Deutschland | Zeitgeschehen

Ich will mich nicht an Terror gewöhnen 
Islamistischer Terrorismus ist kein Naturgesetz

19. August 2017

In nur weni­gen Stun­den erschüt­ter­te der isla­mis­ti­sche Ter­ro­ris­mus Euro­pa gleich mehr­fach: In Bar­ce­lo­na ras­te ein jugend­li­cher Isla­mist mit einem Klein­trans­por­ter in eine Men­schen­men­ge: 13 Men­schen star­ben und über 100 wur­den ver­letzt. In Cam­brils starb ein Mann bei einer Explo­si­on (der eigent­li­che Anschlag konn­te wohl ver­hin­dert wer­den) und im fin­ni­schen Tur­ku fie­len der mög­li­cher­wei­se eben­falls ter­ro­ris­ti­schen Stab­bing-Atta­cke zwei Men­schen zum Opfer. Acht wei­te­re wur­den ver­letzt. Schnell kam wie­der die Fra­ge auf, wie die sog. freie, west­li­che Welt mit ihrem Kon­zept einer offe­nen Gesell­schaft auf die neu­er­li­che Ter­ror­wel­le reagie­ren soll.

Der „Tages­spie­gel” führ­te sei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit die­ser Fra­ge unter der in mei­nen Augen ver­stö­ren­den Über­schrift „Die Gewöh­nung an den Ter­ror ist unver­zicht­bar”. Das ist nicht neu.


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Schon nach dem Anschlag von Niz­za im Juli 2016 stell­te Ter­ro­ris­mus­ex­per­te Rolf Topho­ven in der „Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen” fest: „Wir müs­sen uns an sol­che Bil­der gewöh­nen.” Damit war er auf einer Linie mit dem dama­li­gen fran­zö­si­schen Pre­mier­mi­nis­ter Manu­el Valls, der damals drei Staats­trau­er anord­ne­te und – so die „Huf­fing­ton Post“ – erklär­te: „Die Zei­ten haben sich geän­dert und wir soll­ten ler­nen, mit Ter­ro­ris­mus zu leben.” Oder mit Innen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re, der sei­ner­zeit in „Bild” zum Anschlag auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt am 19. Dezem­ber 2016 erklär­te: „Wir wer­den mit dem Ter­ror leben müs­sen“. Sadiq Khan, der Bür­ger­meis­ter von Lon­don, das wie­der­holt Schau­platz blu­ti­ger Ter­ror­an­schlä­ge war, behaup­te­te im Sep­tem­ber 2016 in einem Inter­view mit der Tages­zei­tung „The Inde­pen­dent“ sogar, dass Ter­ror­an­grif­fe zum Leben in einer Groß­stadt dazu gehö­ren.

Der „Tages­spie­gel” hat nun noch einen drauf gesetzt und stellt die Not­wen­dig­keit der Ter­ror­ge­wöh­nung nicht nur beschämt fest, son­dern sieht sie als „unver­zicht­bar” an:

„Der Mensch, die­ses anpas­sungs­fä­hi­ge, prag­ma­ti­sche Wesen, nimmt sich auch die Frei­heit, die Ter­ror­nach­rich­ten nicht all­zu nahe an sich her­an­kom­men zu las­sen. Das ist mehr als ein Selbst­schutz­me­cha­nis­mus.”

Defä­tis­mus hilft uns hier aber über­haupt nicht wei­ter. Denn das wäre eine Kapi­tu­la­ti­on vor dem Ter­ror. Ziel des Ter­ro­ris­mus ist die Zer­stö­rung einer Gesell­schaft von innen her­aus durch größt­mög­li­che Erschüt­te­rung ihres Selbst­ver­ständ­nis­ses. Ich las­se es des­halb zu, dass mich die Bil­der immer wie­der aufs Neue erschüt­tern. Ich will berührt wer­den, Angst und Wut emp­fin­den. Nein, ich stump­fe gegen­über dem Leid mei­ner Mit­men­schen nicht ab. Ich will alles tun, was ich zu tun ver­mag, damit es end­lich wie­der auf­hört.

An Unrecht gibt kei­ne Gewöh­nung und des­halb darf das von der eta­blie­ren poli­ti­schen Klas­se gefor­der­te „wei­ter wie bis­her” nicht geben.

„Was bedeu­tet es eigent­lich, dass wir uns »an den Ter­ror gewöh­nen« müs­sen?“, frag­te Dus­han Wege­ner schon vor gut einem Jahr in „Tichys Ein­blick”, kurz nach dem der Axt-Mör­der von Würz­burg und der Atten­tä­ter von Mün­chen unse­ren All­tag in Fra­ge stell­ten. Für einen Poli­ti­ker bedeu­te es, rund um die Uhr ver­füg­bar zu sein und für die Poli­zei und ihre Fami­li­en, dass jeder Dienst der letz­te sein kön­ne. Ein­fach des­halb weil es nun mal Auf­ga­be der Poli­zei sei, „die Welt vor Extre­mis­ten diver­ser Cou­leur” zu schüt­zen. Was bedeu­tet es nun aber für den Bür­ger? Dus­han Wege­ner emp­fin­det ange­sichts der per­ma­nen­ten Gefahr Angst, ein „all­mäh­lich stär­ker wer­den­de Bauch­grum­meln”. Dar­aus fol­ge dann ganz kon­kret die Ver­än­de­rung des Fami­li­en­all­tags schon bei der ganz ein­fa­chen Fra­ge: Wer geht wann mit wem wohin? Darf man es den Kin­dern erlau­ben, kann man es auf­grund sei­ner elter­li­chen Ver­pflich­tun­gen selbst noch wagen?

Ich sehe das nicht anders und viel den­ken mut­maß­lich eben­so. Seit­dem haben wir wei­te­re Ter­ror­to­te zu bekla­gen. Den­ken wir etwas an den Anschlag auf den Weih­nachts­markt am Ber­li­ner Breit­scheid­platz und die nun­mehr schon fünf offi­zi­ell aner­kann­ten Ter­ror­an­schlä­ge im Jahr 2017.

Der „Tages­spie­gel” preist uns nun die Beschrän­kung unse­rer Frei­heit als Vor­teil an: „Wir schrän­ken die Frei­heit ein, um sie uns zu bewah­ren.” Dass trotz Ter­ror und Leid nicht „das Ende der Frei­heit”. Man sei von Zustän­den in den Kriegs- und Kri­sen­ge­bie­ten des Nahen Ostens und Afri­kas noch weit ent­fernt.

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Aber wie lan­ge noch? Es sind näm­lich längst nicht nur die­se gro­ßen, medi­al prä­sen­ten „Terror”-Attacken, die unse­re Frei­heit in ihren Grund­fes­ten erschüt­tern. Ich ver­fol­ge auf­merk­sam die regio­na­le Pres­se, die sozia­len Medi­en und auch das, was unter Bekann­ten berich­tet wird. Wo ist es bedroh­lich? Wo und wann gab es Schlä­ge­rei­en unter und mit Migran­ten, wo hal­ten sich deren Män­ner­grup­pen auf, wo gab es Über­fäl­le oder sexu­el­le Über­grif­fe. Her­aus gekom­men ist dabei ein Ver­mei­dungs­ver­hal­ten. Eine Ein­schrän­kung des bis­her All­täg­li­chen und Selbst­ver­ständ­li­chen. Ein Ver­lust an Frei­heit.

Der wei­len besteht eine gewis­se Dis­kre­panz eige­ner Recher­chen und Wahr­neh­mun­gen zur ver­öf­fent­lich­ten Mei­nung. Vor allem aber zu den Ver­laut­ba­run­gen und schließ­lich zum Han­deln der eta­blier­ten poli­ti­schen Klas­se. Und nun lesen wir weni­ge Stun­den, nach­dem in Euro­pa zahl­rei­che Men­schen aus dem Leben geris­sen oder teil­wei­se schwer ver­letzt wur­den, wir müss­ten uns dar­an gewöh­nen?

Was wird da eigent­lich ver­langt? Es ist nicht nur ein Ver­zicht auf Frei­heit, son­dern zugleich die per­sön­li­che Hin­nah­me von Unrecht, Ver­bre­chen, Gewalt bis hin zu Mord. Und zur glei­chen Zeit ereilt uns das Knöll­chen vom Ord­nungs­amt wegen Falsch­par­kens mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit.

Ich kann und will mich mit dem Ter­ror nicht abfin­den. Denn dann wür­de ich eine schwe­re mora­li­sche Schuld auf mich laden. Denn die­ser, der isla­mis­ti­sche Ter­ror (auch der poli­tisch moti­vier­te von Rechts und Links) ist regel­mä­ßig ver­meid­bar.

Euro­pa ist kei­nes­wegs dem Ter­ror so hilf­los aus­ge­lie­fert, wie uns oft­mals sug­ge­riert wird. Euro­pa ist wehr­haft, Deutsch­land ist wehr­haft, Demo­kra­tie und Rechts­staat sind wehr­haft. Bei der „Süd­deut­schen” hat man erkannt, dass es sehr wohl mehr Schutz vor Ter­ror geben kann und es kei­ne Lösung sei, ver­ängs­tig­te Bür­ger mit einem Schul­ter­zu­cken abzu­spei­sen:

„Bei der Debat­te über Instru­ment und Metho­de darf das Miss­trau­en nicht reflex­haft auf die Sicher­heits­be­hör­den gelenkt oder der Bür­ger mit einem fata­lis­ti­schen „Das ist eben so“ abge­speist wer­den. Der Haupt­ver­dacht muss Urhe­bern und Fuß­sol­da­ten des Dschi­had gel­ten.”

Die „SZ” for­dert des­halb, sich dem Ter­ror mit „geball­ter Wucht” ent­ge­gen zu stel­len. Mili­tan­ter Isla­mis­mus dür­fe nicht län­ger durch die Reli­gi­ons­frei­heit geschützt wer­den und poli­zei­be­kann­ten Isla­mis­ten nicht die Mög­lich­keit gege­ben wer­den, den­noch Anschlä­ge zu bege­hen. Es darf nicht ver­ges­sen wer­den, dass seit 911 welt­weit über eine hal­be Mil­li­on Men­schen durch isla­mis­ti­schen Ter­ror getö­tet oder ver­letzt wor­den sind! Der Islam ist daher eine aus­ge­spro­chen lebens­ge­fähr­li­che Reli­gi­on.

An die­ser Stel­le wer­fe ich den Regie­ren­den Ver­sa­gen vor. Wir, die Bür­ger die­ses Lan­des, das Staats­volk, wer­den nicht nur vor dem Ter­ror nicht aus­rei­chend geschützt. Nein, wir wer­den ihm sehen­den Auges aus­ge­setzt. Wir haben eine Zeche zu zah­len, die wir – wohl mehr­heit­lich – nicht bestellt haben.

Ter­ro­ris­mus ist in den Zei­ten offe­ner (Schengen-)Grenzen immer ein euro­päi­scher. Paris und Bar­ce­lo­na sind in die­sem Sin­ne nicht wei­ter ent­fernt als Ber­lin und Ham­burg. Aber Ter­ro­ris­mus ist mehr als eine Lau­ne der Natur, ist weder gott­ge­wollt noch Zufall. Er ist vor allem eines: ver­meid­bar. Vera Lengs­feld im Dezem­ber 2016 in ihrem Blog:

„Jeder weiß, dass Leben lebens­ge­fähr­lich ist – von der Wie­ge bis zur Bah­re. Aber Ter­ro­ris­ten sind kei­ne Blit­ze, Tsu­na­mis, Orka­ne, her­ab­fal­len­de Dach­zie­gel oder sonst ein Unglück, dass jeden tref­fen kann. Ter­ro­ris­ten sind nicht hin­zu­neh­men und zu erdul­den, son­dern zu bekämp­fen.”

Isla­mis­ti­scher Ter­ro­ris­mus ist wie eine Seu­che, die man als eine sol­che bekämp­fen muss. Anstatt die Opfer zu betrau­ern und die Sym­pto­me zu lin­dern, muss sie an der Wur­zel gepackt wer­den. Sei­ne Wur­zeln ste­cken im sel­ben Nähr­bo­den wie die der ande­ren, inzwi­schen all­täg­lich gewor­de­nen Über­grif­fe mus­li­mi­scher Migran­ten auf die ange­stamm­te Bevöl­ke­rung und der heißt Islam.

Wenn wir uns an den Ter­ror, an das Böse, gewöh­nen, so hat der Isla­mis­mus sein Ziel erreicht. Sich „zu gewöh­nen” heißt näm­lich, sich der – wie Alex­an­der Kiss­ler sie im „Cice­ro” benann­te – „Mecha­nik des Trau­erns” hin­zu­ge­ben, die auch uns ver­ro­hen las­se und letzt­lich den Ter­ro­ris­ten in die Hän­de spie­le.

„Jedes Ach­sel­zu­cken geht den Fana­ti­kern auf den Leim, weil es den Isla­mis­mus des 21. Jahr­hun­derts in den Rang einer natur­wüch­si­gen Macht erhebt. Das ist er nicht. Er ist men­schen- und reli­gi­ons­ge­macht. Er wird nicht ver­schwin­den, solan­ge Mensch und Reli­gi­on sich nicht ändern.“

Wenn der Islam jemals zu Euro­pa gehö­ren will, braucht er eine grund­le­gen­de Ver­än­de­rung. Er muss sich von Gewalt als legi­ti­mes Mit­tel eben­so abwen­den, wie er die Reli­gi­ons­frei­heit jedes ein­zel­nen Men­schen sowie die Tren­nung von Staat und Reli­gi­on tren­nen ler­nen.


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Ter­ro­ris­mus und Islam zusam­men. So der Islam­ge­lehr­te Kyai Haji Yahya Cho­lil Staquf, Gene­ral­se­kre­tär der größ­ten Mus­lim-Ver­ei­ni­gung Indo­ne­si­ens, aus aktu­el­lem Anlass in der F.A.Z . Sei­ner Ansicht nach füh­re die Ein­stel­lung der Mus­li­me gegen­über Nicht­mus­li­men sowie zu Staat und Recht zu Segre­ga­ti­on und Feind­schaft. Es gäbe zu vie­le Mus­li­me, die der Ansicht sei­en, dass die west­li­che Lebens­wei­se, die ein fried­li­ches Mit­ein­an­der ver­schie­de­ner Reli­gio­nen beinhal­te, bekämpft wer­den müs­se. Der Imam äußert auch Ver­ständ­nis für die zuneh­men­de Angst des Wes­tens vorm Islam und nennt das Tabu­the­ma beim Namen:

„Es gibt einen ganz kla­ren Zusam­men­hang zwi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus, Ter­ror und Grund­an­nah­men der isla­mi­schen Ortho­do­xie“.

Die Zusam­men­hän­ge – die auch Ima­min Sey­ran Ates aus Ber­lin beim Namen nennt – müss­ten deut­lich ange­spro­chen wer­den und der Wes­ten müs­se end­lich damit auf­hö­ren, „das Nach­den­ken über die­se Fra­gen für isla­mo­phob zu erklä­ren.“

Sey­ran Ates weißt die Sprach­re­ge­lung, dass die­ser Ter­ro­ris­mus nichts mit dem Islam als sol­chem zu tun habe und die Täter kei­ne Mus­li­me sei­en zurück. Auch sie wür­den fünf Mal am Tag beten und Mosche­en besu­chen – wie Mus­li­me das eben so tun. Für muti­ge Wor­te wie die­se und ihre Suche nach einem libe­ra­len Islam muss die­se muti­ge Frau mit mehr Poli­zei­schutz leben, als ein Minis­ter! Sie wird mas­siv bedroht und zwar nicht vom IS, son­dern angeb­lich so nor­ma­len Mus­li­me. Denen ist vor allem ein Dorn im Auge, dass Ates‘ Inter­pre­ta­ti­on des Islam die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau ein­schließt. In ihrer Moschee dür­fen die Geschlech­ter gemein­sam und Frau­en ohne Kopf­tuch beten.

Ich hal­te es für ziem­lich aus­ge­schlos­sen, dass es in nächs­ter Zukunft zu einem wirk­lich kri­ti­schen Umgang mit dem Islam in Euro­pa kom­men wird. Dafür wird es am 24. Sep­tem­ber vor­erst (noch?) kei­ne Mehr­heit geben.

Gleich­wohl hat die noch amtie­ren­de Regie­rung jüngst bereits eine ganz eige­ne Ent­schei­dung im Umgang mit der Ter­ror­ge­fahr getrof­fen. Der israe­li­sche Ter­ro­ris­mus­ex­per­te Niz­an Nuri­el (der nicht glaubt, dass wir den Ter­ro­ris­mus je wie­der völ­lig besei­ti­gen kön­nen) hat­te nach Niz­za in einem Gespräch mit dem „Süd­ku­rier“ fest­ge­stellt, dass man sich in Euro­pa end­lich zwi­schen der eige­nen Sicher­heit und Men­schen­rech­ten ent­schei­den müs­se und nicht nur dar­über dis­ku­tie­ren.

Seit­dem hat es – etwa durch das Netz­werk­durch­su­chungs­ge­setz – bereits eine mas­si­ve Beschrän­kung unse­rer Frei­heit gege­ben. Aber in der Pra­xis rich­tet sie sich viel weni­ger gegen isla­mis­ti­sche Het­zer, son­dern gegen deren Kri­ti­ker. Wer die Miss­stän­de beim Namen nennt, muss viel eher Repres­sa­li­en erdul­den, als der­je­ni­ge, der die zu ver­ant­wor­ten hat. Das Pro­blem wird nach wie vor auf der fal­schen Sei­te ver­mu­tet. Damit hat die Bun­des­re­gie­rung dem Kampf gegen den Ter­ror einen Bären­dienst erwie­sen.

Letz­te Aktua­li­sie­rung: 21. Jun 2018 @ 16:48

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