Allee in Brandenburg
DIY&Upcycling | Natur&Garten

Waschen mit Rosskastanien 
Natürliches Waschmittel selbst herstellen

8. Oktober 2016

Die Wol­ken zei­gen zum Glück manch­mal Lücken. Wie wäre es also mit einem klei­nen Spa­zier­gang mit Mann (sofern vor­han­den, ersatz­wei­se auch mit Frau) und Maus? Wisst Ihr, wo es in Eurer Gegend Kas­ta­ni­en­bäu­me gibt? Genau gesagt: Ross­kas­ta­ni­en. Da könnt ihr gleich mal wel­che sam­meln gehen, denn sie tau­gen zu viel mehr, als „nur“ zum Bas­teln.

Genau genom­men gibt es zwölf Arten, die zur Gat­tung der Ross­kas­ta­ni­en gehö­ren. Sie kom­men in Euro­pa, Asi­en und Nord­ame­ri­ka vor. In unse­ren Parks und an Stra­ßen­rän­dern fin­den wir die Gewöhn­li­che Ross­kas­ta­nie (Aes­cu­lus hip­po­ca­sta­num), die ursprüng­lich von der Bal­kan­halb­in­sel stammt. In Euro­pa wird sie – aus­ge­hend von Kon­stan­ti­no­pel – seit 1576 ange­pflanzt. Die Osma­nen, die damals Tei­le der Bal­kan­halb­in­sel beherrsch­ten,  nutz­ten sie als Pfer­de­fut­ter. Daher auch der Name.


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Sie wur­de zum Mode­baum der Fürs­ten und zier­te ihre Parks. Ab dem 18. Jahr­hun­dert pflanz­te man sie häu­fig als Allee­baum.

Die Ross­kas­ta­nie dient in der Regel als Zier­ge­wächs. Zwar wird auch das Holz genutzt, aber ohne grö­ße­re wirt­schaft­li­che Bedeu­tung. Letz­tes Wochen­en­de habe ich mir auf dem Wikin­ger­fest ein gro­ßes Holz­brett für die Küche aus Kas­ta­ni­en­holz gekauft. Mal sehen, wie sich das so beim Backen etc. machen wird.

2005 wur­de die Ross­kas­ta­nie „Baum des Jah­res”, da sie mitt­ler­wei­le bestands­ge­fähr­dend von der Ross­kas­ta­ni­en­mi­nier­mot­te heim­ge­sucht wird und auf die­se Wei­se die Öffent­lich­keit für ihre Ret­tung sen­si­bi­li­sert wer­den soll­te. Vie­le der Bäu­me, deren Kas­ta­ni­en ich als Kind gesam­melt habe, sind heu­te ver­schwun­den und wur­den durch ande­re Arten ersetzt. Dabei kann sie bis zu 300 Jah­re alt wer­den.

Samen, Bor­ke, Blät­tern und Blü­ten wer­den von der Phar­ma­in­dus­trie zu Grund­stof­fen für Arz­nei­mit­tel u. a. gegen Blu­tun­gen, Geschwü­re und Hämor­rhoi­den. In der Homöo­pa­thie wird das Mit­tel Aes­cu­lus bei gestau­ten Venen, Krampf­adern, blu­ti­gen und gestau­ten Hämor­rhoi­den, chro­ni­scher Ver­stop­fung, und Ent­zün­dun­gen in der Luft­röh­re oder im Kehl­kopf ange­wen­det.

Die „Waschkastanie”

Uns soll hier aber ein ande­rer Inhalts­stoff der Kas­ta­ni­en inter­es­sie­ren: Sapo­ni­ne. Sapo­ni­ne (sapo, ital. für Sei­fe) hei­ßen so, weil sie beim Schüt­teln mit Was­ser oft einen sei­fen­ar­ti­gen Schaum bil­den. Wich­tig: Sie sind gif­tig für Fische!

Am bes­ten hackt ihr die Kas­ta­ni­en in klei­ne Stü­cke. Man kann sie auch zu Pul­ver malen – aber nicht jeder Mixer schafft das. Bei wei­ßer Wäsche soll­tet ihr die Scha­len ent­fer­nen, sonst kann sie einen leich­ten Gelb­stich bekom­men. Die Kas­ta­ni­en­stück­chen kön­nen an einem luf­ti­gen Platz getrock­net wer­den. Regel­mä­ßig durch­mi­schen, Schim­mel­ge­fahr!

Waschen mit Kastanien

Zum Waschen die Kas­ta­ni­en­stück­chen mit kochen­dem Was­ser über­brü­hen und am bes­ten über Nacht zie­hen las­sen. Das Was­ser wird sei­fig und kann zum Waschen von Mensch und Wäsche ver­wen­det wer­den. Durch ein Sieb gie­ßen.

Die­sel­ben Kas­ta­ni­en­stück­chen kann man mehr­fach über­brü­hen. Etwa sechs bis acht Kas­ta­ni­en in 250 ml Was­ser rei­chen für eine Wasch­ma­schi­nen­fül­lung aus. Am bes­ten aus­pro­bie­ren! Das Kas­ta­ni­en­wasch­mit­tel ist weit­ge­hend geruchs­neu­tral und im Gegen­satz zu her­kömm­li­chen Wasch­mit­teln nicht umwelt­schäd­lich. Zum Kas­ta­ni­en­sud kann man eini­ge Trop­fen eines äthe­ri­schen Öls zufü­gen. Der Sud hält sich kur­ze Zeit im Kühl­schrank, wird aber recht schnell sau­er…

Die Wasch­wir­kung der Ross­kas­ta­nie ent­spricht der der indi­schen Wasch­nuss. Vor­teil: Kos­ten­los und prak­tisch kein Trans­port­weg. Es soll auch funk­tio­nie­ren, wenn man die Kas­ta­ni­en­stü­cke ana­log zu Wasch­nüs­sen in einem Säck­chen ein­fach in der Wasch­ma­schi­ne mit­wäscht.

Was ich noch tes­ten muss: Kann man die Kas­ta­ni­en auch erst tro­cke­nen und dann erst nach Bedarf zer­klei­nern?

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Und sonst?

Wenn ihr die Kas­ta­ni­en ver­ar­bei­tet, kann es sein, dass ihr brau­ne Fin­ger bekommt. Die Scha­len wur­den frü­her zum Fär­ben von Wol­le benutzt. Far­be? – Braun!

In klei­nen Men­gen kann man Kas­ta­ni­en sogar essen: Dazu wer­den sie leicht ange­rös­tet, die Scha­len ent­fernt, in Schei­ben geschnit­ten und meh­re­re Tage mit häu­fi­gem Was­ser­wech­sel gewäs­sert. Die India­ner in Nord­ame­ri­ka hän­gen sie zu die­sem Zweck in einen sau­be­ren Bach. Dadurch wer­den die bit­te­ren Sapo­ni­ne aus­ge­wa­schen und die Kas­ta­ni­en genieß­bar gemacht. Nun kön­nen sie gekocht und geges­sen wer­den. Ich habe es noch nicht aus­pro­biert.

Zum Schluss noch eini­ge Ross­kas­ta­ni­en­re­zep­te und -anlei­tun­gen zum Sel­ber­ma­chen:

Mitt­ler­wei­le kann man Ross­kas­ta­ni­en sogar bei Ama­zon kau­fen. – Ohne Kom­men­tar.

Die­ser Bei­trag nimmt an der Link­par­ty „Ein­fach. nach­hal­tig. bes­ser. leben“ teil.

Letz­te Aktua­li­sie­rung: 24. Mai 2018 @ 0:52