Pius X.
Catholica

„Vehementer nos“ – „Wir sind verzweifelt„
Der Antimodernisteneid des Hl. Papst Pius X.

21. August 2017

„Ich umfas­se fest und neh­me an alles und jedes Ein­zel­ne, was vom irr­tums­lo­sen Lehr­amt der Kir­che bestimmt, auf­ge­stellt und erklärt ist, beson­ders die Haupt­stü­cke ihrer Leh­re, die unmit­tel­bar den Irr­tü­mern der Gegen­wart ent­ge­gen sind.

Ers­tens: Ich beken­ne, dass Gott, der Ursprung und das Ende aller Din­ge, mit dem natür­li­chen Licht der Ver­nunft durch das, was geschaf­fen ist, d.h. durch die sicht­ba­ren Wer­ke der Schöp­fung, als Ursa­che mit­tels der Wir­kung, mit Sicher­heit erkannt und auch bewie­sen wer­den kann.

Zwei­tens: Ich aner­ken­ne die äuße­ren Beweis­mit­tel der Offen­ba­rung, d.h. die Wer­ke Got­tes, in ers­ter Linie die Wun­der und Pro­phe­zei­un­gen, als ganz siche­re Zei­chen des gött­li­chen Ursprungs der christ­li­chen Reli­gi­on. Ich hal­te fest, dass sie dem Geist aller Zei­ten und Men­schen, auch der Gegen­wart, auf das bes­te ange­passt sind.

Drit­tens: Fest glau­be ich, dass die Kir­che, die Hüte­rin und Leh­re­rin des geof­fen­bar­ten Wor­tes, durch den wah­ren und geschicht­li­chen Chris­tus selbst, wäh­rend sei­nes Lebens unter uns, unmit­tel­bar oder direkt ein­ge­setzt, und dass sie auf Petrus, den Fürs­ten der apos­to­li­schen Hier­ar­chie, und auf sei­ne ste­ten Nach­fol­ger gebaut wurde.

Vier­tens: Ohne Rück­halt neh­me ich die Glau­bens­leh­re an, die von den Apos­teln durch die recht­gläu­bi­gen Väter stets in dem­sel­ben Sinn und in der­sel­ben Bedeu­tung bis auf uns gekom­men ist. Des­halb ver­wer­fe ich ganz und gar die irr­gläu­bi­ge Erfin­dung der Ent­wick­lung der Glau­bens­sät­ze, die von einem Sinn zu einem andern über­gin­gen, der abwei­che von dem Sinn, den die Kir­che einst gemeint habe. Eben­so ver­wer­fe ich jeden Irr­tum, der das gött­li­che, der Braut Chris­ti über­ge­be­ne Ver­mächt­nis, das von ihr treu bewahrt wer­den soll, durch eine Erfin­dung unse­res Den­kens oder durch eine Schöp­fung des mensch­li­chen Bewusst­seins erset­zen will, das durch mensch­li­ches Bemü­hen lang­sam aus­ge­bil­det wur­de und sich in Zukunft in unbe­grenz­tem Fort­schritt voll­enden soll.

Fünf­tens: Als ganz sicher hal­te ich fest und beken­ne auf­rich­tig, dass der Glau­be nicht ein blin­des reli­giö­ses Gefühl ist, das aus dem Dun­kel des Unter­be­wusst­seins im Drang des Her­zens und aus der Nei­gung des sitt­lich geform­ten Wil­lens ent­springt, son­dern dass er eine wah­re Zustim­mung des Ver­stan­des zu der von außen durch Hören emp­fan­ge­nen Wahr­heit ist, durch die wir auf die Auto­ri­tät Got­tes des All­wahr­haf­ti­gen hin für wahr hal­ten, was uns vom per­sön­li­chen Gott, unserm Schöp­fer und Herrn, gesagt, bezeugt und geof­fen­bart wor­den ist.

In schul­di­ger Ehr­furcht unter­wer­fe ich mich mit gan­zem Her­zen und schlie­ße ich mich an allen Ver­ur­tei­lun­gen, Erklä­run­gen, Vor­schrif­ten, wie sie im Rund­schrei­ben „Pas­cen­di“ und im Ent­scheid „Lamen­ta­bi­li“ ent­hal­ten sind, beson­ders, inso­weit sie sich auf die soge­nann­te Geschich­te der Glau­bens­sät­ze beziehen.

Auch ver­wer­fe ich den Irr­tum derer, die behaup­ten, der von der Kir­che vor­ge­leg­te Glau­be kön­ne der Geschich­te wider­strei­ten und die katho­li­schen Glau­bens­sät­ze könn­ten in dem Sinn, in dem sie jetzt ver­stan­den wer­den, mit den Ursprün­gen der christ­li­chen Reli­gi­on, wie sie wirk­lich waren, nicht in Ein­klang gebracht werden.

Ich ver­ur­tei­le und ver­wer­fe auch die Auf­fas­sung derer, die sagen, ein gebil­de­ter Christ füh­re ein Dop­pel­da­sein, das Dasein des Gläu­bi­gen und das Dasein des Geschichts­for­schers, als ob es dem Geschichts­for­scher erlaubt wäre, fest­zu­hal­ten, was der Glau­bens­wahr­heit des Gläu­bi­gen wider­spricht, oder Vor­aus­set­zun­gen auf­zu­stel­len, aus denen sich ergibt, dass die Glau­bens­sät­ze falsch oder zwei­fel­haft sind, wenn man sie nur nicht direkt leugnet.

Ich ver­wer­fe eben­so eine Wei­se, die Hei­li­ge Schrift zu beur­tei­len und zu erklä­ren, die die Über­lie­fe­rung der Kir­che, die Ent­spre­chung zum Glau­ben und die Nor­men des Apos­to­li­schen Stuhls außer acht lässt, die sich den Erfin­dun­gen der Ratio­na­lis­ten anschließt und die Kri­tik am Tex­te eben­so uner­laubt wie unvor­sich­tig als ein­zi­ge und obers­te Regel anerkennt.

Auch die Auf­fas­sung derer ver­wer­fe ich, die dar­an fest­hal­ten, ein Leh­rer der theo­lo­gi­schen Geschichts­wis­sen­schaf­ten oder ein Schrift­stel­ler auf die­sem Gebiet müs­se zuerst jede vor­ge­fass­te Mei­nung vom über­na­tür­li­chen Ursprung der katho­li­schen Über­lie­fe­rung oder von einer Ver­hei­ßung der gött­li­chen Hil­fe zur ste­ten Bewah­rung einer jeden geof­fen­bar­ten Wahr­heit ableh­nen. Die Schrif­ten der ein­zel­nen Väter müss­ten nach rein wis­sen­schaft­li­chen Grund­sät­zen erklärt wer­den unter Aus­schluss jeder Auto­ri­tät und mit der­sel­ben Frei­heit des Urteils, mit der man jedes außer­kirch­li­che Denk­mal der Geschich­te erforscht.

End­lich beken­ne ich ganz all­ge­mein: Ich habe nichts zu schaf­fen mit dem Irr­tum, der die Moder­nis­ten glau­ben lässt, die hei­li­ge Über­lie­fe­rung ent­hal­te nichts Gött­li­ches, oder, was noch viel schlim­mer ist, der sie zu einer pan­the­is­ti­schen Deu­tung der Über­lie­fe­rung führt, so dass nichts mehr übrig­bleibt als die nack­te, ein­fa­che Tat­sa­che, die in einer Linie steht mit den gewöhn­li­chen Gescheh­nis­sen der Geschich­te, die Tat­sa­che näm­lich, dass Men­schen durch ihre eige­nen Bemü­hun­gen, durch ihre Sorg­falt und Ein­sicht die von Chris­tus und sei­nen Apos­teln begon­ne­ne Schu­le in den nach­fol­gen­den Zeit­ab­schnit­ten fort­setz­ten. So hal­te ich denn fest und bis zum letz­ten Hauch mei­nes Lebens wer­de ich fest­hal­ten den Glau­ben der Väter an die siche­re Gna­den­ga­be der Wahr­heit, die in der Nach­fol­ge des bischöf­li­chen Amtes seit den Apos­teln ist, war und immer sein wird, so dass nicht das Glau­bens­ge­gen­stand ist, was ent­spre­chend der Kul­tur eines jeden Zeit­ab­schnit­tes bes­ser und pas­sen­der schei­nen könn­te, son­dern dass nie­mals in ver­schie­de­ner Wei­se geglaubt, nie anders ver­stan­den wur­de die abso­lu­te, unab­än­der­li­che Wahr­heit, die seit Anfang von den Apos­teln gepre­digt wurde.

Ich gelo­be, dass ich das alles getreu, unver­sehrt und rein beob­ach­ten und unver­letzt bewah­ren, dass ich in der Leh­re oder in jeder Art von Wort und Schrift nie davon abwei­chen wer­de. So gelo­be ich, so schwö­re ich, so hel­fe mir Gott und die­ses hei­li­ge Evan­ge­li­um Got­tes.” („Anti­mo­der­nis­ten­eid” Pius X. motu pro­prio „Sacro­rum anti­s­ti­tum“)

Pius X., Wallfahrtsbasilika Altötting (eigenes Foto)
Pius X., Wall­fahrts­ba­si­li­ka Alt­öt­ting (eige­nes Foto)

Mons­ter­wel­len kön­nen auch gro­ße Oze­an­tan­ker auf den Mee­res­grund beför­dern oder zumin­dest schwer beschä­di­gen. Auch die See, durch die die Katho­li­sche Kir­che in die­sen Zei­ten steu­ern muss, ist rau und sehr gefähr­lich. Des­halb ist es wich­tig, einen Mann am Steu­er zu wis­sen, der den Kurs in siche­re Gewäs­ser klar kennt und das Steu­er fest in der Hand hält. Der Anti­mo­der­nis­ten­eid des Hl. Papst Pius X. ist zwei­fel­los ein Instru­ment, um Mann­schaft auf den rich­ti­gen Kurs ein­zu­schwö­ren. Denn was wäre ein Schiff, mit dem jeder an Bord nur sein eige­nes Ziel errei­chen will?

Heu­te ist der Gedenk­tag des Hl. Papst Pius X.:

  • gebo­ren am 2. Juni 1835 in Rie­se (Tre­vi­so) als Giu­sep­pe Sar­to, gestor­ben am 20. August 1914 in Rom
  • Papst von 1903 bis 1914 als Nach­fol­ger Leo XIII.
  • am 3. Juni 1951 von Papst Pius XII. selig- und am 29. Mai 1954 heiliggesprochen.
  • Patron der Son­nen­uh­ren­bau­er, Espe­r­an­tis­ten, Kate­che­ten und des Päpst­li­chen Wer­kes des Hei­li­gen Kindheit
  • senk­te das Min­dest­al­ter für den Emp­fang der Hl. Kom­mu­ni­on auf 7 Jahre
  • führ­te im Jah­re 1910 den Anti­mo­der­nis­ten-Eid ein (1967 von Papst Paul VI. wie­der abgeschafft)

„Vehe­men­ter nos“, „Wir sind ver­zwei­felt“, ist der Titel einer Enzy­kli­ka von 1906.

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