Kornelkirschen
Rezepte

Wildobst Kornelkirsche 
Eine Entdeckung, die sich gelohnt hat

7. September 2016

„Was wach­sen da wohl für läng­li­che rote Früch­te an eini­gen Bäu­men und Sträu­chern?” – Eine Fra­ge, die ich mir in den letz­ten Tagen gestellt habe und der ich nun auf den Grund gegan­gen bin: Es sind Kor­nel­kir­schen (auch Kor­nel­len genannt) und man kann sie essen.

Die Früch­te schme­cken roh vom Baum herb-säu­er­lich. Mich erin­nern sie an Aro­nia und Prei­sel­bee­ren. Mit Kir­schen haben sie nichts gemein – bis auf den Namen. Die Kor­nel­kir­sche (Cor­nus mas) ist eine Hart­rie­gel-Art. Sie stammt ursprüng­lich aus dem Kau­ka­sus, wan­der­te aber bereits nach der letz­ten Eis­zeit nach Mit­tel­eu­ro­pa ein. Durch Aus­brei­tung des Wein­baus und Gewin­nung des wert­vol­len Hol­zes wur­de die Kor­nel­kir­sche in wei­ten Gegen­den ver­drängt. Klein­räu­mi­ge, natür­li­che Vor­kom­men gibt es heu­te nur noch in der Eifel, am Nie­der­rhein, in der Saar-Mosel-Regi­on, im Süd­harz, am Main, an der Donau und an der Saa­le.


- Anzei­ge -

Fast in Ver­ges­sen­heit gera­ten, wird die Kor­nel­kir­sche gele­gent­lich wie­der als Zier­ge­hölz ange­pflanzt. Sie blüht bereits im März/​April und ist damit eine wich­ti­ge Bie­nen­nähr­pflan­ze. Die Früch­te sind reich an Vit­amin C. Eine Beson­der­heit bil­det auch das Holz: Es ist das här­tes­te in Euro­pa wach­sen­de Holz. Es schwimmt nicht in Was­ser, son­dern sinkt.

Die Kor­nel­kir­sche ist eine alte, (wieder-)entdeckenswerte Nutz- und Heil­pflan­ze, die in Deutsch­land bereits im Mit­tel­al­ter ange­pflanzt wur­de. Die Hei­li­ge Hil­de­gard von Bin­gen (1098–1179) emp­fiehlt sie in ihrer „Phy­si­ca”* als Heil­mit­tel gegen Gicht (Bad aus Rin­de, Holz und Blät­tern) und für den Magen (Früch­te):

„Von der Kor­nel­kir­sche (Dir­lit­ze)

Die Kor­nel­kir­sche ist warm, und ihre Wär­me ist mild, und sie hat süße Feuch­tig­keit in sich. Nimm daher von ihrer Rin­de, dem Holz und den Blät­tern und koche sie in Was­ser, und mache dar­aus ein Bad. Und wer an Gicht lei­det, sei es ein Kind, ein jun­ger Mensch oder ein alter, der bade dar­in oft und umge­be sich in die­sen Bädern (mit die­sen Blät­tern). Und das tue er im Som­mer, wenn der Baum grün ist, und dem Kind und dem jun­gen Men­schen wird es bes­tens zur Gesund­heit ver­hel­fen. Dem alten Men­schen aber wird es ziem­lich nüt­zen, jedoch nicht in dem Maße wie dem Kind und dem jun­gen. Und so wer­den sie sich bes­ser befin­den. Und die Frucht die­ses Bau­mes scha­det dem Men­schen nicht, wenn man sie isst, aber sie rei­nigt und stärkt den kran­ken und auch den gesun­den Magen, sie nützt dem Men­schen für die Gesund­heit.“

Wäh­rend in frü­he­ren Zeit vom Kor­nel­kir­schen­baum alles genutzt wur­de, besit­zen heu­te nur noch die Früch­te für die Her­stel­lung von Edel­obst­brän­den eine wirt­schaft­li­che Bedeu­tung. Ern­te­zeit ist von Mit­te August bis Sep­tem­ber. Man bevor­zugt die über­rei­fen, dun­kel­ro­ten Früch­te. Sie las­sen sich leicht vom Baum/​Strauch auf Tücher schüt­teln. Die Früch­te rei­fen bei Zim­mer­tem­pe­ra­tur nach.

Kornelkirschen

Verwendungsmöglichkeiten:

Früchte

  • roh oder kan­diert ver­zeh­ren
  • mit Zucker oder Essig zu Kom­pott ver­ar­bei­ten
  • als Mar­me­la­de und Gelee
  • Frucht­säf­te
  • Likör
  • Wein
  • Obst­brand
  • Fisch­kö­der

Kirschkerne

  • Her­stel­lung von Rosen­krän­zen

Samen

  • gerös­tet als Kaf­fee-Ersatz
  • Gewin­nung von Öl zur Sei­fen­her­stel­lung

Holz

  • Waf­fen (Spee­re und Lan­zen in der Anti­ke)
  • Werk­zeu­ge, z.B. Klüp­fel für die Bild­haue­rei
  • Rad­spei­chen
  • Schus­ter­nä­gel
  • Messergrif­fe
  • Ham­mer­stie­le
  • mathe­ma­ti­schen Instru­men­te
  • Käm­me
  • Zahn­rä­der in Mühl­wer­ken
  • Her­stel­lung von Holz­koh­le

Rinde

  • Tee (gegen Durch­fall)

Blätter

  • jun­ge Blät­ter als Tee, ver­mischt mit jun­gen Sauer­kirsch- und wil­den Erd­beer­blät­tern

Das Holz, die Rin­de und die Blät­ter ent­hal­ten außer­dem Gerb­stof­fe, die als Beiz­mit­tel zum Fär­ben benutzt wur­den. Die Bor­ke fand auf­grund ihres 7- bis 16-pro­zen­ti­gen Loh­ge­hal­tes beim Ger­ben von Leder Ver­wen­dung.

Kornelkirschen

Ich habe aus mei­nen gesam­mel­ten Kor­nel­kir­schen Mar­me­la­de Kon­fi­tü­re gekocht: Die Früch­te mit etwas Was­ser auf­ko­chen und durch ein Sieb pas­sie­ren. Nach den Packungs­an­ga­ben des Gelier­zu­ckers ver­ar­bei­ten. Wer einen wirk­lich süßen Auf­strich will, soll­te unbe­dingt Gelier­zu­cker 1:1 ver­wen­den. (Mehr zur Marmaelade/​Konfitüre)

Letz­te Aktua­li­sie­rung: 24. Mai 2018 @ 0:39

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