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Alles nur Routine?
OSZE schickt Wahlbeobachter nach Deutschland

1. August 2017

Als ich die­se Schlag­zei­le eben bei „Zeit Online” gele­sen habe – „OSZE schickt Wahl­be­ob­ach­ter nach Deutsch­land” – konn­te man sozu­sa­gen das gro­ße Fra­ge­zei­chen über mei­nem Kopf auf­blin­ken sehen.  Tat­säch­lich: Drei bis fünf Beob­ach­ter der Orga­ni­sa­ti­on für Sicher­heit und Zusam­men­ar­beit in Euro­pa (OSZE) sol­len dar­über wachen, ob bei der Bun­des­tags­wahl am 24. Sep­tem­ber 2017 alles mit rech­ten Din­gen zugeht. Sowohl die Bun­des­re­gie­rung als auch die AfD hat­ten sich an die Men­schen­rechts­in­sti­tu­ti­on ODIHR (Office for Demo­cra­tic Insti­tu­ti­ons and Human Rights) der OSZE in War­schau und um die Ent­sen­dung der Wahl­be­ob­ach­ter gebe­ten.

Kri­tik­punk­te sind Defi­zi­te bei der Chan­cen­gleich­heit im Wahl­kampf und bei des­sen Finan­zie­rung, sowie die Rol­le der Medi­en, deren Bericht­erstat­tung die AfD als stig­ma­ti­sie­rend emp­fin­det. Im Needs Assess­ment Mis­si­on Report vom 1. August 2017 ist zu lesen [anschlie­ßen­de Über­set­zung von mir]:

„Most OSCE/​ODIHR NAM [Needs Assess­ment Mis­si­on] inter­lo­cu­tors con­s­i­de­red the cam­pai­gn envi­ron­ment open and free. Howe­ver, some OSCE/​ODIHR NAM inter­lo­cu­tors expres­sed con­cerns regar­ding the oppor­tu­ni­ty to cam­pai­gn free­ly and noted a signi­fi­cant num­ber of recent poli­ti­cal­ly moti­va­ted inci­dents, inclu­ding phy­si­cal attacks, most­ly tar­ge­ting the Alter­na­ti­ve for Ger­ma­ny (AfD). In gene­ral, and with regard to the com­ple­te poli­ti­cal spec­trum the Minis­try of Inte­ri­or, regis­te­red a rise in the num­ber of poli­ti­cal­ly moti­va­ted cri­mes by 6.6 per cent in 2016.“

„Die meis­ten Gesprächs­part­ner der OSZE/​ODIHR NAM [„Bedarfs­er­mit­tungs­mis­si­on“] betrach­te­ten die Kam­pa­gnen­um­ge­bung als offen und frei. Aller­dings äußer­ten eini­ge Gesprächs­part­ner der OSZE/ODIHR-NAM Beden­ken hin­sicht­lich der Mög­lich­keit, frei zu kämp­fen und bemerk­ten eine beträcht­li­che Anzahl von jüngs­ten, poli­tisch moti­vier­ten Vor­fäl­len, ein­schließ­lich phy­si­scher Angrif­fe, die meis­tens auf die Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) aus­ge­rich­tet sind. Im All­ge­mei­nen und im Hin­blick auf das gesam­te poli­ti­sche Spek­trum ver­zeich­ne­te das Innen­mi­nis­te­ri­um einen Anstieg der Zahl der poli­tisch moti­vier­ten Ver­bre­chen um 6,6 Pro­zent im Jahr 2016.”

Unab­hän­gig von ihrer poli­ti­schen Aus­rich­tung soll­ten allen Par­tei bei Wah­len zwei­fel­los die glei­chen Chan­cen gege­ben wer­den. Ansons­ten lei­det die Demo­kra­tie erheb­lich Schlag­sei­te. Wie unzu­rei­chend und schwach müs­sen die Argu­men­te jener sein, die sich unfai­rer Mit­tel bis hin zu Gewalt bedie­nen „müs­sen”? Es wird auf jeden Fall inter­es­sant, ob die Wahl­be­ob­ach­ter die Beden­ken ent­kräf­ten kön­nen. Das wäre auf jeden Fall gut für die Demo­kra­tie, denn unser Land ist schon tief genug zer­ris­sen.


P.S.: Neu­er­dings habe ich bei vie­len mei­ner Bei­trä­ge einen klei­nen Ghost­wri­ter: Noah, mein drei Mona­te alter Bir­ma-Kater, liebt es, auf mei­ner Tas­ta­tur her­um zu spa­zie­ren. Lei­der ent­spre­chen sei­ne Tex­te meist nicht so ganz mei­nen Vor­stel­lun­gen und sind sehr kryp­ti­scher Natur.

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