Heiligenfiguren
DIY&Upcycling | Historisches

Zum Start der Mittelalter-Saison 
Spätmittelalterliche Gewandung selbst genäht

25. Februar 2017

Heu­te ist herr­li­cher Son­nen­schein und so lang­sam den­ke ich dar­über nach, auf wel­che Mit­tel­al­ter­märk­te und -ver­an­stal­tun­gen es mich in die­sem Jahr ver­schla­gen könn­te. Eine gute Gele­gen­heit, um ein Blog-Ver­spre­chen ein­zu­lö­sen. Seit gut Mona­ten bin ich näm­lich den Bei­trag über mei­ne spät­mit­tel­al­ter­li­che Gewan­dung schul­dig. Genäht habe ich sie bereits vor zwei Jah­ren. Und es war im Grun­de damals nur als Test­lauf gedacht. Trotz­dem trag­bar, aber aus­bau­fä­hig.

Den Bei­trag über die pas­sen­de Che­mi­se fin­det ihr hier. Das brau­ne Unter­kleid beruht auf den übli­chen, im Inter­net zu fin­den­den Anlei­tun­gen, wie z. B. „A strai­ght-front seam fit­ting method for a bust-sup­por­ti­ve dress” („La cot­te simp­le”). Es ist aus Lei­nen (rich­tig wäre Wol­le) und teil­wei­se auch mit der Näh­ma­schi­ne (ja, ich weiß, das geht gar nicht) genäht. Zum Glück sieht man das nicht, da das dun­kel­blaue Kleid dar­über getra­gen wird. Hand­ge­näht sind die Ärmel­schlit­ze mit Knopf­lö­chern und Stoff­knöp­fen sowie die Schnü­rung samt Schnür­lö­chern. Die Schnur ist aus Wol­le mit einer Strick­ga­bel* ange­fer­tigt, denn die Fin­ger­loop-Tech­nik ist mir ein Graus!


- Anzei­ge -

(Bewusst) falsch ist auch: Man schnür­te – soweit ich weiß – von oben nach unten und nicht umge­kehrt. Mei­ne Vari­an­te hat den ent­schei­den­den Vor­teil, dass ich nur die Schnur im obe­ren Teil lockern muss, um ins Kleid an- oder aus­zu­zie­hen. Andern­falls müss­te ich stets die Schnur kom­plett ein- oder aus­fä­deln. Und da mei­ne Zofe gera­de zu Fuß ins Hei­li­ge Land pil­gert…

Als Vor­la­ge für den Schnitt des dun­kel­blau­en Über­klei­des dien­te der gut doku­men­tier­ter Fund Nr. 39 aus :

Wie kommt man zu einem brauch­ba­ren Schnitt­mus­ter? Schnitt­dia­gramm bei kostym.cz her­un­ter­la­den; mit einem Gra­fik­pro­gramm ska­lie­ren; mit einem geeig­ne­ten Pro­gramm (z.B. Pos­teR­azor) auf A4-Blät­ter aus­dru­cken; zusam­men­kle­ben – fer­tig! Jetzt müsst ihr den Schnitt noch an eure Maße anpas­sen, z.B. ver­län­gern, die Sei­ten­kei­le (und ent­spre­chend die Ärmel) brei­ter machen… Das Anfer­ti­gen eines Pro­be­teils ist hier – wie immer – hilf­reich. War­um sage ich das? Weil ich es nicht gemacht habe und es sich beim Ein­set­zen der Ärmel bit­ter gerächt hat. Die pass­ten zunächst gar nicht. Beson­ders die Ärmel sind recht kom­pli­ziert in der Ver­ar­bei­tung, da ihr Schnitt anders ist, als bei moder­ner Klei­dung: Die Naht ist hin­ten und hat einen ein­ge­setz­ten Keil, sie sind sehr weit oben auf der Schul­ter ange­setzt und fal­len zudem selt­sam nach vorn (sie­he ers­tes Bild). Sieht irgend­wie alles ver­dreht aus, ist aber so rich­tig!

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Als Stoff habe ich einen han­dels­üb­li­chen Woll­kö­per ver­wen­det, der aus dun­kel­blau­em und schwar­zem Garn gewebt ist. Zusam­men­ge­näht per Hand mit Woll­garn. Aus heu­ti­ger Sicht wür­de ich alle mecha­nisch bean­spruch­ten Näh­te mit Lei­nen- oder Sei­den­garn nähen. Das Woll­garn hält (bei mir) nicht und ich muss­te schon mehr­fach aus­bes­sern. Der Hals­aus­schnitt ist innen mit einem (Echt-)Seidenband ver­säu­bert. Ich habe ihn gegen­über dem Ori­gi­nal etwas ver­grö­ßert und dafür den Schlitz weg­ge­las­sen.

Geben­de, Wim­pel und Schlei­er habe ich mir aus dün­nem Lei­nen genäht. Sieht sehr echt aus. Tra­ge ich aber nicht auf Märk­ten, da ich die dum­men Pöbe­lei­en der Thors-Behäm­mer­ten satt habe.

Acces­soires sind: Leder­gür­tel, Mes­ser mit Leder­schei­de, Pater­nos­ter (frü­he Form des Rosen­kran­zes), Klei­nes hand­ge­schnitz­tes Holz­kreuz am Leder­band, Bro­sche, Pil­ger­ta­sche (aus sta­bi­lem, natur­far­be­nem Lei­nen), Näh­un­ten­si­li­en. Für schlech­tes Wet­ter habe ich eine gefüt­ter­te Kap­pa (Kapu­zen­über­wurf), auch hand­ge­strick­te Strümp­fe (damals ging es mit dem Stri­cken gera­de so los) sowie pas­sen­de Schu­he.

Zum Schluss noch ein klei­ner Tipp zum Ver­ste­cken des (Wohlstands-)Bäuchleins bei eng geschnür­ten Klei­dern: Die Kei­le etwas wei­ter oben anset­zen, dann kaschiert der Schnitt am bes­ten eure über­zäh­li­gen Pfun­de. 😉

Letz­te Aktua­li­sie­rung: 24. Mai 2018 @ 22:34

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