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DIY&Upcycling | Historisches

Zurück ins 14. Jahrhundert: Chemise

21. April 2016

Die Sai­son der Mit­tel­alt­er­fes­te hat längst wie­der begon­nen. Ter­mi­ne gibt es reich­lich. Ich habe die Sei­te „Mit­tel­al­ter-Zeit­rei­se” für mich ent­deckt. Dort fin­det man eine sehr umfas­sen­de Terminübersicht.

Angeb­lich fra­gen sich Frau­en ja stän­dig: Was zie­he ich an? Damals. im Spät­mit­tel­al­ter, hat­ten höchs­tens gut­be­tuch­te (hier wört­lich zu ver­ste­hen) Bür­ger und Ade­li­ge sol­che Luxus­pro­ble­me. Ich habe sie auch nicht, besit­ze näm­lich nur einen kom­plet­ten Satz Klei­dung für die­se Zeit. Die will ich euch nach und nach vorstellen:


- Anzei­ge -

Ganz unten­drun­ter, also als Unter­wä­sche, trug man (und frau) damals ein Hemd aus Lei­nen. Das wur­de Che­mi­se genannt. Män­ner tru­gen sie kür­zer, Frau­en län­ger. Bei­de wohl in der Regel lan­gär­me­lig. Hier geht es nun um die Aus­nah­me, d.h. die ärmel­lo­se Chemise.

Es sind eine Rei­he von Abbil­dun­gen von Frau­en in ärmel­lo­sen Che­mi­sen über­lie­fert. Beson­de­res inter­es­sant fin­de ich das Fres­co „The Birth of John the Bap­tist” von Gius­to de‘ Men­ab­uoi, das um 1378 in Padua ent­stand. Hier ist neben einer Frau in ärmel­lo­ser Che­mi­se, die den Neu­ge­bo­re­nen wäscht, noch eine ande­re zu sehen, die ein Klei­dungs­stück mit t-shirt­äh­li­chen kur­zen Ärmeln trägt. Auch eine Chemise?

Hemd_mini
Mei­ne Version

Mei­ne Aus­füh­rung ist an mei­ne Grö­ße ange­passt. Sie besteht aus fei­nem Lei­nen und wur­de von mir mit Sei­den­garn kom­plett von Hand genäht. Die Sei­ten­näh­te sind als Kapp­naht ausgeführt.

Den Schnitt für mei­ne Che­mi­se habe ich unter den vie­len his­to­ri­schen Schnit­ten der tsche­chi­schen Sei­te „His­to­rické kos­tý­my a stři­hy” (Tex­te z. T. auch Eng­lisch) gefun­den. Das Ori­gi­nal, auf dem die­ser Schnitt beruht,  stammt aus dem 14. Jahr­hun­dert. Es wur­de im 19. Jahr­hun­dert bei Bau­ar­bei­ten auf Burg Ranis/​Thüringen gefun­den . Mitt­ler­wei­le ist es  lei­der verschollen.

Ein Fund aus Leng­berg in Öster­reich belegt, dass es zu die­ser Zeit sogar schon sowas wie BHs gab. Wer sich auch dar­an ver­su­chen will: Eine Rekon­struk­ti­on eines Mit­tel­al­ter-BHs fin­det ihr mit Schnitt­mus­ter (für gut gebau­te Frau­en­zim­mer) in Cath­rin Åhléns sehr zu emp­feh­len­den Blog „Kata­falk”.

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