abge­kehrt. Vom Islam kann man das hin­ge­gen kei­nes­wegs sagen. Die Aus­brei­tung des Islams erfolg­te häu­fig mit Hil­fe von Erobe­rungs­krie­gen: So wur­de das von Beginn an christ­li­che Jeru­sa­lem im Jah­re 638 von Kalif Umar erobert. In die­ser Tra­di­ti­on sehen sich auch isla­mi­sche Ter­ror­grup­pen wie der IS heu­te noch und träumt von der Erobe­rung Roms und ganz Euro­pas. Den christ­li­chen Kreuz­fah­rern hin­ge­gen fehl­ten der­ar­ti­ge impe­ria­le Absichten.

Roths The­se ist  wis­sen­schaft­lich höchst zwei­fel­haft. Sie läuft Gefahr, der Ver­harm­lo­sung der unbe­schreib­lich grau­sa­men Ver­bre­chen des sog. „Isla­mi­schen Staa­tes“  und der men­schen­feind­li­chen Ideo­lo­gie der Sala­fis­ten Vor­schub zu leisten.

Ich möch­te an die­ser Stel­le beto­nen, dass der Zis­ter­zi­en­ser­or­den u.a. eine aner­kann­te und sehr belieb­te Hoch­schu­le in Hei­li­gen­kreuz bei Wien betreibt, an der auch Roth stu­dier­te. Das Klos­ter dort ist ein Klein­od christ­li­cher Spi­ri­tua­li­tät, Archi­tek­tur und Kunst und hat reich­lich Zulauf an jun­gen Män­nern. Vor eini­gen Wochen schrieb ich bereits über eine klei­ne Facet­te die­ser Erfolgs­ge­schich­te, die Wie­der­be­sie­de­lung des Klos­ters Neu­zel­le in Bran­den­burg. Mir ist nicht bekannt, daß Anders- oder Nicht­gläu­bi­ge bei einer Begeg­nung mit Zis­ter­zi­en­ser­mön­chen (oder -non­nen) um ihr Leben fürch­ten müsst

Zum Wei­ter­le­sen:

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