Eichel mit Ameise
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Vorräte für den Notfall – Konzept Zivile Verteidigung (KZV) ist keine neue Idee

24. August 2016

Seit eini­gen Tagen schwappt die Häme gegen das neue Zivil­schutz­kon­zept der Bun­des­re­gie­rung nur so durch die sozia­len Netz­wer­ke. Aus den Rei­hen der lin­ken Oppo­si­ti­on wirft man der Regie­rung gar Panik­ma­che vor. Und in der Pres­se wird zahl­reich der Bogen zu den soge­nann­ten „Hams­ter­käu­fen“ in Kriegs- und Man­gel­zei­ten der Ver­gan­gen­heit geschla­gen. – Trotz allem wur­de das Papier heu­te im Kabi­nett ver­ab­schie­det. Was steckt nun aber wirk­lich dahinter?

Kon­kret hat das Kon­zept Zivi­le Ver­tei­di­gung (KZV)  – so der offi­zi­el­le Name – eine Rei­he von vor­be­rei­ten­den Maß­nah­men für den Kri­sen­fall in Deutsch­land zum Gegen­stand. Als wahr­schein­li­che Bedro­hungs­sze­na­ri­en wer­den neben groß­flä­chi­gen Ter­ror­an­schlä­gen auch Cyber­at­ta­cken auf die Was­ser- und Strom­ver­sor­gung auf­ge­zeigt und der Bevöl­ke­rung des­halb emp­foh­len, Was­ser- und Lebens­mit­tel­vor­rä­te anzulegen.

Im Grund­satz hal­te ich das für sehr ver­nünf­tig. Dass es gera­de jetzt kommt, wo bereits eine gewis­se Ver­un­si­che­rung hin­sicht­lich mög­li­cher (wei­te­rer) Ter­ror­an­schlä­ge besteht, ist für mich vor allem Zei­chen eines gestie­ge­nen Pro­blem­be­wusst­seins. Außer­dem ist es schon vor vier Jah­ren in Auf­trag gege­ben wor­den. Da sah die Welt (in Deutsch­land) noch etwas anders aus.

Vor 20 Jah­re wäre die Nach­richt ent­we­der auf all­ge­mei­nes Unver­ständ­nis gesto­ßen oder ganz und gar unter den Tisch gefal­len. Jetzt aber erzeugt sie zumin­dest eine klit­ze­klei­ne Opti­on per­sön­li­cher Krisenvorsorge.

Dabei muss es kein Ter­ror­an­schlag sein, der die Ver­sor­gung mit Trink­was­ser und Lebens­mit­teln vor­über­ge­hend unter­bricht. Es reicht schon ein Hoch­was­ser wie 2002 aus, damit in wei­ten Tei­len einer Groß­stadt für Tage die Lich­ter aus­ge­hen und das Trink­was­ser unge­nieß­bar wird oder ausbleibt.

Zu mei­nen frü­hes­ten Kind­heits­er­in­ne­run­gen gehört der Sil­ves­ter­abend 197879 als mei­ne Fami­lie beim Schein von in lee­re Wein­fla­schen gesteck­ten Ker­zen am Küchen­tisch Dop­pel­kopf spiel­te. Die Schnee­ka­ta­stro­phe in Nord­deutsch­land 1978/​1979 hat­te in wei­ten Tei­len der DDR zu einem Zusam­men­bruch der Strom­ver­sor­gung geführt.

Soldaten beim Schneeräumen
ADN-ZB/Bartocha/2.1.1979 /​Neubrandenburg: Schnee­räu­mung auf Gleisanlagen.

Was den Begriff „Hams­ter­käu­fe“ betrifft, so erin­nert mich das an ein Pla­kat, das wir im DHM in Ber­lin gese­hen haben: Ein Hams­ter in Frau­en­klei­dung schleppt gro­ßen Taschen voll mit Lebens­mit­teln. Es stammt aus der NS-Zeit und pran­gert  das „Hams­tern“ als unso­li­da­risch an. Hams­tern war damals – und bis weit in die Nach­kriegs­zeit hin­ein – eine weit ver­brei­te­te Erschei­nung. Um Ver­sor­gungs­eng­päs­se aus­zu­glei­chen, wur­de gekauft, wann immer es etwas poten­ti­ell Brauch­ba­res gab – und zwar in gro­ßen Men­gen. Im Ide­al­fall konn­ten die „gehams­ter­ten“ Waren gegen ande­re ein­ge­tauscht wer­den. Unterm Strich wur­de dadurch aber die knap­pe Ver­sor­gungs­la­ge nur noch wei­ter verschlechtert.

Beim Zivil­schutz­kon­zept geht es frei­lich um etwas ande­res: Es sol­len indi­vi­du­el­le Not­vor­rä­te ange­legt wer­den, um eine gewis­se Zeit ohne Nach­schub von außen über­le­ben zu kön­nen. Ob das in der Sache nun sinn­voll ist – mag dahin gestellt sein. Es han­delt sich um eine Emp­feh­lung. Kon­kret soll das ein indi­vi­du­el­ler Lebens­mit­tel­vor­rat für zehn Tage und je zwei Liter Trink­was­ser pro Per­son und Tag für fünf Tage sein.

In der Sache ist das nicht mal neu. Des Bun­des­amts für Bevöl­ke­rungs­schutz und Kata­stro­phen­hil­fe (BBK) bie­tet bereits einen  Rat­ge­ber für Not­fall­vor­sor­ge und rich­ti­ges Han­deln in Not­si­tua­tio­nen (PDF, 8MB) nebst einer per­sön­li­che Check­lis­te (PDF, 840KB) zum Down­load an. Auch hier wird das Anle­gen von Not­vor­rä­ten emp­foh­len. Und zwar mit den ganz kon­kre­ten Men­gen­an­ga­ben (in der Check­lis­te) soll man sogar zwei Wochen durchkommen.

Auch wenn man viel­leicht nicht gleich Vor­rä­te für zwei Wochen anlegt, die eine oder ande­re Kon­ser­ve oder die Packung Nudeln mehr im Küchen­schrank wäre schon mal ein guter Anfang. Und die habe ich sowie­so im Haus, denn ich mag es nicht, wegen jeder Klei­nig­keit los­zu­lau­fen. Zudem gibt es eine Rei­he von Lebens­mit­teln, die man schon des­halb vor­rä­tig hat, weil man sie aus den sai­so­nal begrenzt anfal­len­den Ern­ten selbst her­ge­stellt hat. Ich den­ke da an Mar­me­la­de, Dörr­obst, Kräu­ter, Kar­tof­feln, Kür­bis, Wein… Beson­ders Hart­ge­sot­te­ne könn­ten sich auch am Backen von Schiffs­zwie­back versuchen.

Es gibt sogar Zeit­ge­nos­sen, die haben sich die Not­ver­sor­gung in Kri­sen­zei­ten zum Hob­by der beson­de­ren Art erko­ren: die sog. Prep­per. Eini­ge von ihnen beschrän­ken sich nicht auf Lebens­mit­tel­vor­rä­te, son­dern bau­en Bun­ker- und Ver­tei­di­gungs­an­la­gen. Das geht mir dann aber doch etwas zu weit… 😉 Im Zwei­fels­fall hilft sowie­so nur Beten!


Bild im Bei­trag: ADN-ZB/Bartocha/2.1.1979 /​Neubrandenburg: Schnee­räu­mung auf Gleis­an­la­gen Tau­sen­de Hel­fer der Bevöl­ke­rung und der Natio­na­len Volks­ar­mee unter­stüt­zen am 2.1.1979 die Eisen­bah­ner auf dem Bahn­hof der Stadt, um die Glei­se von den Schnee­mas­sen frei­zu­schau­feln. Unser Foto zeigt Sol­da­ten der Ein­heit Burr. By Bun­des­ar­chiv, Bild 183-U0102-026 /​ CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5370567

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  1. Oh ja, an Sil­ves­ter 1978 kann ich mich dun­kel erin­nern. Wir hat­ten zwar Strom, aber kein Lei­tungs­was­ser. Mei­ne Eltern haben Schnee in Eimern in den 5. Stock geholt, damit wir Was­ser zum Waschen und für die Toi­let­ten­spü­lung hat­ten. Kaf­fee wur­de mit Sel­ters­was­ser gekocht. Das war in der DDR etwas sal­zig, Dem­entspre­chend schmeck­te der Kaf­fee anders als sonst. Irgend­wann am Neu­jahrs­tag kamen dann die Wasserwagen.
    Sehr guter Bei­trag, ich stim­me Dir zu! Ich fin­de Vor­rats­hal­tung gut und emp­fin­de die Emp­feh­lun­gen kei­nes­falls als Panik­ma­che. Sol­che Emp­feh­lun­gen gab es zuvor auch, wenn sie auch nicht so in den Medi­en waren. Nun wur­den sie halt über­ar­bei­tet. Und sei­en wir rea­lis­tisch, ein län­ge­rer Strom- oder Was­ser­aus­fall legt alles lahm. Ohne Strom geht doch gar nichts mehr im öffent­li­chen Leben. 

  2. Hey, mei­ner Mei­nung nach scha­det es nicht, einen Vor­rat im Haus zu haben, zumal ich stark bezweif­le, dass unser Staat bei einer groß­flä­chi­gen Kri­sen­la­ge in der Lage wäre, alle Bür­ger zu ver­sor­gen, zumin­dest auf dem Land. Das Hoch­was­ser 2002 samt mehr­tä­gi­gem Strom­aus­fall habe ich hin­ter mir, Feu­er­wehr THW und Co hat­ten genug damit zu tun, Sand­sä­cke zu brin­gen wenn ich mir vor­stel­le dass die auch noch jeden Anwoh­ner mit Was­ser und Essen ver­sor­gen hät­ten müs­sen… Im Gegen­teil, die Hel­fer waren froh zwi­schen­durch von uns eine Stär­kung zu bekom­men, da hat sich der Holz­ofen bewährt.
    Jetzt woh­nen wir nicht mehr im Hoch­was­ser­ge­biet (obwohl die alte Adres­se bis 2002 auch kein Hoch­was­ser­ge­biet war) trotz­dem haben wir genug Vor­rä­te im Haus, auch ohne Emp­feh­lung des Staates.
    Die Reak­ti­on auf das Zivil­schutz­kon­zept kann ich nicht ver­ste­hen, man kann sich doch nicht immer nur auf ande­re ver­las­sen, wenn dann was pas­siert ist das Geschrei groß…
    Tipp: Lest mal das Buch „Black­out“ von Marc Els­berg das Sze­na­rio ist gar nicht so utopisch.
    LG Diana 

  3. Tol­ler Bericht, lie­be Sil­ke. Ich muss­te dabei an mei­ne Oma den­ken, die den Opa immer aus­ge­schimpft hat, weil er grund­sätz­lich mit Palet­ten­wei­se Ange­bo­ten nach hau­se kam. Mei­ne Oma hat dann viel an mei­ne Mama und ihre Geschwis­ter wei­ter ver­schenkt und der Opa durf­te wur­de nur noch sel­ten zum ein­kau­fen geschickt. 😉
    Ich kann nicht sehen was ver­werf­lich dar­an sein soll sich ein paar Vor­rä­te zuzu­le­gen. Was macht man denn, wenn es wirk­lich mal kein Was­ser mehr geben soll­te.. Aber gut, man­che kom­pen­sie­re ihre Angst anschei­nend damit, dass sie sich lus­tig machen oder meckern. Ich wür­de mein Was­ser natür­lich trotz­dem mit ihnen teilen. 😉
    Lie­be Grüße 

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