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Essen&Trinken | Zeitgeschehen

Erfolgreicher Abschluss: Mit drei Klicks zu weniger Lebensmittelabfall
Wissenschaftler der FH Münster präsentieren Projektergebnisse

17. Februar 2017

Vor eini­gen Wochen hat­te ich mich bereits mit dem Pro­blem der Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung befasst. Es ist ein gutes Zei­chen, dass sich auch die Wis­sen­schaft damit aus­ein­an­der­setzt und an Lösun­gen arbei­tet. Für mich stellt sich jedoch die Fra­ge, ob es den Unter­neh­men, die sich um weni­ger Ver­schwen­dung bemü­hen, wirk­lich um die Sache selbst geht oder es für sie nur Teil der Image­pfle­ge ist.

Münster/​Osnabrück (ots)  „Etwa 40 Pro­zent aller Treib­haus­ga­se wer­den durch die welt­wei­te Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on, deren Ver­ar­bei­tung und Trans­port ver­ur­sacht“, sag­te Dr. Hein­rich Bot­ter­mann, Gene­ral­se­kre­tär der Deut­schen Bun­des­stif­tung Umwelt (DBU) bei einem Tref­fen von Wis­sen­schaft­lern, För­de­rern und Pra­xis­part­nern aus der Lebens­mit­tel­bran­che in Osna­brück. Restau­rants, Kan­ti­nen, Bäcke­rei­en und Flei­sche­rei­en – dies sind nur eini­ge Orte, an denen beson­ders vie­le Lebens­mit­tel­ab­fäl­le anfal­len. „Mit dem Pro­jekt ist es gelun­gen, Unter­neh­men in der Lebens­mit­tel­bran­che anzu­spre­chen, für das The­ma zu sen­si­bi­li­sie­ren und Maß­nah­men für weni­ger Lebens­mit­tel­ver­lus­te auf­zu­zei­gen“, so Bot­ter­mann. Im Rah­men des Pro­jekts wur­de gemein­sam durch das Insti­tut für Nach­hal­ti­ge Ernäh­rung (iSuN) und enga­gier­ten Pra­xis­part­nern die Inter­net­platt­form „LAV – Lebens­mit­tel Abfall Ver­mei­den” ent­wi­ckelt, auf der Unter­neh­men zahl­rei­che Anre­gun­gen fin­den. Die DBU för­der­te das Vor­ha­ben fach­lich und finan­zi­ell mit rund 125.000 Euro, nach nun mehr zwei Jah­ren wur­de es heu­te abge­schlos­sen.

Praxistaugliche Hilfen online finden

An Lösungs­an­sät­zen, wie Lebens­mit­tel­ver­lus­te und -abfäl­le ver­mie­den wer­den kön­nen, man­ge­le es nicht. „Der Knack­punkt ist aber immer gewe­sen, wie die Ergeb­nis­se in die Unter­neh­mens­pra­xis über­tra­gen wer­den kön­nen“, erklär­te Prof. Dr. Gui­do Rit­ter, Ernäh­rungs­wis­sen­schaft­ler am iSuN der FH Müns­ter, der das Pro­jekt lei­te­te. „Gera­de klei­nen und mitt­le­ren Unter­neh­men fehlt es oft an Res­sour­cen für die­se Auf­ga­be. Sie kön­nen eine gan­ze Men­ge gegen Lebens­mit­tel­ver­lus­te tun, wenn sie nur wis­sen, wie”, so Rit­ter wei­ter. Hier­für recher­chier­ten der Ernäh­rungs­wis­sen­schaft­ler und sein Team, im Rah­men des DBU-geför­der­ten Pro­jekts, mehr als 500 inter­na­tio­na­le und natio­na­le Instru­men­te und Hil­fen, beur­teil­te sie nach ihrer Pra­xis­taug­lich­keit und sor­tier­te sie nach Bran­chen und Pha­sen. Eine Aus­wahl wer­de auf der Web­site www.lebensmittel-abfall-vermeiden.de kos­ten­frei zur Ver­fü­gung gestellt. „So eine gebün­del­te, pra­xis­na­he Infor­ma­ti­ons­quel­le gab es bis­her noch nicht. Wir bekom­men inzwi­schen sogar Anfra­gen aus dem Aus­land, ob es die­se Platt­form auch in eng­li­scher Spra­che geben wird”, so Rit­ter.

In der Praxis bereits bewährt

Genutzt wer­de die Platt­form etwa von Ina End­ers, Refe­ren­tin für Nach­hal­tig­keit bei der Fisch-Sys­tem­gas­tro­no­mie Nord­see GmbH, die damit einer von 13 Pra­xis­part­nern sei. Durch die Pro­jekt-Home­page erhielt sie Tipps, wie weni­ger Lebens­mit­tel ver­lo­ren gehen. „Durch die Neue­rung, die wir zunächst test­wei­se in etwa 25 Nord­see-Filia­len ein­ge­führt haben, wer­den in den letz­ten 30 Minu­ten vor Laden­schluss die Pro­duk­te in der Snack­bar um 30 Pro­zent im Preis redu­ziert”, erklärt End­ers. Und es wer­de sich, davon ist sie über­zeugt, auch betriebs­wirt­schaft­lich bemerk­bar machen. Und noch einen wei­te­ren Vor­teil zie­he die Nach­hal­tig­keits­re­fe­ren­tin aus dem Pilot­pro­jekt: „Seit­dem sind unse­re Mit­ar­bei­ter sen­si­bi­li­siert und gehen nun bewuss­ter mit Lebens­mit­teln um.” Stu­di­en des iSuN bestä­ti­gen, was End­ers in ihrem Betrieb beob­ach­tet: Sen­si­bi­li­sie­rung der Mit­ar­bei­ten­den schaf­fe Ver­ständ­nis und auf­merk­sa­mes Arbei­ten: So könn­ten allein durch das Pro­blem­be­wusst­sein und die monat­li­che Bericht­erstat­tung Lebens­mit­tel­ab­fäl­le ein­ge­spart wer­den.

Zukünftig Unternehmen weiter mit Know-How unterstützen

Das Vor­ha­ben sei zwar offi­zi­ell abge­schlos­sen, doch nun gel­te es, die Unter­neh­men wei­ter auf ihrem Weg mit Know-How zu unter­stüt­zen, sind sich Bot­ter­mann und der Ernäh­rungs­wis­sen­schaft­ler aus Müns­ter einig. Das Pro­jekt sei ein guter Bei­trag zum Ziel der EU und der Ver­ein­ten Natio­nen: Bis zum Jahr 2030 sol­len die Lebens­mit­tel­ab­fäl­le um die Hälf­te redu­ziert wer­den. Bot­ter­mann: „Neben der ethi­schen Fra­ge beim Umgang mit Lebens­mit­teln geht es hier auch um die glo­ba­le Ernäh­rungs­si­cher­heit und die Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt.” Wenn etli­che Mil­lio­nen Ton­nen Lebens­mit­tel ein­ge­spart wer­den könn­ten, gel­te das auch für die Umwelt­be­las­tun­gen, die durch die Pro­duk­ti­on ent­ste­hen, so Bot­ter­mann. Der Gene­ral­se­kre­tär wei­ter: „Das bedeu­tet auch, dass wir dazu bei­tra­gen, die Wert­schät­zung von Lebens­mit­teln zu erhö­hen. Hier­zu muss sich mit dem wah­ren Preis der Lebens­mit­tel aus­ein­an­der­ge­setzt wer­den. Nur wenn wir die öko­lo­gi­schen und sozia­len Fol­gen der Ver­schwen­dung begrei­fen, kann der Wan­del gelin­gen.”


Quel­le: ots – Presseportal.de

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