Titel
Essen&Trinken

Knallbunt und glitzernd
Wie schädlich sind synthetische Farbstoffe in Lebensmitteln ?

20. März 2017

Bei Twit­ter habe ich eini­ge #food­porn -Kanä­le abon­niert. Neben vie­len wirk­lich krea­tiv und hübsch ange­rich­te­ten Spei­sen kann man dort auch hin und wie­der Orgi­en mit Lebens­mit­tel­far­ben bewun­dern. Wer kennt sie nicht, die­se knall­bun­ten Tor­ten und Tört­chen. Was da wohl alles an Che­mie ver­ar­bei­tet ist? Den fol­gen­den Tweet fand ich heu­te beson­ders extrem:

Hät­tet ihr Lust dar­auf, DAS zu essen? Wonach könn­te „Glit­zer” schme­cken? Viel­leicht ver­geht euch gleich der Appe­tit…

Lebens­mit­tel­far­ben wer­den von der Lebens­mit­tel­in­dus­trie gern und häu­fig ein­ge­setzt. Vor allem dann, wenn sie ver­ar­bei­tungs­be­ding­te Farb­ver­lus­te aus­glei­chen sol­len, bemerkt man sie kaum. Auch kom­men Farb­stof­fe von Natur aus in Lebens­mit­teln vor und auf die­ser Grund­la­ge wer­den eini­ge Farb­stof­fe her­ge­stellt. Die über­wie­gen­de Anzahl wird aber syn­the­tisch her­ge­stellt. Vie­le davon wur­den bereits Ende des 19. Jahr­hun­derts ent­deckt. Sie ver­dräng­ten sehr schnell bis dahin ein­ge­setz­te natür­li­che Farb­stof­fe, da mit ihnen bes­se­re Ergeb­nis­se erzielt wer­den konn­ten.

Zunächst gab es weder nen­nens­wer­te recht­li­che Beschrän­kun­gen für die bei der Her­stel­lung der Farb­stof­fe ver­wen­de­ten Che­mi­ka­li­en, noch war deren Gif­tig­keit im Ein­zel­nen hin­läng­lich bekannt. Es gab auch noch kei­ne Dekla­ra­ti­ons­pflicht. Süßig­kei­ten aus Zucker wur­de bei­spiels­wei­se mit Blei­oxid gefärbt. Mit Blei(II)-oxid lässt sich zwar – je nach Modi­fi­ka­ti­on – rot oder gelb fär­ben und zugleich eine Blei­ver­gif­tung mit schwe­ren Schä­di­gung für Blut, Nie­ren und Zen­tral­ner­ven­sys­tem her­bei­füh­ren. Das rotblau/​margenta fär­ben­de Fuch­sin, das den Rot­wein schön rot machen soll­te, ist krebs­er­re­gend. Mit fort­schrei­ten­der For­schung wur­den nach und nach die Ver­wen­dung zahl­rei­che Farb­stof­fe für Lebens­mit­tel unter­sagt. Bis heu­te gibt es im Hin­blick auf die Gesund­heits­schäd­lich­keit von Lebens­mit­tel­farb­stof­fen For­schungs­lü­cken. Vor allem lie­gen kaum Erkennt­nis­se über lang­fris­ti­ge Wir­kun­gen vor.

Obwohl Gefah­ren für die Gesund­heit bestehen oder zumin­dest nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­nen, sind eini­ge Farb­stof­fe wei­ter­hin zuge­las­sen. Pro­ble­ma­tisch sind neben Chi­no­lin­gelb (E 104) die Azo­farb­stof­fe

  • Tar­t­ra­zin (E 102)
  • Gelb­oran­ge S (E 110)
  • Azo­ru­bin (E 122)
  • Coche­n­il­lerot A (E 124)
  • Allur­a­rot AC (E 129)

Sie sind nach EU-Recht seit 2010 mit dem Warn­hin­weis „Kann Akti­vi­tät und Auf­merk­sam­keit bei Kin­dern beein­träch­ti­gen.“ auf der Packung gekenn­zeich­net wer­den. Sie ste­hen in Ver­dacht ADHS-Sym­pto­me bei Kin­dern aus­lö­sen zu kön­nen. Außer­dem kön­nen sie bei eini­gen Men­schen Nes­sel­sucht, Asth­ma und Haut­öde­me her­vor­ru­fen. Sämt­li­che Azo­farb­stof­fe kön­nen mög­li­cher­wei­se Krebs aus­lö­sen, da sie aus Ani­lin her­ge­stellt wer­den. Die­ser Stoff wur­de frü­her aus Stein­koh­le­teer gewon­nen, heu­te aus Erd­öl.

Jetzt gibt es zum Abge­wöh­nen noch etwas Bun­tes:


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