Hamburg
Zeitgeschehen

Schuld sind immer die anderen und die Polizei sowieso
Wie Linke ihre Mitverantwortung von sich weisen

9. Juli 2017

Die Bil­der von den Ver­wüs­tun­gen, die kri­mi­nel­le Chao­ten in den letz­ten Tagen in Ham­burg ange­rich­tet haben, wer­den wir wohl nie ver­ges­sen. Bren­nen­de Autos und Bar­ri­ka­den, schwarz-ver­mumm­te Gestal­ten, die Stei­ne auf Men­schen wer­fen, ver­wüs­te­te und geplün­der­te Läden, zer­bors­te­ne Schei­ben… Aber da sind gleich­zei­tig auch Men­schen zu sehen, die sich vor dem Hin­ter­grund die­ser Kulis­se prah­le­risch auf Sel­fies ablich­ten, die­sel­ben und ande­re, die den wie­der­hol­ten Auf­for­de­run­gen der Poli­zei nicht Fol­ge leis­ten und sich gera­de nicht aus dem Dunst­kreis der maro­die­ren­den Irren ent­fer­nen. Da sieht man Jour­na­lis­ten, die die Poli­zei dabei behin­dern, die Lage end­lich in den Griff zu bekom­men und die die Gewalt­tä­ter zu stop­pen, um dann am Ende noch über die Ver­let­zung der Pres­se­frei­heit zu lamen­tie­ren. Ver­stör­te Anwoh­ner fil­men aus ihren Woh­nun­gen fas­sungs­los, wie der Mob auch in ihre Stra­ße ein­dringt, ihre Autos anzün­det und alles kurz und klein haut.

Und schließ­lich sind dann noch jene, die man fast nicht im Fern­se­hen zu sehen bekommt. Sie sit­zen zum Teil weit weg, sicher und bequem, nen­nen sich Jour­na­lis­ten, Redak­teu­re, Poli­ti­ker, Fach­leu­te. Und sie freu­en sich heim­lich oder auch offen über das, was uns ent­setzt. Es sei ja alles nicht so schlimm und sowie­so ist immer die Poli­zei schuld und am Ende nut­ze ja oben­drein nur den Rechts­ex­tre­mis­ten…

Screenhsot Twit­ter

Es mag sein, dass ich jetzt pau­scha­li­siert und auch über­trie­ben habe. Genau das haben die, über die ich eben schrieb aber auch getan. Die inzwi­schen frisch­ge­ba­cke­ne Minis­ter­prä­si­den­tin von Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Manue­la Schwe­sig, hat­te uns ja schon vor­her die Welt erklärt: Pro­ble­me mit Links­ex­tre­mis­mus sei­en nur auf­ge­bauscht und des­halb brauch man für die Bekämp­fung des­sel­ben auch kei­ne Steu­er­gel­der mehr zu ver­schwen­den. Außer­dem sei­en das gar kei­ne Lin­ken gewe­sen:

Screen­shot Twit­ter

Schaut man in die­se Tagen bei Twit­ter oder Face­book vor­bei, so fühlt man sich in eine ande­re Welt ver­setzt. Unzäh­li­ge Stim­men erhe­ben sich hier gegen Gewalt und Zer­stö­rung, gegen Extre­mis­mus (auch von Links), stel­len sich hin­ter die Poli­zei und deren Vor­ge­hen und ver­wei­sen Ver­harm­lo­ser, Rela­ti­vie­rer und ande­re Wirr­köp­fe deut­lich in die Schran­ken.

Wel­che Welt ist die rea­le? Was ist Lüge, was ist Täu­schung, was ist Fake?

Screen­shot Twit­ter

Kön­nen wir die Mär von den fried­li­chen Demons­tran­ten, die sich nur gegen die Pro­vo­ka­tio­nen einer gewalt­gei­len Poli­zei zur Wehr set­zen, glau­ben? – Nein, wir kön­nen es nicht nicht!

Ich habe selbst nur an weni­gen poli­ti­schen  Demons­tra­tio­nen teil­ge­nom­men. Das damals, als ich fast noch ein Kind war. Damals, als die Mau­er noch Deutsch­land trenn­te und es dar­um ging, Löcher in sie hin­ein zu schla­gen. Mei­ne Oma hat­te eine Fah­ne für mich genäht. Die habe ich mit­ge­nom­men und stolz geschwenkt. Wir rie­fen „kei­ne Gewalt” und wie durch ein Wun­der blieb es fried­lich. Und irgend­wann war die Mau­er weg, das DDR-Unrechts­re­gime auch und Deutsch­land war wie­der ein Land. Aber wir hat­ten damals kei­ne Stei­ne ins den Taschen, kei­ne Zwil­le nebst Stahl­ku­geln, kei­ne Molo­tow-Cock­tails (oder deren Bau­tei­le), son­dern bes­ten­falls Blu­men, um sie den Volks­po­li­zis­ten als Zei­chen der Fried­fer­tig­keit zu über­rei­chen. Kurz gesagt, ich habe selbst erlebt, was fried­li­cher Pro­test ist und dass es kei­ne Gewalt braucht, um Ber­ge zu ver­set­zen.

War­um aber die­se Gewalt, die­se Zer­stö­rung? Ich behaup­te, es ging die­sen Ver­bre­chern nicht um fried­li­chen Pro­test oder gar um Dia­log. Nein, es ging allein um Zer­stö­rung. Auch das hart erar­bei­tet Eigen­tum der ein­fa­chen Leu­te war nicht ver­schont wor­den, auch nicht der Klein­wa­gen eines Pfle­ge­diens­tes, nicht der klei­ne Laden von neben­an. Kli­en­tel, das „Lin­ken” angeb­lich beson­ders am Her­zen liegt. Es ging nicht um Soli­da­ri­tät, son­dern um Destruk­ti­on.

Frei­lich ging akti­ve Gewalt nur von einer Min­der­heit aus. Aber es war bereits vor­her klar erkenn­bar und auf­grund jah­re­lan­ger Erfah­run­gen gera­de­zu vor­her­seh­bar, dass es zu Aus­schrei­tun­gen kom­men wür­de. Das deut­sche Ver­samm­lungs­recht umfasst ein kla­res Ver­mum­mungs­ver­bot. Wenn jemand sei­ne Iden­ti­tät ver­ber­gen will, will er für das, was er vor hat, nicht ein­ste­hen. Das kann nichts Gutes oder Erlaub­tes sein. Jeden­falls nicht als Teil­neh­mer einer poli­ti­schen Demons­tra­ti­on (mit Stei­nen und Zwil­le in der Tasche). Wer Ver­mumm­te dul­det, macht sich mit­ver­ant­wort­lich für deren Exzes­se, zumin­dest mora­lisch.

Zu Schluss ver­lin­ke ich noch einen sehr lesens­wer­ten Bei­trag aus dem FAZ-Blog, der sich mit der Beschö­ni­gung und Ver­harm­lo­sung der Vor­gän­ge aus­ein­an­der setzt: Der Gip­fel, der Links­ex­tre­mis­mus, sei­ne Hel­fer und ihre Aus­re­den – Deus ex Machi­na

Nach­trag:

Eine erfri­schend rea­lis­ti­sche Pres­se­stim­me: Was ich ges­tern bei der G20-Höl­len­de­mo gese­hen habe, widert mich an

Und noch ein Kom­men­tar bei – Hört, hört! – Spie­gel Online: Gewalt beim Gip­fel:  Kampf den Zwerg­ha­sen!

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