Rotfuchwelpen
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Der Fuchs muss schweigen
Limburger Rathaus-Glockenspiel darf Kinderlied nicht mehr spielen

10. Februar 2017

Man stel­le sich vor, eine Vega­ne­rin arbei­tet gegen­über dem Lim­bur­ger Rat­haus. Am Rat­haus von 1898 befin­det sich ein Glo­cken­spiel, das der­zeit 15 Lie­der im Reper­toire hat. Es sind meist deut­sche Volks­lie­der, dar­un­ter auch das bekann­te Kin­der­lied „Fuchs, du hast die Gans gestoh­len” mit fol­gen­dem Text:

1. Fuchs, du hast die Gans gestohlen,
gib sie wie­der her!
Sonst wird dich der Jäger holen,
mit dem Schießgewehr.

2. Sei­ne gro­ße, lan­ge Flinte
schießt auf dich den Schrot,
dass dich färbt die rote Tinte
und dann bist du tot.

3. Lie­bes Füchs­lein, lass dir raten,
sei doch nur kein Dieb;
nimm, du brauchst nicht Gänsebraten,
mit der Maus vorlieb.

Die Vega­ne­rin muss­te bei der Melo­die des Lie­des an die Todes­dro­hung gegen­über dem Fuchs im Lied­text erin­nert. Des­halb bat sie kur­zer­hand den Lim­bur­ger Bür­ger­meis­ter, das Lied zu wech­seln. Und der ging auch prompt dar­auf ein. – Fake-News? Nein! Das ist wahr. Leider.

Hessenschau zum "Fuchs" von Limburg
Der Fuchs, der die Gans nicht mehr steh­len darf, get­wit­tert am 9. Febru­ar 2017 von der hes­sen­schau.

Nach Aus­sa­ge des Lim­bur­ger Bür­ger­meis­ters ist der Fuchs aber nur vor­über­ge­hend in sei­nen Bau ver­bannt wor­den. Das Lied soll in eini­gen Wochen wie­der erklin­gen dür­fen. Es sei ledig­lich eine net­te Ges­te gewe­sen, der Bit­te der Frau zu entsprechen.

Die Debat­te um den „Lim­bur­ger Fuchs“ ist mitt­ler­wei­le bun­des­weit als Pro­vinz­pos­se durch die Pres­se gegan­gen und hat in den sozia­len Netz­wer­ken für Wir­bel gesorgt. Die Tier­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on „Peta” for­dert nun sogar, die­ses Lied dau­er­haft aus dem Reper­toire zu neh­men. Der­art „alter­tüm­li­che“ Lie­der und Mär­chen wür­den bestimm­te Tier­ar­ten in ein schlech­tes Licht rücken. Vanes­sa Reit­hin­ger, Fach­re­fe­ren­tin für Wild­tie­re bei PETA:

„Wir kön­nen das Anlie­gen der Anwoh­ne­rin nach­voll­zie­hen und bit­ten den Bür­ger­meis­ter, das Lied dau­er­haft aus dem Pro­gramm zu neh­men. Alter­tüm­li­che Lie­der wie die­ses oder auch Mär­chen wie ‚Rot­käpp­chen und der böse Wolf‘ sind lei­der noch immer weit ver­brei­tet und sen­den vor allem an Kin­der ein fal­sches Zei­chen, indem sie ein schlech­tes Licht auf bestimm­te Tie­re wer­fen. Die Jagd auf Füch­se ist unnö­tig und grau­sam. Ein fried­li­ches Zusam­men­le­ben mit den Tie­ren ist mög­lich und mit ein wenig Glück bekommt man die Füch­se spät­abends sogar zu Gesicht. Als Gesund­heits­po­li­zei sind Füch­se ein wich­ti­ges Glied im Öko­sys­tem. Auch muss heut­zu­ta­ge kei­ner noch an das Mär­chen vom ‚bösen Wolf‘ glau­ben. Exper­ten sind sich einig, dass von den Tie­ren gewöhn­lich kei­ne Gefahr für den Men­schen aus­geht. Im Gegen­teil, sie sind ein wich­ti­ger Teil unse­rer Natur und ver­die­nen unse­ren Schutz.“

Wenn das Bemü­hen um Tier­schutz in sol­chen Pos­sen gip­felt, wird mehr Scha­den als Nut­zen für die gute Sache ange­rich­tet. Was mir noch ein­fällt: Sind die Lim­bur­ger Gän­se auf­grund der Vogel­grip­pe der­zeit viel­leicht sogar ein­ge­stallt und damit vor­erst sicher vorm die­bi­schen Fuchs?


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