Allee in Brandenburg
Historisches | Natur&Garten

Ritter Gundermann aus Lietzen
Die Komturei Lietzen in Brandenburg wurde von den Templern gegründet

14. August 2016

Wer ist wohl Rit­ter Gun­der­mann? Nun, er ermög­licht es mir, mal wie­der einen klei­nen his­to­ri­schen Schlen­ker zu voll­zie­hen und trotz­dem das The­ma Essen nicht völ­lig außen vor zu las­sen. 😉

Rit­ter Gun­der­mann stammt aus Liet­zen in Bran­den­burg. Im heu­ti­gen Orts­teil Liet­zen-Nord befin­det sich die ein­zi­ge noch erhal­te­ne Kom­tu­rei des Temp­ler­or­dens in der Bran­den­burg. Sie war zu ihrer Zeit eine von etwa 9.000 Besit­zun­gen der Temp­ler in ganz Euro­pa. Mit die­sen Land­gü­tern soll­ten die Mit­tel erwirt­schaf­tet wer­den, um den Kampf im Hei­li­gen Land zu finan­zie­ren und Män­ner anzu­wer­ben. Auch die Dorf­kir­che (Berlin-)Tempelhof geht auf eine Kom­tu­rei der Temp­ler zurück. Das Cas­til­lo de Pon­fer­ra­da in Spa­ni­en ist die ein­zi­ge bis heu­te erhal­te­ne Burg der Temp­ler.

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Die Kom­tu­rei Liet­zen wur­de 1232 gegrün­det. Bis auf die Kir­che kann man die Gebäu­de zwar nur von außen besich­ti­gen. Aber wenn man aus Rich­tung Ber­lin in Rich­tung Osten nach Frankfurt/​Oder oder See­low unter­wegs ist, lohnt sich ein Abste­cher nach Liet­zen auf jeden Fall.

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Sehens­wert ist vor allem die um 1250 errich­te­te ein­schif­fi­ge roma­ni­sche Kom­tu­rei­kir­che. 

Komturei Lietzen KIrche Innenansicht

Das gro­ße Spei­cher­haus wur­de Anfang des 14. Jahr­hun­derts erbaut.

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Am Weges­rand in Liet­zen traf ich dann auch Rit­ter Gun­der­mann. Hab ihn heim­lich mit­ge­nom­men und zu Hau­se in einen ganz und gar bür­ger­li­chen Blu­men­topf gesteckt. Dort wächst er nun und wird – so hof­fe ich – bald groß und stark. Das bes­te an ihm: Man kann ihn essen!

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Ob bei den Temp­le­rit­tern wohl auch schon der auch als Gun­del­re­be (Glecho­ma heder­acea) bekann­te „Rit­ter“ Gun­der­mann in der Küche Ver­wen­dung fand? Auf­merk­sam auf die­sen grü­nen Gesel­len hat mich ein Bei­trag von AnDi gemacht, auf des­sen Schlem­mer­bal­kon er eben­falls zu Hau­se ist.

Die Pflan­ze ist reich an Vit­amin C, aber auch für vie­le Säu­ge­tier­ar­ten (z.B. Pfer­de) gif­tig. Frü­her wur­den die jun­gen Blät­ter als Gemü­se gekocht und zähl­ten zu den Grün­don­ners­tags­ge­rich­ten. In der Natur­heil­kun­de fand und fin­det Gun­der­mann Ver­wen­dung, z.B. auch gegen Tumo­re. Eine wei­te­re, viel­sa­gen­de Bezeich­nung ist „Sol­da­ten­pe­ter­si­lie“.

Unser Rit­ter Gun­der­mann ist also weder gerüs­tet, noch mit einem Schwert gegür­tet, aber trotz­dem ein schlag­kräf­ti­gen Gewächs! Aller­dings gilt er als Unkraut und wird mit dem Pflan­zen­schutz­mit­tel Glu­fo­si­nat bekämpft. Das erin­nert mich etwas an das Schick­sal des Temp­ler­or­dens: Erst nütz­lich, dann aus­ge­merzt.

P.S.: Mit der Auf­lö­sung des Temp­ler­or­dens durch Papst Cle­mens IV. im Jah­re 1312 war die Geschich­te der Kom­tu­rei Liet­zen noch lan­ge nicht vor­bei. Zunächst über­nah­men die Johan­ni­ter die Besit­zung, die dann mit Säku­la­ri­sie­rung 1812 in den Besitz des König­reichs Preu­ßen über­ging. Der preu­ßi­sche König schenk­te sie schon wenig spä­ter der Fami­lie von Har­den­berg. Auch der Charme die­ser Zeit hat sich in Liet­zen erhal­ten.

Die Natio­nal­so­zia­lis­ten beschlag­nahm­ten den Besitz, da Carl-Hans Graf von Har­den­berg (1891−1958) zum Kreis der Ver­schwö­rer vom 20. Juli 1944 gehör­te. Pro­zess und Todes­ur­teil ent­ging er auf­grund der Befrei­ung des KZ Sach­sen­hau­sen, wo er inhaf­tiert war.

Manch­mal kom­men schlim­me Schick­sa­le im Nach­hin­ein doch noch zu einem guten Ende: Da die Fami­lie von Har­den­berg auf­grund der Betei­li­gung am Atten­tat vom 20. Juli 1944 bereits vor der Boden­re­form als prak­tisch ent­eig­net galt, wur­de der Besitz der Kom­tu­rei Liet­zen 1993 rück­über­tra­gen. Heu­te ist die Kom­tu­rei Liet­zen nicht nur land­wirt­schaft­li­cher Betrieb, son­dern auch Sitz der Carl-Hans Graf von Har­den­berg-Stif­tung, die sich der Aus­bil­dung und Erzie­hung von Jugend­li­chen in Ost­bran­den­burg wid­met.

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