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Umgewichtung und Verwässerung 
Stellungnahme von Erzbischof Koch zur Entscheidung für die „Ehe für alle“

30. Juni 2017

Hier jetzt das kom­plet­te State­ment von Erz­bi­schof Hei­ner Koch aus der Pres­se­mit­tei­lung der DBK zur heu­ti­gen Ent­schei­dung des Bun­des­ta­ges für die „Ehe für alle“:

Erz­bi­schof Koch 2016 auf dem Katho­li­ken­tag in Leip­zig

„Ich bedaue­re, dass der Gesetz­ge­ber wesent­li­che Inhal­te des Ehe­be­griffs auf­ge­ge­ben hat, um ihn für pas­send zu machen. Gleich­zei­tig bedaue­re ich, dass mit dem heu­ti­gen Beschluss eine dif­fe­ren­zier­te Wahr­neh­mung unter­schied­li­cher Part­ner­schafts­for­men auf­ge­ge­ben wird, um die Wert­schät­zung gleich­ge­schlecht­li­cher Part­ner­schaf­ten her­vor­zu­he­ben. Dif­fe­ren­zie­rung aber ist kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung. Eine Wert­schät­zung gleich­ge­schlecht­li­chen Zusam­men­le­bens kann auch durch eine ande­re insti­tu­tio­nel­le Aus­ge­stal­tung aus­ge­drückt wer­den. Sie muss nicht in der Öff­nung des Rechts­in­sti­tuts der Ehe für gleich­ge­schlecht­li­che Part­ner­schaf­ten in Erschei­nung tre­ten. Die Väter des Grund­ge­set­zes gaben der Ehe einen so her­aus­ra­gen­den Platz in unse­rer Ver­fas­sung, weil sie die­je­ni­gen schüt­zen und stär­ken woll­ten, die als Mut­ter und Vater ihren Kin­dern das Leben schen­ken wol­len. Wird jetzt vor allem der Schutz von Bezie­hun­gen und die Über­nah­me gemein­sa­mer Ver­ant­wor­tung als Begrün­dung für die Öff­nung der Ehe vor­ge­bracht, so bedeu­tet dies eine wesent­li­che inhalt­li­che Umge­wich­tung und eine Ver­wäs­se­rung des klas­si­schen Ehe­be­griffs.

Eine Dis­kus­si­on um die Stär­kung und För­de­rung der viel­fäl­ti­gen Ver­ant­wor­tungs­ge­mein­schaf­ten in unse­rer Gesell­schaft ist nötig und muss eigens geführt wer­den. Wenn der Staat aber aner­kann­te ver­bind­li­che Gemein­schaf­ten wirk­lich stär­ken will, muss er etwa in der Ehe- und Fami­li­en­po­li­tik deut­li­che Akzen­te set­zen, um die Sta­bi­li­tät und Eigen­ver­ant­wor­tung der Ehen zu unter­stüt­zen statt die Gestal­tungs­räu­me der Ehe­leu­te zu beschnei­den, wie etwa durch die (in eini­gen Wahl­pro­gram­men gefor­der­te) Auf­he­bung des Ehe­gat­ten­split­tings.

Es ist beden­kens­wert, dass vie­le von denen, die die Insti­tu­ti­on Ehe lan­ge Zeit als lebens­feind­lich und als Aus­lauf­mo­dell bekämpf­ten, nun zu glü­hen­den Ver­fech­tern der ‚Ehe für alle‘ wur­den. Es stimmt nach­denk­lich, wie grund­le­gen­de Über­zeu­gun­gen im Ehe­ver­ständ­nis auf­ge­ge­ben wer­den mit dem Hin­weis auf not­wen­di­ge Fle­xi­bi­li­tät, ver­än­der­te Zei­ten und popu­lä­re Stim­mun­gen. Es ist trau­rig, dass das Rechts­in­sti­tut Ehe in das Räder­werk poli­ti­schen Tak­tie­rens gera­ten ist. Das hat die Ehe nicht ver­dient.

Als katho­li­sche Kir­che wer­den wir uns nun ver­stärkt der Her­aus­for­de­rung stel­len, die Lebens­kraft des katho­li­schen Ehe­ver­ständ­nis­ses, wie es auch Papst Fran­zis­kus immer wie­der klar benennt, über­zeu­gend zu ver­deut­li­chen und in der Öffent­lich­keit ein­la­dend zu ver­tre­ten. Gleich­zei­tig erin­ne­re ich dar­an, dass der sakra­men­ta­le Cha­rak­ter unse­res Ehe­ver­ständ­nis­ses von der heu­ti­gen Ent­schei­dung im Deut­schen Bun­des­tag unbe­rührt bleibt. Gera­de in der jetzt geführ­ten Debat­te ist mir wich­tig zu beto­nen, dass die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz in ihren Stel­lung­nah­men zum Lebens­part­ner­schafts­recht betont hat, dass es ein Miss­ver­ständ­nis wäre, die her­vor­ge­ho­be­ne Rechts­stel­lung der Ehe und ihren blei­ben­den beson­de­ren Schutz als Dis­kri­mi­nie­rung homo­se­xu­ell ver­an­lag­ter Män­ner und Frau­en zu ver­ste­hen. Als Kir­che haben wir Respekt für jene gleich­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaf­ten, in denen über vie­le Jah­re hin­weg gegen­sei­ti­ge Ver­ant­wor­tung und Für­sor­ge über­nom­men wird.”

Letz­te Aktua­li­sie­rung: 21. Jun 2018 @ 16:38

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