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Ist Deppen Schreibung nun Deppen-Schreibung oder doch Deppenschreibung?
Ein paar Gedanken zum alltäglichen Rechtschreibwahnsinn

8. Mai 2017

Nie­mand ist per­fekt. Auch Blog­ger nicht. Schon gar nicht, wenn es um Recht­schrei­bung geht. Ich habe da selbst schon man­chen Bock geschos­sen und den Feh­ler dann erst Wochen spä­ter bemerkt. Doch dar­um soll es hier nicht gehen.

Mitt­ler­wei­le gibt es wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen zu bestimm­ten Recht­schreib­feh­lern, auch wit­zi­ge Bücher wie z.B. die von Bas­ti­an Sick* und gan­ze Inter­net­sei­ten vol­ler (gesam­mel­ter) Feh­ler. Eines der dort dar­ge­stell­ten Phä­no­me­ne ist das Dep­pen­leer­zei­chen. Oder heißt es Dep­pen-Leer­zei­chen, damit es am Ende doch falsch ist, ohne eine Dep­pen Leer­zei­chen sein zu müs­sen?

Die­ses The­ma wird aus­führ­lich von Titus Gast in sei­nem Blog „Dep­pen­leer­zei­chen | Leer­zei­chen in Kom­po­si­ta” behan­delt, der – um es vor­an zu stel­len – auf jeden Fall einen Klick wert ist. Ich bin durch einen Radio­bei­trag des MDR auf ihn auf­merk­sam gewor­den, der wahr­schein­lich in einem gewis­sen Zusam­men­hang mit einem dpa-Arti­kel [via Yahoo!] steht. Dort auch der Hin­weis, dass an der Uni Eich­stätt-Ingol­stadt sogar schon eine Semi­nar­ar­beit zum The­ma „Dep­pen Leer Zei­chen” geschrie­ben wur­de.

Dar­aus ist eine recht mun­te­re Debat­te ent­stan­den. Sie­he etwa: „Das Dep­pen­leer­zei­chen gibt es nicht: Eine Art Replik” von Dr. Kris­tin Kopf, ein Arti­kel in der Frank­fur­ter Rund­schau und die zahl­rei­chen, z.T. recht hit­zi­gen Kom­men­ta­re zu den Bei­trä­gen.

Nach­dem ich mich nun in das The­ma etwas ein­ge­le­sen habe, geht es erst mal in die Küche. Wir betrei­ben hier bekannt­lich einen Food­blog! Ähm, Food-Blog? Food Blog??? Ich will Sechs Korn Müs­li! Wie auf dem fol­gen­den Bild zu sehen, ist das trotz des selbst­ge­mach­ten Schäl­chens kein kuli­na­ri­scher Genuss. Es sind ein­fach nur sechs Getrei­de­kör­ner: Sechs Korn Müs­li. Was sonst?

Der Fra­ge, ob auch mein Bad mit einem Behin­der­ten WC aus­ge­stat­tet ist, will ich jetzt nicht nach­ge­hen. Jeden­falls habe ich noch nie ein Klo im Roll­stuhl gese­hen. Auch erspa­re ich mir die Saue­rei, die der Ver­such, den Inhalt mei­ner Zucker­do­se in diver­se Wür­fel Zucker zu dra­pie­ren, in mei­ner Küche anrich­ten wür­de. Ich will mich ja nicht zum Dep­pen machen!

Wie im anfangs vor­ge­stell­ten Blog nach­zu­le­sen, gibt es ver­mut­lich fol­gen­de Ursa­chen für das „Dep­pen­leer­zei­chen”:

  • fehl­ge­lei­te­tes Mar­ke­ting
  • Ein­flüs­se aus dem (ame­ri­ka­ni­schen) Eng­lisch
  • Wider­sprü­che in der neu­en deut­sche Recht­schrei­bung
  • die auto­ma­ti­sche Recht­schreib­prü­fung der gän­gi­gen Büro­soft­ware und die Auto­kor­rek­tur bei Smart­pho­nes

Dabei ist es über­haupt nicht schwer, sich durch Ver­zicht auf dep­per­te Leer­zei­chen eben nicht zum Dep­pen zu machen:

  1. Grund­satz: Zusam­men­schrei­bung rocks! Mal ehr­lich: Zusam­men-Schrei­bung ist doch eben­so däm­lich wie Zusam­men Schrei­bung. Bei mir erzeugt allein schon der Anblick die­ser in Let­tern getipp­ten Wort­un­ge­tü­me ein flau­es Magen­ge­fühl.
  2. Wie war das mit dem dpa-Arti­kel ein paar Zei­len wei­ter oben? Dar­aus einen dpaar­ti­kel zu machen wäre wohl ziem­lich dane­ben und ein dpa Arti­kel kann es auch nicht sein. Ergo: Bei Zusam­men­set­zun­gen mit fremd­spra­chi­gen Wör­tern oder Abkür­zun­gen oder bei ernst­haf­ter, mas­si­ver und sonst gna­den­los uner­träg­li­cher Gefähr­dung der Les­bar­keit dür­fen aus­nahms­wei­se die zusam­men­ge­setz­ten [nicht aber die zusam­men gesetz­ten – Grü­ße an alle Schrift­set­zer! 😉 ] Wör­ter mit Bin­de­strich ver­wen­det wer­den. Ich mei­ne: Sie müs­sen es sogar.
  3. Ein Leer­zei­chen zu set­zen ist dage­gen ein­fach nur dep­pert. Aus­nah­men sind aber auch hier nicht völ­lig aus­zu­schlie­ßen.

Ver­such der Selbst­kri­tik: Gegen mei­ne Aus­füh­run­gen gibt es einen schwer­wie­gen­den (oder schwer wie­gen­den? – Was zeigt die Waa­ge?) Ein­wand: Spra­che ist nie­mals starr, son­dern ent­wi­ckelt sich wei­ter. Ich mei­ne: Ent­wick­lung ist nie­mals plan­los, son­dern stets ziel­ge­rich­tet. Will sich aber ernst­haft jemand gezielt zum Dep­pen zu machen? Spra­che ver­mit­telt Sinn, nicht Un-Sinn [Ach­tung! Bewusst ein­ge­setz­tes lite­ra­ri­sches Stil­mit­tel].

Wer immer noch nicht genug vom Dep­pen­leer­zei­chen und ande­ren sprach­li­chen Bruch­lan­dun­gen hat, kann sich hier wei­te­re, aus dem Leben gegrif­fe­ne Bei­spie­le oder auch den Blog von Bas­ti­an Sick zu Gemü­te füh­ren.

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  1. Wun­der­schö­ner Bei­trag! Naja, wenn man Schul­bil­dung in den Hin­ter­grund stellt, den Anspruch an Recht­schrei­bung als sekun­där abtut und immer gefäl­li­ge­re Lösun­gen für das Errei­chen immer leich­ter zu errei­chen­der Schul­ab­schlüs­se fin­det, wenn man Kul­tur dem Kom­merz unter­stellt und Kunst, Spra­che und Phi­lo­so­phie (oder schriebt sich das jetzt „Filo­so­fie“?) ver­lacht wer­den, man das Sozi­al­ver­hal­ten und die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren und den sozia­len Umgang immer mehr dem Niveau des pre­kä­ren Medi­en­kon­su­men­ten anpasst und über­lässt, dann ist das ja alles kein Wun­der … da hel­fen dann nur noch sechs Korn … in destil­lier­ter Form … wenn­gleich da sechs Korn Getrei­de auch kei­ne Basis sind und ich mir jetzt echt die Fra­ge stel­le, ob es einen DERARTIG gepansch­ten … also Korn aus Sechs-Korn-Getrei­de-MISCHUNG. Ich höre jetzt auf nach­zu­den­ken …

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