Kloster Neuzelle
Catholica | Historisches

Zisterzienser kehren nach Kloster Neuzelle zurück
Vier Heiligenkreuzer Mönche besiedeln barockes Kleinod in Brandenburg

2. September 2017

Gibt es in die­sen Zei­ten über­haupt noch etwas Erfreu­li­ches, über das man schrei­ben kann? Ja: „Jetzt leben vier Hei­li­gen­kreu­zer Mön­che im Barock­klos­ter Neu­zel­le!” (kathnet.de) Das Klos­ter Neu­zel­le ist ein sehr schö­ne, gut erhal­te­ne und sehr sehens­wer­te Klos­ter­an­la­ge in der Oder­nie­de­rung im heu­ti­gen Bran­den­burg (Nie­der­lau­sitz).

Das Klos­ter besitzt eine sehr wech­sel­vol­le Geschich­te. Gestif­tet wur­de es mit Grün­dungs­brief vom 12. Okto­ber 1268 durch den Wet­ti­ner Mark­graf Hein­rich dem Erlauch­ten zum Geden­ken an sei­ne ver­stor­be­ne Ehe­frau Agnes.


- Anzei­ge -

Es ist Aus­grün­dung des mit­tel­deut­schen Zis­ter­zi­en­ser-Mut­ter­klos­ters Cel­la (heu­te Altzella/​Nossen, 1548 auf­ge­ho­ben), Linie Mori­mond. Der Kon­vent bestand ab 1281. Die Klos­ter­an­la­ge wur­de zu Beginn des 14. Jahr­hun­derts auf einem eigens dafür ange­leg­ten Pla­teau errichtet.

Wäh­rend der Hus­si­ten­krie­ge stand das Schick­sal des Klos­ters auf Mes­sers Schnei­de. Hus­si­ti­sche Trup­pen dran­gen weit bis nach Nor­den vor und zer­stör­ten im Jah­re 1429 das Klos­ter. Ihre Wei­ge­rung, die Leh­ren des Refor­ma­tors Jan Hus anzu­neh­men, bezahl­ten die Mön­che mit dem Leben. Seit­dem wer­den Abt Petrus (1408–1429), der am 10. Sep­tem­ber 1429 ermor­det wur­de, Pri­or Her­mann, Jakob Burs­a­ri­us und wei­te­re (ins­ge­samt etwa 20) Mön­che als Mär­ty­rer ver­ehrt. Ihr Gedenk­tag ist der 2. Okto­ber.

„1428 [sic!] dran­gen die Huſſi­ten in die Nie­der­lauſitz ein, erober­ten die Stadt Guben und über­fie­len das Kloſ­ter gewal­tſam und blut­dürſ­tig. Die ſämmt­li­chen Geiſt­li­chen des Kloſ­ters, unter denen ſich auch der Abt Petrus befand, wur­den von den Huſſi­ten auf das grauſamſ­te ver­ſ­tüm­melt und ermor­det, die, nach­dem ſie die Abtei ſammt der Kir­che ent­hei­ligt, alles aus­ge­plün­dert und ver­wüſ­tet hat­ten, auch die Kloſ­ter­ge­bäu­de und die Kir­che in Brand ſteck­ten, wel­che letz­te­re jedoch durch einen Lai­en­bru­der vor gänz­li­cher Ver­wüſ­tung bewahrt wur­de. Nur die gera­de abweſen­den Mön­che kamen mit dem Leben davon.” (Golz, S. 269)

Durch den Ver­kauf eini­ger der umfang­rei­chen Besit­zun­gen konn­te das Klos­ter wie­der­auf­ge­baut wer­den. Es über­stand die Refor­ma­ti­on und gehör­te nun­mehr zur böh­mi­schen Ordens­pro­vinz der Zis­ter­zi­en­ser. Im Pra­ger Frie­den von 1635 muss­ten die Habs­bur­ger die Nie­der­lau­sitz an Sach­sen abtre­ten. Die damals noch luthe­ri­sche Wet­ti­ner muss­ten im Tra­di­ti­ons­re­zess den Fort­be­stand des Klos­ters Neu­zel­le garan­tie­ren. Klos­ter Neu­zel­le war sogar bis zur Auf­lö­sung der Nie­der­lau­sit­zer Land­stän­de auf dem Land­tag vertreten.

Stift Neuzelle Anfang des 18 Jh.
Stift Neu­zel­le Anfang des 18 Jh.

Obwohl das Klos­ter im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges schwer beschä­digt wur­de, konn­ten die Mön­che zwei Jah­re nach dem West­fä­li­schen Frie­den zurück­eh­ren. Der aus Kärn­ten stam­men­de Abt Bern­hard von Schrat­ten­bach (gest. am 26. Febru­ar 1660), der zugleich Admi­nis­tra­tor des Bis­tums Mei­ßen war, ließ die Stifts­kir­che mit einer rei­chen baro­cken Aus­stat­tung ver­se­hen. Nach sei­nem Tod erfolg­ten wei­te­re Bau­maß­nah­men. Wäh­rend der fast 24jährigen Amts­zeit von Abt. Kon­rad Pro­che (1664÷69−1727) begann die gro­ße Bau­zeit im Sti­le des Barock. Nahe­zu alle heu­te noch erhal­te­nen Gebäu­de stam­men aus die­ser Zeit.

Infol­ge der Nie­der­la­ge Sach­sens in den Napo­leo­ni­schen Krie­gen ging im Ergeb­nis des Wie­ner Kon­gres­ses 1815 etwa ein Drit­tel sei­nes Staats­ge­bie­tes an Preu­ßen ver­lo­ren, dar­un­ter auch die Nie­der­lau­sitz mit dem Klos­ter Neu­zel­le. Wäh­rend es über die Jahr­hun­der­te auch nach der Refor­ma­ti­on im pro­tes­tan­ti­schen Sach­sen wei­ter­be­stehen durf­te, wur­de es durch König Fried­rich Wil­helm III. am 26. Febru­ar 1817 – als letz­tes Zis­ter­zi­en­ser­klos­ter in Deutsch­land – auf­ge­ho­ben. Preu­ßen hat­te zuvor ver­spro­chen, die geist­li­chen Stif­tun­gen wei­ter­be­stehen zu las­sen. Der letz­te Abt, Optatus Paul, durf­te bis zu sei­nem Tod am 14. Novem­ber 1819 im Klos­ter woh­nen bleiben.

Das Klos­ter wur­de in das staat­lich ver­wal­te­te Stift Neu­zel­le über­führt. Zeit­wei­lig dien­te das Klos­ter als Evan­ge­li­sches Leh­rer­se­mi­nar (1818−1922), Natio­nal­po­li­ti­sche Erzie­hungs­an­stalt (1934−1945) und Insti­tut für Leh­rer­bil­dung (1951−1985). Das Stift Neu­zel­le wie­der­um wur­de 1955 von der DDR auf­ge­löst. Seit 1996 wird das Klos­ter als Stif­tung ver­wal­tet und wur­de auf­wen­dig restau­riert und rekon­stru­iert. Gegen­wär­tig die­nen eini­ge Klos­ter­ge­bäu­de als Schul­ge­bäu­de für Gym­na­si­um und Ober­schu­le mit Inter­nat.

Die Klos­ter­kir­che St. Mariä Him­mel­fahrt blieb als Wall­fahrts- und Pfarr­kir­che erhalten.

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Wäh­rend ande­re Ordens­ge­mein­schaf­ten gro­ße Nach­wuchs­sor­gen pla­gen und sie des­halb Nie­der­las­sun­gen auf­ge­ben müs­sen, platzt das im Wie­ner­wald gele­ge­ne Klos­ter Hei­li­gen­kreuz aus allen Näh­ten. Zahl­rei­che Beru­fun­gen las­sen den Orden gedei­hen und ermög­li­chen es, neue Nie­der­las­sun­gen zu grün­den. Auf Ein­la­dung des Gör­lit­zer Bischofs Wolf­gang Ipolt beschloss im Novem­ber 2016 der Kon­vent der Zis­ter­zi­en­ser der Abtei Stift Hei­li­gen­kreuz das Klos­ter Neu­zel­le bis sei­nem 750-jäh­ri­gen Jubi­lä­um im Jah­re 2018 wie­der­zu­be­sie­deln. Der Grün­dungs­kon­vent soll zunächst acht Mön­che umfassen.

Gebet um Wie­der­be­sied­lung des Klos­ters Neu­zel­le von Bischof Ipolt

V Herr Jesus Christus,
du rufst zu allen Zei­ten und lädst ein,
sich dir zur Ver­fü­gung zu stellen
und Zeu­ge dei­nes Rei­ches zu sein.
Dei­ne Gegen­wart leuch­tet auf, wo gläu­bi­ge Menschen
dir fol­gen und durch ihr Gebet und ihre Arbeit
ande­re beglei­ten und stärken.
Voll Ver­trau­en prü­fen wir die Neugründung
eines Klos­ters in Neu­zel­le und bit­ten dich:
A Öff­ne unse­re Ohren für dei­ne Stimme,
damit wir sie auch heu­te vernehmen.
V Öff­ne unse­re Augen und wei­te unse­ren Blick
für die Auf­ga­ben, die du uns auf­tra­gen willst.
A Öff­ne unse­re Hän­de, damit wir in dei­nem Namen
geben kön­nen und mit Tat­kraft Neu­es wagen.
V Bewe­ge unse­ren Ver­stand und unser Herz,
damit wir erken­nen, wohin uns dein Ruf heu­te führt.
Ver­eint mit den Schwes­tern und Brü­dern im Bis­tum Görlitz
und den Mön­chen von Hei­li­gen­kreuz ver­trau­en wir uns
der Für­spra­che der Hei­li­gen an und rufen:
V Hei­li­ger Bene­dikt A bit­te für uns!
V Hei­li­ger Bern­hard A bit­te für uns!
V Hei­li­ge Hed­wig A bit­te für uns!
V Maria, Unse­re Lie­be Frau von Neu­zel­le A bit­te für uns!

Am Sonn­tag (27. August 2017) sind nun die ers­ten vier Mön­che in Neu­zel­le ein­ge­zo­gen. Zu ihnen gehört auch der künf­ti­ge Pri­or P. Sime­on Wes­ter OCist. Die Mön­che leben vor­erst im katho­li­schen Pfarr­haus,  fei­ern das Stun­den­ge­bet und täg­lich die die hl. Mes­se in latei­ni­scher Sprache.


 Begrü­ßung der Mön­che in Neu­zel­le (Quel­le: AGENCIA EFE – Youtube)

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Kar­ten­aus­schnitt aus: Johann Hüb­ner & Johann Bap­tist: Toti­us Mar­chio­na­tus Lusa­tiae tam supe­rio­ris quam infe­rio­ris Tabu­la spe­cia­lis in suos Comi­ta­tus et Domi­na­tus dis­tinc­ta. Norimbergae/​/​Nürnberg, s.a. [Anfang 18. Jahr­hun­dert] (Quel­le)

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