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Zeitgeschehen

Halbherzige Palastrevolution gegen Angela Merkel
Ist die „eiserne Kanzlerin“ am Ende?

7. Oktober 2017

Für die „eiser­ne Kanz­le­rin“ Ange­la Mer­kel wird die Luft zuneh­mend dün­ner. Zwar rumort es in der CDU, deren Vor­sit­zen­de sie ist, schon län­ger. Aber jetzt kom­men ihre Kri­ti­ker und Geg­ner zumin­dest vor­sich­tig aus der Deckung. Dabei ist wie­der ein­mal die Jun­ge Uni­on, die Nach­wuchs­ka­der­schmie­de der Union.

Die JU will näm­lich über den Koali­ti­ons­ver­trag abstim­men las­sen. Dafür haben sich die Teil­neh­mer des Deutsch­land­tags der Jun­gen Uni­on in Dres­den aus­ge­spro­chen. Und, Mer­kels poli­ti­scher Nach­wuchs jubel­te Jens Spahn am Frei­tag regel­recht zu, als die­ser den Ver­trau­ens­ver­lust der Uni­on durch ihre Flücht­lings­po­li­tik anpran­ger­te. Sie sei Ursa­che für den Stim­men­ver­lust der Par­tei bei der Bun­des­tags­wahl und den Erfolg der AfD. Spahn, der­zeit Par­la­men­ta­ri­scher Staats­se­kre­tär im Finanz­mi­nis­te­ri­um, gilt schon län­ger als heim­li­cher Hoff­nungs­trä­ger der Rest-Kon­ser­va­ti­ven in der CDU und Mann, der das Zeug dazu hat, Ange­la Mer­kels Nach­fol­ge anzutreten.


- Anzei­ge -

Die „Dresd­ner Erklä­rung“ die die Dele­gier­ten ver­ab­schie­de­ten, könn­te z.T. von der AfD ver­fasst wor­den sein. Dar­in wird eine kla­re Begren­zung der „klas­si­schen Zuwan­de­rung“ gefor­dert und die Ver­hin­de­rung von Zuwan­de­rung in das Sozi­al­sys­tem. Es müs­se wie­der deut­lich zwi­schen Flücht­lings­sta­tus, Asyl­recht und Zuwan­de­rung im eigent­li­chen Sin­ne unter­schie­den wer­den. Außer­dem for­der­te JU-Vor­sit­zen­der Paul Zie­miak einen Per­so­nal­wech­sel in Par­tei, Frak­ti­on sowie in der Regie­rung bei CDU und CSU. Anders als 2013 müs­se es vor dem Abschluss des Koali­ti­ons­ver­tra­ges einen Bun­des­par­tei­tag geben sowie Ver­an­stal­tun­gen, in denen auch die Basis dar­über debat­tie­ren könne.

Aller­dings wur­de der Auf­stand der Jun­gen Uni­on letzt­lich doch mehr ein Feder­bau­sch­wer­fen gegen Mer­kel als ein tat­säch­li­ches Auf­be­geh­ren. Die Füh­rungs­rie­ge der JU ist mög­li­cher­wei­se nach dem mar­ki­gen Auf­tritt vom Frei­tag von der Uni­on zurück­ge­pfif­fen wor­den. Der Vor­sit­zen­de des JU-Kreis­ver­ban­des Rhei­nisch Ber­gi­scher Kreis, Die­go Faß­nacht, der indi­rekt den Rück­tritt Mer­kels for­der­te, wur­de aus­ge­buht. Ledig­lich außer­halb des Saa­les bekommt Faß­nacht Aner­ken­nung für sei­nen Mut. Im Saal geht man dage­gen auf Distanz zu ihm.

Die Kanz­le­rin ging dann in ihrer Rede auch auf eine der For­de­run­gen ein und sag­te einen Son­der­par­tei­tag vor der Zustim­mung zu einer Jamai­ka-Koali­ti­on zu. Damit beschwich­tig­te sie die Gemü­ter der Dele­gier­ten. Sie beton­te erneut, die stra­te­gi­schen Zie­le mit dem Wahl­er­geb­nis erreicht zu haben und räum­te auch ein, dass das schlech­te Wahl­er­geb­nis im Zusam­men­hang mit den Flücht­lin­gen stehe.

Damit hat Ange­la Mer­kel ein­mal mehr den Dampf vom Kes­sel genom­men. Ob sich unterm Strich tat­säch­lich etwas ändern wird, steht in den Ster­nen. So geht eine Mut­ter mit bocki­gen Klein­kin­dern um; sie ver­teilt ein paar Strei­chel­ein­hei­ten und macht am Ende dann doch, was sie für die Kin­der rich­tig hält.

Nach­dem bereits der säch­si­sche Minis­ter­prä­si­dent Sta­nis­law Til­lich eine stär­ke­re Ori­en­tie­rung der CDU nach rechts gefor­dert hat­te, ver­langt der CDU-Stadt­ver­band Freiberg/​Sa. in sei­nem Dis­kus­si­ons­pa­pier „Frei­ber­ger The­sen“ u.a. den Rück­tritt von Tau­ber und Mer­kel. Die Frei­ber­ger Christ­de­mo­kra­ten füh­len sich bei der Aus­ein­an­der­set­zung um aktu­el­le Pro­ble­me von der eige­nen Par­tei­spit­ze übergangen.

“Des­halb ist eine Kern­for­de­rung die­ses The­sen­pa­piers die Wie­der­her­stel­lung der inner­par­tei­li­chen Demo­kra­tie. Die Mit­glie­der mes­sen end­lich wie­der ernst genom­men werden.“

So Hol­ger Reu­ter, Vor­sit­zen­der des Frei­ber­ger Stadtverbandes.

„Es muss wie­der mög­lich sein, den inner­par­tei­li­chen Dis­kurs ohne Denk­ver­bo­te und Bevor­mun­dung von oben füh­ren zu kön­nen. Dafür ist der Rück­tritt des der­zei­ti­gen Gene­ral­se­kre­tärs Peter Tau­ber, der sich gera­de in Bezug auf eine inner­par­tei­li­che Wil­lens­bil­dung nicht beson­ders her­vor­ge­tan hat, unabdingbar“.

Jörg Woid­ni­ok geht sogar noch weiter:

„Auch der Rück­tritt von Dr. Ange­la Mer­kel vom Par­tei­vor­sitz ist für den Erneue­rungs­pro­zess der CDU unab­ding­bar. Sie trägt die Schuld für die ver­fehl­te Asyl­po­li­tik und den Kon­troll­ver­lust der Bun­des­re­gie­rung in der Asylkrise.

Wir müs­sen zu schnel­len Lösun­gen kom­men, die der Bür­ger auch wie­der ver­steht. Dazu zäh­len ein sofor­ti­ger Auf­nah­me­stopp von Flücht­lin­gen genau­so wie die sofor­ti­ge Abschie­bung aller Aus­rei­se­pflich­ti­gen und kri­mi­nel­len Asylbewerber.“

Auch in der Wirt­schafts­po­li­tik müs­se eine Kurs­kor­rek­tur vor­ge­nom­men wer­den. So sol­len die Sank­ti­on gegen Ruß­land been­det wer­den, die wei­te­re Ver­schär­fung des Umwelt­rechts zu Las­ten der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung unter­blei­ben, die Dis­kus­si­on um die Zukunft des Ver­bren­nungs­mo­tors und rege­ne­ra­ti­ve Ener­gi­en wie­der auf den Boden der Rea­li­tät zurück­ge­holt wer­den und der Bund die Ver­ant­wor­tung für den flä­chen­de­cken­den Aus­bau des Breit­band­net­zes tra­gen. Letz­te­re müs­se in den nächs­ten vier Jah­ren zum Abschluss kommen.

Ste­ve Itters­ha­gen, MdL, der dem Frei­ber­ger Stadt­ver­band eben­falls ange­hört, for­dert eine Neu­aus­rich­tung sei­nes Landesverbandes:

„Die Säch­si­sche Uni­on ist als eigen­stän­di­ge kon­ser­va­tiv bür­ger­li­che Par­tei, wel­che die Inter­es­sen ihrer Bür­ger ernst nimmt, mit deut­li­cher Abgren­zung zur Bun­des­par­tei aus­zu­rich­ten. Dabei muss sie wie­der den Cha­rak­ter einer Volks­par­tei erhal­ten, unter deren Dach alle Strö­mun­gen (wie z.B. Arbeit­neh­mer und Wirt­schaft, Libe­ra­le und Kon­ser­va­ti­ve, die Men­schen in urba­nen und länd­li­chen Räu­men) ihren Platz finden.

Sie soll ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Ber­li­ner Poli­tik mit einer kla­ren und bun­des­weit ver­nehm­ba­ren Stim­me säch­si­sche und deut­sche Inter­es­sen vertreten.“

Das The­sen­pa­pier wur­de den Par­tei­gre­mi­en in Land und Bund zuge­lei­tet. Wie wird mit die­ser kon­struk­ti­ven Kri­tik umge­gan­gen werden?

Der sach­sen-anhal­ti­ni­sche Minis­ter­prä­si­dent Rei­ner Hasel­off als ers­ter Minis­ter­prä­si­dent den Rück­tritt Ange­la Mer­kels gefor­dert. In einem Inter­view mit der „FAZ“ ver­lang­te er einen Gene­ra­ti­ons­wech­sel bei der Union.


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