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Zeitgeschehen

Bundestagswahl 1949: Die AfD ist nicht die erste „rechte“ Partei im Deutschen Bundestag
Warum Adenauer mit noch weniger Stimmen zum Kanzler gewählt wurde

7. Oktober 2017

Es muss­te irgend­wann so kom­men. Kurz nach der Wahl hat­te CDU-Vor­sit­zen­de und Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel noch erklärt, dass sie nicht erken­nen kön­ne, im Wahl­kampf etwas falsch gemacht zu haben. Die Fak­ten sagen bekannt­lich etwas ande­res. Mit nur  32,9 Pro­zent der Zweit­stim­men erreich­ten CDU und CSU das zweit­schlech­tes­te Ergeb­nis für die Uni­on in der Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Nur bei der ers­ten Bun­des­tags­wahl am 14. August 1949 waren es mit 31,0 Pro­zent noch weni­ger (Zweit-)Stimmen. Man muss aber berück­sich­ti­gen, dass damals 80 der 410 Sit­ze auf Bewer­ber aus sons­ti­gen Par­tei­en ent­fie­len. Das waren über­wie­gend Par­tei­en aus dem kon­ser­va­tiv-bür­ger­li­chen – „rech­ten“ – Spek­trum, das spä­ter über­wie­gend in der Anhän­ger­schaft der Uni­ons­par­tei­en auf­ge­gan­gen ist:

   Zahl der Stimmen
absolut
 Anteil Zweit-
stimmen
in Pro­zent(1)
 Sit­ze  Direkt­man­da­te  Aus­rich­tung
Bay­ern­par­tei (BP) 986.478 4,2 17 11 nur in Bay­ern, kon­ser­va­tiv, mon­ar­chis­tisch, separatistisch
Deut­sche Par­tei (DP) 939.934 4,0 17 5 natio­nal­kon­ser­va­tiv
Deut­sche Zen­trums­par­tei (DZP) 727.505 3,1 10 christ­lich-kon­ser­va­tiv, sozi­al­po­li­tisch „links“
Wirt­schaft­li­che Auf­bau-Ver­ei­ni­gung (WAV) 681.888 2,9 12 „rechts­po­pu­lis­tisch“, kapitalismuskritisch
Deut­sche Kon­ser­va­ti­ve Par­tei – Deut­sche Rechts­par­tei (DKP-DRP) 429.031 1,8 5 christ­lich-kon­ser­va­tiv, monarchistisch

(1) Bei der Bun­des­tags­wahl 1949 galt die 5-Pro­zent-Hür­de auf das Bun­des­land bezo­gen, aber 1953 mit Aus­nah­men und der Son­der­re­ge­lung für Direkt­man­da­te dann bundesweit.


- Anzei­ge -

Rech­net man die Stim­men­an­tei­le der klei­nen Par­tei­en dazu, wären die Uni­ons­par­tei­en damals auf bis zu 16 Pro­zent mehr Stim­men gekom­men und hät­ten damit selbst für gute Wahl­jah­re der Uni­on Traum­er­geb­nis­se ein­ge­fah­ren. Kon­rad Ade­nau­er wur­de übri­gens von einer Koali­ti­on aus CDU/​CSU, FDP und DP zum ers­ten Bun­des­kanz­ler der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gewählt. Er konn­te sich auf 46,1 Pro­zent der Stim­men und 209 Sit­ze, also auf eine sta­bi­le Mit­te-Rechts-Mehr­heit stüt­zen. Ganz im Gegen­satz zu einer mög­lich „Jamai­ka-Koali­ti­on“ 2017 wie sie von Ange­la Mer­kel favo­ri­siert wird.

Zweitstimmenverteilung bei der Bundestagswahl 2017

Mit Blick auf die poli­ti­sche Aus­rich­tung die­ser klei­nen Par­tei­en muss man fest­stel­len, dass der Ein­zug der AfD in den Bun­des­tag kein „Rechts­ruck“, son­dern ledig­lich ein „back to the roots“ in die Anfangs­jah­re der Bun­des­re­pu­blik ist. Wäh­rend es Ade­nau­er in der Fol­ge­zeit gelun­gen war, deren Wäh­ler immer mehr an sich zu bin­den, hat Ange­la Mer­kel sie sehen­den Auges auf­ge­ge­ben. Die AfD muss­te sie ein­fach nur noch abholen.

Der Vollsts­än­dig­keit hal­ber: Die SPD kam 1949 auf 136 (29,2 Pro­zent) und die FDP auf 53 Sit­ze (11,9 Pro­zent). Damals saß auch die spä­ter ver­bo­te­ne KPD noch mit 15 Abge­ord­ne­ten (7,5 Pro­zent) im Bundestag.


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