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„Widerstandskämpfer Gottes“ 
Zum Tode von Joachim Kardinal Meisner

5. Juli 2017

Eigent­lich woll­te ich heu­te (5. Juli 2017) über ein ganz ande­res The­ma schrei­ben: Näm­lich dar­über, dass man bei der sowie­so schon kri­sen­ge­schüt­tel­ten Bun­des­wehr nun auch noch vor dem im Ham­burg anläss­lich des G20-Gip­fels ver­sam­mel­ten euro­päi­schen Links­ex­tre­mis­mus ein­ge­knickt ist und die Uni­form ablegt. Las­sen wir das The­ma jetzt.

Es geht heu­te um einen ande­ren Kämp­fer. Heu­te mor­gen – so teil­te das Erz­bis­tum Köln auf sei­ner Face­book-Sei­te mit – ist der frü­he­re Bischof von Ber­lin und Erz­bi­schof von Köln, Joa­chim Kar­di­nal Meis­ner, ver­stor­ben.

Facebook-Seite des Erbzistums Köln (Screenshot)
Face­book-Sei­te des Erb­zis­tums Köln (Screen­shot)

Er nann­te sich selbst einst „Wider­stands­kämp­fer Got­tes“. Uner­schüt­ter­lich im Glau­ben und fest zum Leh­re der Kir­che ste­hen­de, leg­te er immer wie­der den Fin­ger in die Wun­de.

Neh­men wir ein poli­tisch auf den ers­ten Blick eher unver­däch­ti­ges Bei­spiel, den Köl­ner Kir­chen­fens­ter­streit von 2007. Der Künst­ler Ger­hard Rich­ter hat­te für den alt­ehr­wür­di­gen Dom zu Köln ein abs­trakt gehal­te­nes Kir­chen­fens­ter ent­wor­fen, das auf­grund sei­ner Bil­der­lo­sig­keit – so Kar­di­nal Meis­ner – bes­ser in ein Moschee oder Syn­ago­ge gepasst hat. So war sei­ner­zeit indi­vi­du­ell der Ber­li­ner Zei­tung zu lesen. Damit war – so damals die Ber­li­ner Zei­tung – der Skan­dal gebo­ren und zitier­te den dama­li­gen (irdi­schen) Haus­her­ren des Köl­ner Doms:

„Ver­ges­sen wir nicht, dass es einen unauf­gebba­ren Zusam­men­hang zwi­schen Kul­tur und Kult gibt?“

„Wo die Kul­tur vom Kul­tus, von der Got­tes­ver­eh­rung abge­kop­pelt wird, erstarrt der Kul­tus im Ritua­lis­mus und die Kul­tur ent­ar­tet. Sie ver­liert ihre Mit­te.“

Ich behaup­te, auch die oft­mals spi­ri­tu­ell abtör­nen­de oder sogar ver­stö­ren­de zeit­ge­nös­si­sche Kir­chen­ar­chi­tek­tur und -kunst ist ein Aspekt der Glau­bens­kri­se der katho­li­schen Kir­che der west­li­chen Welt.

Fazit: Kar­di­nal Meis­ner war ein Meis­ter, wenn es dar­um ging, den Fin­ger in die Wun­de zu legen. Es gibt auch weit­aus Schlim­me­res als Rich­ters Kir­chen­fens­ter, das auf mich zwar deko­ra­tiv aber in die­ser katho­li­schen Aus­sa­ge­lo­sig­keit eben nicht Teil der in Stein gehaue­nen Heils­bot­schaft der wohl bedeu­tends­ten deut­schen Kathe­dra­le ist. Der Katho­li­zis­mus ist eine sehr sinn­li­che Reli­gi­on, die mehr als ande­re von und mit Bil­dern lebt und damit auch aus­drück­lich kein Bil­der­ver­bot (wie etwa der Islam) kennt.

Über­haupt warn­te Kar­di­nal Meis­ner bereits früh­zei­tig – 2001 – vor den Gefah­ren des sich aus­brei­ten­den Islams:

„Ich ken­ne kein isla­mi­sches Land, das tole­rant ist. Tole­ranz pre­digt der Islam immer nur dort, wo er in der Min­der­heit ist.”

Schon damals zwei­fel­te er an der Bereit­schaft der in Deutsch­land leben­den Mus­li­me, das Wer­te­sys­tem der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land anzu­er­ken­nen:

„Unse­re Ver­fas­sung ver­langt ein Vor­ver­ständ­nis von Wür­de des Men­schen, von Tole­ranz, von Frei­heit. Ich fra­ge: Brin­gen alle unse­re mus­li­mi­schen Mit­bür­ger die­ses Ver­ständ­nis immer mit?” (Die „Bun­te”, Novem­ber 2001, Zita­te nach Spie­gel-Online)

Er leg­te sich mit vie­len an. Am Ende sei­nes irdi­schen Lebens auch mit Papst Fran­zis­kus. Die­ser hat­te in sei­nem nach­syn­oda­len apos­to­li­schen Schrei­ben „Amo­ris lae­ti­tia” in Bezug auf die Zulas­sung von Wie­der­ver­hei­ra­te­ten zur Hl. Kom­mu­ni­on die bis­lang herr­schen­de Klar­heit durch all­ge­mei­ne Ver­wir­rung ersetzt.

Dar­auf­hin sahen sich vier Kar­di­nä­le (Wal­ter Brand­mül­ler, Ray­mond Leo Bur­ke, Car­lo Caf­farra und Joa­chim Meis­ner) ver­an­lasst, den Papst zu einer Klar­stel­lung auf­zu­for­dern. In ihrer Dubia vom 19. Sep­tem­ber 2016 (pdf – deutsch) rich­te­ten sie fünf Fra­gen an den Papst:

  1. Kön­nen wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne zur Hl. Kom­mu­ni­on zuge­las­sen wer­den?
  2. Ist die Leh­re „über die Exis­tenz abso­lu­ter mora­li­scher Nor­men, die ohne Aus­nah­me gel­ten und in sich schlech­te Hand­lun­gen ver­bie­ten, noch gül­tig?”
  3. Kann sich eine „Per­son, die habi­tu­ell im Wider­spruch zu einem Gebot des Geset­zes Got­tes lebt” (nach Amo­ris lae­ti­tia) noch „in einer
    objek­ti­ven Situa­ti­on der habi­tu­el­len schwe­ren Sün­de” befin­den?
  4. Ist die auf „die Tra­di­ti­on der Kir­che gegrün­de­te Leh­re der Enzy­kli­ka „Veri­ta­tis Splendor“ (Nr. 81) des hei­li­gen Johan­nes Paul II.” über „Umstän­de, wel­che die mora­li­sche Ver­ant­wort­lich­keit ver­min­dern” wei­ter­hin gül­tig?
  5. Des­glei­chen die Leh­re des hei­li­gen Johan­nes Paul II., „die eine krea­ti­ve Inter­pre­ta­ti­on
    der Rol­le des Gewis­sens aus­schließt und bekräf­tigt, dass das Gewis­sen nie­mals dazu auto­ri­siert ist, Aus­nah­men von den abso­lu­ten mora­li­schen Nor­men zu legi­ti­mie­ren, wel­che Hand­lun­gen, die durch ihr Objekt in sich schlecht sind, ver­bie­ten?”

Zunächst hat­ten die Kar­di­nä­le ihr Schrei­ben dem Papst ver­trau­lich zuge­lei­tet und mach­ten es erst öffent­lich, als sie kei­ne Ant­wort beka­men. Bis heu­te hat der Papst nicht auf die­se Dubia reagiert, war nicht ein­mal bereit,  das Pro­blem durch ein per­sön­li­ches Gespräch im Rah­men einer Audi­enz aus der Welt zu schaf­fen. Offen­bar gilt Fran­zis­kus‘ Dia­log­be­reit­schaft nicht gegen­über sei­nen Kri­ti­kern. Setzt nicht gera­de der Dia­log als sol­cher eine Mei­nungs­ver­schie­den­heit vor­aus? Oder ist die Dia­log­be­reit­schaft des Paps­tes auf von die ihm offen­sicht­lich bevor­zug­ten, dem gesell­schafts­po­li­ti­schen Zeit­geist fol­gen­den Strö­mun­gen in der Kir­che beschränkt? Inzwi­schen wird die Dubia von zwei wei­te­ren Bischö­fen, dem Erz­bi­schof von Abu­ja (Nige­ria), John Kar­di­nal Onaiy­e­kan und dem Bischof von Alcalá de Hen­a­res (Spa­ni­en), Juan Anto­nio Reig Plà, unter­stützt.

Mit dem Tod von Kar­di­nal Meis­ner geht ein Stück weit eine Ära zu Ende. Er hat sich ein­ge­mischt – nicht um den Men­schen und dem Zeit­geist zu gefal­len, son­dern um das Wort Got­tes zu ver­kün­den und die Leh­re der Kir­che zu ver­tei­di­gen. Sol­che Hir­ten gibt es noch immer, aber sie sind sel­ten gewor­den in der Kir­che von heu­te. Lei­der.

Titel­bild (10. Juli 1987): „Joa­chim Kar­di­nal Meis­ner, rechts, mit (v.l.) Bischof Karl Leh­mann, Bischof Ger­hard Schaf­fran und Joseph Kar­di­nal Ratzin­ger auf dem Dresd­ner Katho­li­ken­tref­fen 1987; Von Bun­des­ar­chiv, Bild 183−1987−0710−035 /​ CC-BY-SA, CC BY-SA 3.0 de, Link.

Letz­te Aktua­li­sie­rung: 24. Mai 2018 @ 23:52

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