Historisches

[Rückwärtszählübung:] Als Deutschland den Mond eroberte… 
Fritz Lang erfand den Countdown des Raketenzeitalters

25. Juli 2016

„Der Mond­ex­per­te Pro­fes­sor Georg Man­feldt ver­mu­tet Was­ser, Sauer­stoff und gro­ße Gold­vor­kom­men auf der erd­ab­ge­wand­ten Sei­te des Mon­des – eine Theo­rie, für die er in der Wis­sen­schaft igno­riert und aus­ge­lacht wird. Allein der Inge­nieur und Flug­werft­be­sit­zer Wolf Heli­us glaubt auch dar­an. Gemein­sam mit dem Inge­nieur Win­deg­ger und des­sen Ver­lob­ter, der Astro­no­mie­stu­den­tin Frie­de Vel­ten arbei­tet Heli­us an der Ver­wirk­li­chung der ers­ten Mond­ex­pe­di­ti­on. In den „Heli­us-Werf­ten“ ent­steht dafür ein impo­san­tes Rake­ten­schiff namens ‚Frie­de’, in dem Heli­us, Win­deg­ger, Man­feldt und Vel­ten auf­bre­chen wol­len…” (Quel­le: Wiki­pe­dia)

Nun wis­sen wird, dass die Deut­schen (lei­der?) nie auf dem Mond waren. Das haben die Ame­ri­ka­ner erle­digt und zwar erst vier Jahr­zehn­te spä­ter. Was ich hier zitiert habe, ist die Hand­lung des 192829 von Fritz Lang gedreh­ten Sci­ence-Fic­tion- Stumm­films „Die Frau im Mond”. Es ist einer der letz­ten deut­schen Stumm­fil­me, nach der Roman­vor­la­ge von Thea von Har­bou.

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Fritz Lang und Ehe­frau Thea von Har­bou, von Wal­de­mar Tit­zentha­ler (Gemein­frei)

War­um ich hier über die­sen Film schrei­be? Nun, ich konn­te es ein­fach nicht las­sen, die Sache mit der „Rück­wärts­zähl­übung” mei­ner Mit-Blog­ge­rin „Mein Name sei MAMA” einer nähe­ren his­to­ri­schen Betrach­tung zu unter­zie­hen. Denn Fritz Lang hat in DIESEM Film das erfun­den, was wir heu­te „Count­down” nen­nen:

„Als ich das Abhe­ben der Rake­te dreh­te, sag­te ich mir: Wenn ich eins, zwei, drei, vier, zehn, fünf­zig, hun­dert zäh­le, weiß das Publi­kum nicht, wann die los­geht. Aber wenn ich rück­wärts zäh­le, zehn, neun, acht, sie­ben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins, NULL! – dann ver­ste­hen sie.“ [Rei­mer Gro­ne­mey­er: Der Him­mel: Sehn­sucht nach einem ver­lo­re­nen Ort, Patt­loch eBook 2012, zit. nach Wiki­pe­dia]

Bei You­tube könnt ihr euch die Film­se­quenz des Rake­ten­starts (eng­li­sche Fas­sung) anschau­en.

Es ist kein Zufall, dass die Schwarz-Weiß gestri­che­ne Film­ra­ke­te äußer­lich an die spä­ter gebau­te V2 (Aggre­gat 4) erin­nert, die als welt­weit ers­te bal­lis­ti­sche Boden-Boden-Rake­te im Zwei­ten Welt­krieg zum Ein­satz kam. Der Medi­zi­ner und Phy­si­ker  Her­mann Oberth, ein tech­ni­scher Bera­ter des Films, hat­te sich schon 1923 in „Die Rake­te zu den Pla­ne­ten­räu­men” mit den Grund­la­gen der Raum­fahrt­tech­nik beschäf­tigt. Spä­ter gehör­te er zu jenen Kon­struk­teu­ren um Wern­her von Braun, die die V2 bau­ten. Ein Flug zum Mond wur­de schon damals als ein in unmit­tel­ba­rer Zukunft tech­nisch rea­li­sier­ba­res Unter­fan­gen ange­se­hen.


- Anzei­ge -

Wann nun die ers­te ech­te Rake­te nach einem Count­down star­te­te, konn­te ich nicht her­aus­fin­den. Fest steht, dass das mitt­ler­wei­le gän­gi­ge Pra­xis und zu einem kom­ple­xen Vor­gang (Bei­spiel Space Shut­tle) aus­geufert ist.

Und fest steht auch, dass das Wort „Count­down” ein Angli­zis­mus ist. Gewis­ser­ma­ßen sogar ein in Deutsch­land ent­stan­de­ner. Der Ver­ein Deut­sche Spra­che e.V. schlägt als deut­sches Äqui­va­lent „Null­zäh­lung, Start­zäh­lung oder Start­se­quenz”. Da fin­de ich „Rück­wärts­zähl­übung” dann doch tref­fen­der. 😉

„Die Frau im Mond” gehört zu den beson­ders gut erhal­te­nen Stumm­fil­men. Die restau­rier­te Fas­sung gibt es auf DVD*.

Letz­te Aktua­li­sie­rung: 24. Mai 2018 @ 0:03

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