Hamburg
Zeitgeschehen

Wegsehen – Relativieren – Verdrängen 
Von der Unfähigkeit, Probleme einzugestehen

15. Juli 2017

Manch­mal den­ke ich, aus­län­di­sche Jour­na­lis­ten schrei­ben über ein ganz ande­res Land als ihre deut­schen Kol­le­gen, wenn sie über Deutsch­land schrei­ben. Sie spre­chen die Pro­ble­me an, die vie­len unaus­ge­spro­che­nen unter den Nägeln bren­nen.

Da ist vor allem die Ohn­macht von Staat und (eta­blier­ter) Poli­tik, sobald es dar­um geht, Pro­ble­me anders als durch zer­re­den und rela­ti­vie­ren zu lösen. Die Kir­chen sind da übri­gens auch nicht viel bes­ser auf­ge­stellt. Das Zau­ber­wort heißt „Dia­log”.


- Anzei­ge -

Für „Gut­men­schen” passt es nicht ins ideo­lo­gi­sche Sche­ma, dass es Situa­tio­nen gibt, in denen sich Pro­ble­me, ja Gefah­ren und sogar exis­ten­ti­el­le Bedro­hun­gen nicht weg­quat­schen und aus­sit­zen las­sen. Das muss­ten die Opfer der links­ter­ro­ris­ti­schen und isla­mis­ti­schen Gewalt am eige­nen Leib spü­ren, vie­le ande­re auch. Und es wer­den mehr und nicht weni­ger.

Was ist ein Staat wert, der die Sicher­heit sei­ner Bür­ger nicht mehr gewähr­leis­ten kann? Was tau­gen Poli­ti­ker, die vor einer klei­nen, ideo­lo­gisch ver­blen­det Ent­wick­lung Min­der­heit, regel­mä­ßig den Schwanz ein­zieht und zugleich die eige­nen staats­er­hal­ten­den Bür­ger beschimpft? Was sind Demo­kra­tie und Rechts­staat noch wert, wenn sie Stück für Stück dem eige­nen Macht­er­halt geop­fert wer­den? Was taugt eine poli­ti­sche Debat­te ohne unvor­ein­ge­nom­men Wett­streit der Ide­en und Zie­le? Medi­en? Bil­dung? Bun­des­wehr? Außen­po­li­tik? Jus­tiz? – Eine öffent­li­che, plu­ra­lis­ti­sche Debat­te, die auch in einem Fort­be­stand der Kon­tro­ver­se enden darf, fin­det dar­über längst nicht mehr statt. In der NZZ heißt es des­halb zutref­fend:

„Zugrun­de liegt dem ein Poli­tik­ver­ständ­nis, wonach es kei­ne Kon­flik­te mehr gibt, die sich nicht im Dis­kurs auf­lö­sen las­sen. Dazu gehört ein Jar­gon der Unei­gent­lich­keit, der alle Pro­ble­me klein­re­det.”

Das Schlimms­te ist frei­lich, dass es kei­ner­lei Aus­sicht gibt, durch die eige­ne, indi­vi­du­el­le Wahl­ent­schei­dung bei der Bun­des­tags­wahl hier­an etwas zu ändern.

Den gan­zen Arti­kel der NZZ gibt es hier: Die deut­sche Poli­tik und die Kra­wal­le: Bit­te weg­se­hen, bit­te ver­drän­gen!

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